Aufsatz 
[Zur griechischen Grammatik] : über genike und dotike ptosis / [Georg] Blackert
Entstehung
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ſein; was der griechiſche Genitiv beſagt, drücken wir durch den Zuſatz mein, dein und andere Pronomina noch deutlicher und ſtaͤrker aus. Wir gebrauchen den Ausdruck: geh deiner Wege, namentlich dann, wenn wir damit ſagen wollen, daß es Einem jetzt zukomme, ihm durch die Natur der Umſtände geboten werde, auf ſeinen Weg zu gehen. Zu Einem, der zauderte oder, ſeines Weges nicht achtend unnöthig hierher und dorthin blickte, würden wir ſagen: Laß dieſes, was jetzt ungehörig iſt, und ſieh auf deinen Weg, oder geh deiner Wege; zaudre nicht. Das, daß wir die Füße auf den Weg ſetzen, von dem Wege nicht rechtshin und nicht linkshin ausweichen, ſondern wie mit dem Wege verwachſen, aufs innigſte mit ihm verbunden, genau und ſorgfältig auf ihn achtend dahin gehen, das liegt im griechiſchen Genitiv. Wenn Ariſtophanes in den Fröſchen V. 174. den Todten zum Dionyſus und deſſen Begleiter ſagen läßt: rdre, neis ris 5505,zieht fürbaß Cures Wegs⸗ ſo erklärt er ihnen, daß ſie ſich um ihn weiter nicht bekümmern, ſondern fürbaß ihres Weges, auf dem ſie ſich befänden, zichen ſollten; er wolle ſie auf dem von ihnen betretenen Wege nicht aufhalten, da das Anerbieten, welches ſie ihm gemacht, zu gering wäre. Etwas anders iſt die Erklärung, wonach der Ausdruck: geh deines Wegs, eine Aufforderung enthalten ſoll, einen Weg einzuſchlagen. Jac. Grimm ſagt über den Genitiv, Gr. IV, 681., alſo:geh deinen Wegl iſt merkbar verſchieden von geh deines Wegs! jenes ſagt: verfolge deinen Weg, bleib ihm treu, dies bloß: mache dich auf, geh fort! der Accuſativ hat das Erſchöpfen, der Genitiv das Anheben auszudrücken. Einer der ſich ſchon mitten im Wege befände könnte nur ſagen: ich gehe dieſen weg; wer im Begriff ſteht einen Weg einzuſchlagen ſagt: ich gehe dieſes Wegs. Nun iſt es zwar bedenklich, gegen Jac. Grimm etwas zu behaupten; aber ich meine daß gerade der Genitiv die von ihm über den Accuſativ aufgeſtellte Erklärung: bleib ihm treu, in ſich enthielte. Vom Griechiſchen wenigſtens muͤßte dies gelten. Steht der Accuſativ: ich gehe dieſen Weg, ſo liegt das Gewicht nicht auf dem WorteWeg, ſondern aufich gehe, und der Weg iſt ledig⸗ lich der Raum, den ich zurücklege, überwinde. Und dies bedeutet der Accuſativ. Dabei wieder⸗ hole ich, daß in dem Ausdruck: er ging ſeiner Wege, die von mir als richtig geltende Erklärung nicht etwa in dem Worteſeiner liegt, ſondern daß dieſer Zuſatz allein um größerer Deutlichkeit willen dabei ſteht. Geh deines Wegs iſt alſo ſo viel als: Jetzt thue was die Natur der Umſtände erfordert und darnach das Beſte, Gerathenſte iſt, mach dich oder mach dich wieder auf den Weg, und bleib ihm treu, verlaß ihn nicht. Jae. Grimm würde das Eine und Andere und ſo auch dieſen Genitiv zutreffender erklärt haben, wenn es ihm möglich geweſen wäre, die Anſicht Vilmar's über den Genitiv mehr gelten zu laſſen.