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neben ſpiritualiſtiſchen inneren Beziehungen, näheren Verhältniſſen getreulich aufgeſtellt, ſo daß ein Jeder nach ſeiner Anſicht guten, freilich nicht geiſtig überwältigten Stoff darin vorfindet. Aber ein Altgrieche und Herling⸗Becker ſtehen zu einander, wie Morgen und Abend, wie Fruͤhling und Spätherbſt. Der gymnaſtiſch⸗ſtarke Grieche zerreißt ſolche Herling⸗Becker’ ſche Gewebe.
Dagegen geben manche neueſte Grammatiker, z. B. Herr W. Scheuerlein, Oberlehrer an der lateiniſchen Schule des Waiſenhauſes zu Halle, in ſeiner Syntar der griechiſchen Sprache die vortrefflichſten Explicationen über den Genitiv. Mit Klarheit und Conſequenz ſtellt er die Lehre vom Genitiv, S. 78. ff. auf. Man ſollte meinen, er entwickle und rechtfertige die Benennung der Stoiker, wenn er ſagt: Der Genitiv iſt der Caſus des zu etwas Anderem Zugehoͤrigen. Wird z. B. Jemand der Retter genannt, ſo gehört dazu, daß er ſo genannt werde ein Gerettetes „owrh rüs a⁴αemεοον. Nennt man jemand reich, ſo gehört zu dieſem Begriffe etwas, was den Reichthum ausmacht, ⸗Aobos xonkderov. In den Genitiv tritt demnach in der Sprache alles dasjenige, was für die Erkenntniß und Auffaſſung der Seele der Sache nach zu dem Weſen oder zu dem Verhältniſſe gehört, nach welchem ein Ding, ein Begriff oder der Inhalt eines Satzes aufgefaßt wird. Sagt man alſo die Statuen des Phidias, ſo iſt in dem Satze, in welchem ſich nur immer dieſe Verbindung finden mag, das Wort die Statuen nach dem Verhältniß eines Produktes aufgefaßt, zu welchem ein thaͤtiger Künſtler„Phidias“ noth⸗ wendig gehört. Iſt dies aber der Fall, ſo muß der Genitivus in der Sprache uüberall nach allen den Verhältniſſen des Zuſammengehörens der Dinge und Be⸗ griffe ſtehen, in welchem dieſe für den Geiſt, das Eine als zum Andern zu⸗ gehörig erſcheinen.“—
Andre Meinungen und Lehren vom griechiſchen Genitiv aufzuführen, ſcheint nicht nöthig; es kann aus dem Beigebrachten erhellen, daß keiner von dieſen Grammatikern den alten Begriff, der in Ferucn wrous liegt, ganz hat umgehen können, wenn er nicht auf völlig irreleitende Wege gerathen iſt. Das Beigebrachte kann um ſo eher genügen, da manche Grammatiker nichts Eigen⸗ thümliches haben, wie z. B. Roſt, der immer dem Neueſten, wenn es nur irgend thunlich iſt, gern Gehör gibt; und noch andere, wie z. B. Feldbauſch in ſeiner ſonſt viel Vortreffliches ent⸗ haltenden Grammatik, über den Genitiv gerade völlig ungenügend iſt.—
Nach dieſer Umſchau in den Grenzen des Genitivs will ich es verſuchen, die Grundbedeutung dieſes Caſus an Beiſpielen nachzuweiſen; Dieſe iſt, wie ſchon geſagt, natürliche Verbindung, ähn⸗ lich der Blutsverwandſchaft; daraus entwickelt ſich der Begriff der imneren, unmittelbaren Verbin⸗


