Aufsatz 
Das Zunftwesen in Bingen
Entstehung
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Verfall

der Zünfte.

Säckler 2 Säckler Sadler 23 Sattler 8 Seifensieder 1 Seifensieder 3 Schiff- u. Steuerleute 38 Schiff- u. Steuerleute 65 Schlosser 6 Schlosser 11

Schmitte 2 Hufschmiede 3 Schneider 14 Schneider 22 Seyler 12 Seiler 3 Schreiner 9 Schreiner 30 Schuhmacher 20 Schuhmacher 55 Schuhflicker 5 Spengler 3 Spengler 6 Silberschmitt 1 Gold-u. Silberarbeiter 2 Stuhlmacher 1 Stuhlflechter 1 Strumpfweber 7 Strumpfweber Tabakfabrikant 1 Tabakfabrikanten 4 Wagner 2 Wagner 3 Wachszieher 3 Wachszieher Weissgerber 1 Weissgerber Zeuchschmitt 1 Zeugschmied 4 Zimmerleute 10 Zimmerleute 8 Zinngieser 1 Zinngießer Zuckerbäcker 2 Zuckerbäcker 2

Um die Vergleiche zu erleichtern, ist die Reihenfolge von 1869 so geändert, daß die entsprechenden Gewerke sich gegenüber stehen. Darnach ergibt sich, daß eine Reihe der alten Gewerke, darunter solche, die früher stark vertreten waren, wie Leineweber und Strumpfweber, ganz verschwunden sind; andere, wie die Rot- gerber sind stark zurückgegangen oder stehen mit! Meister auf dem Aussterbeetat. Dafür treten nach den geänderten Bedürf- nissen der neueren Zeit folgende Neuerscheinungen ein: 2 Mechaniker, 4 Uhrmacher, 1 Branntweinbrenner, 2 Essigsieder, 2 Regen- und Sonnenschirmmacher, 1 Gypsarbeiter, 1 Bürstenbinder, 1 Lackierer, 1 Scherenschleifer, 1 Tapezierer, 1 Pumpenmacher, 1 Steinmetz, 1 Schiffbauer, 1 Dekatierer, 1 Leuchtgasfabrikant, 1 Leim- und Lackfabrikant, 1 Fabrikant' chemischer Stoffe, 1 Stärkefabrikant. Es mehrt sich also die Zahl der Fabrikanten, denn wir stehen im Beginn des Fabrikbetriebes, der mit seinen Maschinen der Tod- feind des zünftigen Handwerks ist Im Zusammenhang damit steht eine starke Vermehrung der Händler aller Art, die wir hier nicht einzeln anführen. Nur sei darauf hingewiesen, daß statt des 1 Weinhändlers von 1769 im Jahre 1869 gezählt werden 26 Weinhändler im Großen und 33 Weinhändler im Kleinen. So ist es nicht verwunderlich, daß sich auch die Zahl der Küfer fast verdoppelt hat. Die höheren Anforderungen der neuen Zeit in Bezug auf die Wohnungen und ihre Ausstattung spricht sich in der stark vermehrten Zahl der Tüncher und Schreiner aus, wobei natürlich mit in Rechnung gezogen werden muß, daß abgesehen von der Bevölkerungszunahme das Absatzgebiet der Handwerker des freien Gewerbes nicht mehr auf das Stadtgebiet beschränkt war.

Wir haben früher gesehen, daß das ganze Zunftwesen ur- sprünglich auf der Tatsache aufgebaut war, daß jede Stadt eine Wirtschafts-Einheit für sich bildete. Solange diese Voraussetzung

1. Nach-der vergleichenden Statistik der Stadt Bingen v. 1769-1869 i. Städt. Arch.