Aufsatz 
Das Zunftwesen in Bingen
Entstehung
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Gerberzunft.

Seilerzunft.

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anzudrohen für nötig findet:Denn es werden sämtliche Färcher und die von Ihnen einzustellende Leuthe, dass keiner an der vor- geschriebenen Gebühr Jemanden übernehmen solle, hiermit ernst- lich und unter der abermaligen Verwarnung hiermit angewiesen, dass derjenige, welcher einen passanten ein mehreres, als diese Taxordnung ausweist, abfordern würde, zur Erlegung eines gulden für jeden über den vorgeschriebenen Lohn abgeforderten Kreuzer angehalten werden würde. Annebst wird den Färchern schärfest anempfohlen, die passanten onnöthiger Weise nicht aufzuhalten, sondern jedermann alsogleich sowohl dies als jenseits Rhein Überzuführen, gestalten mann jeden gefliessentlichen Aufenthalt deren passanten, welche zur Zahlung der regulierten Uberfahrts- gebühr erbietig sind, als ein unerlaubtes Mittel zu Erpressungen ansehen und bestrafen werde.

An diese erste 5 gliedrige Gruppe der Binger Zünfte, die

bereits in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisbar sind, (Bäcker, Metzger, Faßbender(Küfer) und Schiffsleute), schließt sich eine 2. Gruppe ebenfalls 5teilig, deren Organisation um etwa- 100 Jahre später, in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zu setzen ist. Es sind folgende in der Reihenfolge genannt, wie sie ur- kundlich erwähnt werden, die Bruderschaften der Gerber, der Seiler, der Schneider und Tuchscherer, der Wollen- und Leine- weber und der Schuhmacher und Altruessen(d h. Flick- oder Riesterschuster). Es ist nicht ohne Interesse festzustellen, daß alle 5 Zünfte dieser Gruppe von vornherein als Bruderschaften organisiert sind, was wohl in lebhafteren religiösen Strömungen der Zeit seinen Grund haben mag. Zuerst wird die Gerber- bruderschaft erwähnt am l. März 1413 1. Sie gestattet den Herren zum Dome in Mainz aus dem Hof zum Walde(in der Hasengasse) einen Gang durch ihr Gotteshaus Der Gerber Gotteshaus lag in der Pfaffengasse, wie eine Notiz von 1540 besagt.? Es ist damit das Br ruderschaftshaus gemeint, das auch die Zunftherberge enthielt. Diese führte bei den Bruderschaften die Bezeichmung Gotteshaus, weil dort um Gottes Lohn auch Armenpflege und Wohltätigkeit geübt wurde. So lesen wir in dem Ratsprotokoll von 1535:Disse hernach geschriben gotzdienst werden durch einen Ersamen Radt erhalten von dem Innkommen der Bruder- schafften, so ein Ersamer Radt zu Jme genomen hat... 8 gulden gibt man Jarlichen dem knecht in der schneider gotshauss vor sein lon vnd holtz, so Er gibt zu den spennen; item 16 malter korns vnd drew malter erbis gibt man Jares zu spennde in der schneider gotzhauss, Nemblichen zu J(e)der spende zwey malter brodt vnd drew somerin erbiss vnd gibt man all virtheil Jare zwo spenden.

Die auf einer Behausung zu ähnlichen Bruderschaftszwecken ruhende jährliche Abgabe von einem Gulden hat uns die erste- urkundliche Erwähnung der Seilerbruderschaft am 11. Januar 1427 erhalten? Ihre Zunftartikel wurden am 31. Dezember 1706 durch den Dechanten Franz Emmerich von Bubenheim erneuert, nach- dem die alfe Urkunde durchden leidigen Brand des französischen Krieges 1689 verloren gegangen War.

1. W R. Nr. 416. 2 W. R. Nr. 614. 3. Sann Lur Paeicltrie 4⸗ Simmer. 5. W. R. Nr. 442 6. Städt Arch.