Aufsatz 
[Zur griechischen Grammatik] : über genike und dotike ptosis / [Georg] Blackert
Entstehung
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Ausdrucksweiſe, immer jene. Mit dieſen Worten will er einer von Herrn A. Vilmar durch⸗ geführten, von ihm, Herrn Jac. Grimm ſelbſt, als einegründliche und ſcharfſinnige Unterſuchung⸗ charakteriſirten Darſtellung des Genitivs, mildernd und beſchränkend entgegentreten. Die von A. Vilmar in ſeiner Schrift über den Genitiv zu Grunde gelegte Bedeutung von demſelben als dem urſprünglich cauſalen oder ſubjectiven Caſus iſt, wie mich bedünkt, aus dem Studium der griechiſchen Schriftſteller erwachſen und für dieſe allermeiſt zutreffend und höchſt lehrreich, wenn ſte auch eigentlich über das Altſächſiſche handelt; der Titel iſt: De genitivi casus syntaxi quam praebeat Harmonia Evangeliorum, saxonica dialecto seculo IX. conscripta, commentatio. 1834. 4. Die Behauptung Jacob Grimms, daß irgend ein obliquer Caſus niemals das Ver⸗ bum des Subjects und demnach alſo dieſes ſelbſt oder deſſen Thätigkeit zu beherrſchen vermöge, muß für das Alt⸗Griechiſche ſehr beſchränkt werden: in dieſem nemlich herrſcht ein, dem ſpäteren Griechiſchen faſt ganz abhanden gekommenes, Verhältniß zwiſchen Subject und Obiect vor, welches ſich auch in den Sprachformen ausgebildet hat: das ſ. g. mediale; dieſes flüſſige, elaſtiſche Verhält⸗ niß zwiſchen Subject und Object, dieſes active und zugleich receptive hat bekanntlich ſo ſehr alle Adern der alten Griechen durchdrungen, daß ſelbſt das ſ. g. Paſſivum von jener Receptivität ſtark getränkt iſt. Bei den Römern gilt Regieren und Regiertwerden, Ambos⸗ oder Hammer⸗Sein; die einſeitig energiſche Handlung des Subjects beherrſcht, regiert den Caſus des Objects und zwar in beſtimmter Weiſe, und läßt in der Regel nur Einen Caſus zu. So iſt es aber im Grie⸗ chiſchen nicht; hier giebt es allerdings auch ſo feſtbeſtimmte Verhältniſſe zwiſchen Subject und Ob⸗ ject, daß nur Eine Beziehung durch Einen Caſus Geltung hat. Aber man weiß auch, daß bei ſo vielen griechiſchen Verbis mehr als Ein Caſus Statt haben kann, je nachdem dem Objecte eine größere oder kleinere Thätigkeit, eine innigere oder loſere Verbindung mit dem Subjecte zugeſtanden werden ſoll. Mag nun auch immerhin die in dem Objecte, welches im Genitiv ſteht, liegende Thä⸗ tigkeit als eine ihm vom Subjecte, dem Regierenden, gewährte Thaͤtigkeit angeſehen werden, factiſch hat der Genitiv eine Gewalt, in welcher er als cauſal oder ſubjectiv betrachtet werden kann, d. h. als ſo innig mit dem Subject verbunden, und auf ſelbiges einwirkend, daß beide zuſammen eine natürliche organiſche Einheit werden können.

Auf dieſes mediale, durch Genitiv(und Dativ) ausgedruͤckte Weſen des Griechiſchen bei jenem Caſus aufmerkſam gemacht und daſſelbe nachdrücklich hervorgehoben zu haben, iſt, ſo viel ich urthei⸗ len kann, das Verdienſt jenergründlichen und ſcharfſinnigen Unterſuchung⸗ von Herrn A. Vil⸗

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