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bestand, war auch der Zunftzwang am Platz, und Handwerker und Käufer standen sich dabei im allgemeinen nicht schlecht. Das wurde aber ganz anders, als durch verbesserte Verkehrsmittel und Entdeckungen neue Handelswege eröffnet wurden, als die Schranken, die vormals jede einzelne Stadt umhegt hatten, mehr und mehr fielen und die Bürger dadurch in die Lage kamen, ohne erhebliche Mehrkosten, ihre Waren auch leicht von auswärts beziehen zu können. Da schließlich noch infolge zahlreicher und langer Kriege die Kaufkraft der Bürger sank, so bildete sich etwa seit dem 16. Jhdt. allmählich eine Notlage des Handwerks in den Städten heraus. Aber anstatt nun das Zunftkleid, das unter den neuen Verhältnissen dem Handwerk zu eng geworden war, ab- zuwerfen oder wenigstens zeitgemäß umzuarbeiten, so daß das Handwerk sich freier regen konnte, suchten die Handwerker in Verkennung der neuen wirtschaftlichen Faktoren sich dadurch vor Erwerbslosigkeit zu sichern, daß sie den ursprünglich gesunden Zunftzwang einseitig übertrieben. Sie erschwerten durch allerlei Schikanen den Eintritt in die Zunft, um sich die Konkurrenz vom Leibe zu halten. Die geforderten Meisterstücke z. B. wurden so schwierig gestaltet, daß man jederzeit dem jungen Meister einen Fehler nachweisen und ihn so von der selbständigen Ausübung des Handwerks noch eine zeitlang wenigstens fernhalten konnte, während die Meistersöhne stark bevorzugt wurden. Schließlich ging man sogar soweit, daß man die Zunft amtlich schließen ließ, d. h. mit Zustimmung der Obrigkeit festsetzte, daß nur eine bestimmte, nicht zu große Zahl von Meistern eines und desselben Handwerks in der Stadt tätig sein durften. Bei der schon er- rähnten Reform der Zünfte 17791 werden in Bingen für folgende Zünfte feststehende Meisterzahlen amtlich angesetzt: Schuhmacher 20, Fassbender 24, Maurer 7, Zimmerleute 5, Tüncher 4, Leyen- decker 3. Es konnte also bei den genannten Gewerken kein neuer Meister aufgenommen werden, bevor nicht einer aus der festgesetzten Zahl ausgeschieden war. Ein Vergleich mit der Zusammenstellung von 1765(s. o.) zeigt, daß bei dieser Schließung der Zünfte die Meisterzahl der Maurer und Zimmerleute um die Hälfte zurückgeschraubt wurde. Natürlich wurden in diesen Zeiten auch die Aufnahmegebühren und die Lehr- und Wanderzeit vielfach willkürlich erhöht. Schießlich kam es soweit, daß der Handwerker, der keiner Zunft angehörte, einfach unmöglich gemacht wurde, weil er vor allem kein Gesinde bekommen konnte; denn kein Geselle ging aus der Stadt, wo sein Handwerk zünftig war, in eine andere, wo es nicht zünftig war, weil die dort verbrachten Jahre ihm beim späteren Meisterwerden nicht ange- rechnet wurden, da er darüber nicht Brief und Siegel einer Zunft vorweisen konnte. So wurden schließlich auch die ur- sprünglich nicht zünftig organisierten Handwerker einfach ge- zwungen, sich zu einer Zunft zusammenzuschließen, um nicht von dem allmächtig gewordenen Zunftzwang erdrückt zu werden. Darum erleben wir also in der Spätzeit noch einmal eine Neuerrichtung von Zünften. Das betrifft naturgemäß die weniger wichtigen oder erst spät zur Blüte gelangten Handwerke. Die Landesregierungen hatten übrigens im allgemeinen damals schon längst das Ungesunde dieser Art von Zunftzwang erkannt, und es Werden bereits vereinzelte Versuche gemacht, die Zünfte auf-
1. Vgl. R. Prot.


