vielleicht nur als mündliche Abrede, sogar schon früher bestanden zu haben. Der Bundesbrief ist gesiegelt von den erstgenannten 6 Städten. Die Bäcker in Bacharach und Boppard, von wo übrigens ein Binger Kind(Heinrich von Bingen) an den Ver- handlungen teilnahm, scheinen noch nicht so vollständig organisiert gewesen zu sein, weil sie noch kein eigenes Zunftsiegel haben. Als Vertreter der Binger Bäckerzunft waren„Wentze Gysenheimer und Heintze Gysenheimer, sinsz bruder sun“ zur Tagung in Worms erschienen. Wir haben hier eine Art rheinischen Bundes vor uns, lediglich zu Zwecken des Handwerks, der mit höchster Wahrscheinlichkeit als eine Nachwirkung und in ge- wissem Sinn als eine Ergaànzung des bekannten rheinischen Städtebundes zum Schutz des Landfriedens vom Jahre 1254 zu betrachten ist, bei dessen Gründung neben Worms, Mainz, Oppen- heim auch Bingen mit zuerst beteiligt war. Zunächst Sei fest- gestellt, daß die in dem Handwerkerbund vereinigten 7 Städte sich auch alle unter den Teilnehmern an dem großen Städtebund genannt finden, wie sich aus einem Rundschreiben der Stadt Cöln vom 14. Januar 1255 ergibt.4 Die Vermutung, daß jener lange in gutem Andenken stehende und wiederholt erneuerte Bund oder später nach diesem Muster erfolgte andere Einungen auf die Gründung des Bäckerbundes und der übrigen Handwerkerbünde rheinischer Städte nicht ohne Einfluß gewesen ist, dürfte darin eine weitere Stütze finden, daß es sich auch bei den sogen. Landfriedensbünden nicht zuletzt um Sicherung des Handels durch militärischen Schutz, also um gewerbliche Interessen drehte, vor allem aber darin, daß unmittelbar vor der Gründung des Bäcker- bundes von 1352, nämlich im Jahre 1351 ein neuer Landfriedens- bund der rheinischen Städte durch Karl IV. errichtet worden war Dieses Zusammentreffen wird man um so weniger als Zufall an- sehen dürfen, als auch die Gründung eines weiteren rheinischen Handwerkerbundes, nämlich der Faßbender oder Küfer, von dem noch später die Rede sein wird, ebenfalls in einer Zeit erfolgt war, wo solche Landfriedensbestrebungen der rheinischen Städte lebhaft im Gange waren. Der unter Kaiser Ludwig, dem Bayern, 1334 geschlossene Landfriede der rheinischen Städte von Straß- burg bis Bingen war nämlich erneuert worden 1340 auf 2 Jahre, 1344 auf 4 Jahre. Der genannte Bund zwischen den Küferzünften von 7 Rheinstädten aber war ebenfalls 1344 gegründet worden. Ganz ebenso verhält es sich endlich mit dem 3. rheinischen Handwerkerbund der Schmiede, der 1383 geschlossen wurde, nachdem sich Bingen im Jahre 1381 wiederum einem rheinischen Städtebund angeschlossen hatte. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang noch, daß auch die ferner gelegene Stadt Geln- hausen dem Bund der Schmiede angehört, die im Jahre 1382 2 in den rheinischen Städtebund aufgenommen worden war. Weiden- bachs erwähnt endlich noch, um auch das hier gleich anzufügen, daß die Schneider zu Bingen am 26. Juli 1457 ein Bündnis mit ihren Zunftgenossen zu Mainz, Straßburg, Worms, Speyer, Frankfurt, Landau, Heidelberg, Oppenheim, Koblenz, Alzei, Odern- heim, Wimpfen, Heilbronn, Aschaffenburg, Kaiserslautern, Neu- stadt, Ladenburg, Butzbach und Gelnhausen auf 28 Jahre schlossen. Leider gibt er seine Quelle nicht näher an, hat aber offenbar
1. Weidenbach: Rhein. Antiqu. Bd. 20. p. 347. 2. Schaub: Städtebund I Nr. 217. 3. Rh. Antiqu. Bd. 20. p. 387.


