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eisen, ein Tausent spendtelent so nachgehent 9 Pfd. wiegen müssen, item Neunerlei Nageleisen. Die übrigen Angehörigen dieser Hammerzunft, die Kupferschmied, Büchsenmacher, Uhrmacher und Wagner sollen machen, was heutiges Tages bei diesen Gewerken bräuchlich.(1731)
Es leuchtet ohne weiteres ein, daß die Meister durch die Aus-
gestaltung der Meisterstücke in der erwähnten Richtung zwar
ihrem eigenen Nutzen dienten, indem sie die Konkurrenz ein- schränkten. Aber ebenso klar ist, daß damit dem Handwerk in
Wahrheit nur schlecht gedient wurde, indem so tüchtige, aber
ärmere Jungmeister zurückgehalten, dafür aber untüchtigere
Meistersöhne durch einseitige Bevorzugung dem Handwerk zu-
geführt wurden. Daß dadurch die Leistungsfähigkeit nicht ge-
hoben wurde, ist selbstverständlich. Darum blieb schließlich nur ein Eingreifen der Regierung übrig. Der Punkt, wo die Reformen einsetzen mußten, ist durch die obige Schilderung der eingerissenen
Unzuträglichkeiten gegeben. So wurden in Bingen bei der er-
wähnten Zunftreform im Jahre 1779 die Meisterstücke in folgender
Weise neugeordnet.
Bender(Küfer): ein ordentliches Stückfaß ad 7 ½ ohm.
Strumpfweber: ein Paar Handschuhe und Strümpfe.
Schneider: ein Manns-Rock, Weste und Hoosen, welche der new angehende nach seinem leib machen soll und ebenso ein Weibsrock und Mützgen, und golet benebst den übrigen Kleidungsstücke zeichnen.
Hueffschmitt: ein Hufeisen und Nägel, womit er ein Pferd, ohne das maass zu nehmen zu beschlagen hatt, ferner eine zimmeraxt und einen karst, ohne auf ein gewisses Gewicht zu sehen und endlich Beschlagung eines halben Wagens sambt achs und raad.
Kupferschmied
Büchsenmacher ein gebräuchlich Meisterstück, welches mit Uhrenmacher Vorteil an mann gebracht werden kann. Wagner
Becker: verschiedene weck und brod Sorten. Schreiner: ein Tührenn oder Kleiderschrank. Schlosser: ein französisches Schloss sambt Schlüssel. Nagelschmitt: 30 kleine und grosse Nägel, welche man täglich verkauffet. Schuhmacher: ein ordinaires Paar Manns- und Weibsschuhe und Stiefel. Maurer: ein Creutzgewölbe zu 8 Säulen. Leyendecker: ein Dachfenster mit einem Knopf. Tüncher: ein Riss ohne Zirckel. Seyler: ein Haasengarn. Diese Neuordnung der Meisterstücke zeigt nicht nur eine wesent- liche auf die praktischen Erfordernisse gerichtete Vereinfachung, sondern namentlich in den Zusätzen auch die Rücksichtnahme auf die Möglichkeit einer Verwertung des Meisterstücks durch Verkauf, also eine wirkliche Reform.— Aber sie vermochte den inneren Zerfall der Zünfte auch nicht mehr lange aufzuhalten. Das Eintrittsgeld als Meister betrug in den einzelnen Zünften Eintrittsgeld zwischen 12 und 36 fl.; dazu kamen noch einige albus für Ein- und Aufnahme
1. Spendel vgl. Spenadel von spinula Dorn, eine Nägelart, nach Weigand Deut. Wörterb.


