Aufsatz 
Das Zunftwesen in Bingen
Entstehung
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Schifferzunft.

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schmiede und W agner der Stadt Bingen zu einer Zunft zusammen- gefaßt, die dann später die kurze BenennungHammerzunft führt. Eine solche Zusammenfassung mehrerer und auch ganz verschiedener Handwerke zu einer Gesamtzunft ist namentlich in kleineren Städten nichts Seltenes und geschah öfters, wenn die Vertreter der einzelnen Gewerke in nur geringer Zahl am Ort sesshaft waren, damit sie in die wichtige Zunftorganisation ein- gegliedert werden konnten, auch wenn sie infolge der geringen Zahl keine selbständige Zunft ihres eigenen Handwerks auftun konnten. Dadurch kamen dann allerdings häufig für unser Gefühl merkwürdige Zusammenstellungen heraus. Oder berührt es uns nicht eigenartig, wenn sich in Bingen ein Uhrmacher als Zunft- bruder der Hufschmiede fühlen mußte? Im Anhang zu den Ratsprotokollen von 1535 werden den Schmieden ausdrücklich zugerechnet: Messerschmiede, Kanthengießer, Schlosser, Schreiner, Spengler, Leyendecker, Gürtler, Sporer, Satler, Zimmerleuth, Meurer, Glaser, Dreher, Goldschmit, Armbroster, Kupferschmit, Wagner, Weissbender, Buchsenmacher, Haffner. Einzelne dieser hier bei den Schmieden untergebrachten Gewerke haben sich später mit dem Anwachsen ihrer Meisterzahl zu einer besonderen Zunft zusammengetan. Die ältesten Artikel der Hammerzunft gingendurch den in anno 1689 den 4. Juni erlittenen allgemeinen französischen Brand verloren und wurden am 18. Juli 1702 und nochmals am 19. September 1731 durch das Domkapitel in Mainz erneuert. Uber die Schicksale des Schmiedebundes fehlen zur Zeit noch spätere Nachrichten.

Zu dieser ältesten Gruppe der Binger Zünfte, deren Ent- stehung sicherlich bis ins 14. Jhdt. zurückreicht, nämlich den Bäckern, Metzgern, Faßbendern und Schmieden gehört endlich noch die Bruderschaft der Schiffsleute. Es ist allem Anschein nach dieselbe, die öfters als St. Nicolaus-Bruderschaft genannt wird; denn St. Nicolaus galt als Schutzpatron der Schiffer, weil er durch sein Gebet ein Schiff mit Passagieren vom Untergang gerettet haben soll. Vielleicht deutet das Zeichen IV auf dem Wappen der Schifferzunft von 14131 auf seinen Namen. Zwar haben wir, soweit bis jetzt zu ersehen, keine Zunftartikel aus der ältesten Zeit der Schifferzunft, aber wir besitzen eine kleine Pergamenturkunde des Inhalts, daß am 17. März 1394 Jeckel Bube und Eckelmann sein Schwager der Bruderschaft der Schiffleute zu Bingen Bürgschaft leisten für 10 fl. Damit ist also ihr Bestehen für die 2. Hälfte des 14. Jhdt. gesichert. Die offiziellen Akten reißen dann ab, und wir besitzen erst wieder die Zunftartikel der Schiffer- und Fischerzunft vom 14. Jan. 1717,3 die vom Dechanten Hugo Wolfgang von Kesselstadt erlassen sind und in ihrer Einleitung darauf Bezug nehmen, daß die Zunft seither keine von der Obrigkeit bestätigten Artikel besessen habe. Das ist wohl auch dadurch zu erklären, daß sie in den Kriegs- trubeln verloren gegangen waren. Bei der Gelegenheit muß darauf hingewiesen werden, daß das, was heute unter dem Namen Zunft oder Innung geht Neugründungen sind, die auf ganz anderen, modernen Grundlagen beruhen als die alten Zünfte, von denen wir hier sprechen, und die mit diesen wenig mehr als den Namen

1. In der städt. Sammlg. auf Klopp.(Anker und IV). 2. W. R. Nr. 369. 3. Städt. Arch.