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Was die alten Griechen ſelbſt betrifft, ſo kann man alſo wohl annehmen, daß die Stoiker den Sinn des Genitivs durch /euren für die ſe vollkommen klar und treffend ausdrückten. Durch viel engere Begriffe bezeichnen andere Völker, z. B. die Araber durch das Wort Sohn und ähnliche, Genitiv⸗Verhaͤltniſſe.—
Wollte man aber doch bei dem Worte Teyos an das Allgemeine denken, ſo könnte das in dem Sinne geſchehen, wie derfelbe von Herrn Dr. Th. Rumpel, Caſuslehre S. 210, ange⸗ nommen wird: er ſagt, daß der Genitiv der Caſus der ein Subſtantiv als ein Beſonderes beſtim⸗ menden Allgemeinheit ſei. Wenn er nun unmittelbar vorher erklärt, im Genitivverhältniß liege die innerlich vermittelte Combination zweier Subſtantivbegriffe, von denen der genitiviſche das Bezogen⸗ ſein auf einen andern, innerhalb ſeiner Sphäre liegenden, ausdruͤcke; ſo hat er damit jene Allgemein⸗ heit gut genug erläutert, und, beim Lichte betrachtet, ganz im Sinne der Stoiker geſprochen. Die Idee der Allgemeinheit hat ſich, wie geſagt, bei den Griechen aus dem Begriff des Geſchlechts ent⸗ wickelt; beide Vorſtellungen hängen aufs innigſte mit einander zuſammen.—
Das Treffende in der Bezeichnung des Genitivs durch peuzn als das 7*os bedeutend wird ſich noch heller herausſtellen. Es hätte weder Herrn Schömann noch Herrn Rumpel befrem⸗ den ſollen, daß im Genitiv ein Zweifaches liegen ſoll: Erzeugendes und Erzeugtes; auch das darf nicht befremden, daß in 7*os bald das Eine, bald das Andere gefunden worden iſt. Beides, das Erzeugen und das Erzeugtwerden, liegt im griechiſchen Worte 7eνos, und zwar vereinigt. Hier will ich in das Gebiet der doctores artis obstetriciae nicht eingehen: die Belehrung kann ſich auch der Grammatiker gefallen laſſen, daß wenn ein rars iverau die Thätigkeit von Mutter und Kind Statt findet. Lieber mag Ariſtoteles reden; er ſagt vom Samenkorne: es erzeugt dieſe Dinge, folglich werden ſie aus ihm erzeugt. Auch der Same iſt eine Erzeuging. De part. anim. I, 1. Im Griechiſchen 7½ εοSa liegt wie im Deutſchen werden Actives und Receptives oder Paſſives.
Wenn alſo in einem Satze der Genitiv als Object ſteht, ſo findet zwiſchen dieſem Object und dem Subject, durch das Verbum vermittelt, das innigſte Ineinandergreifen Statt, und der Genitiv kann allermeiſt als energiſch wirkend aufgefaßt werden; es muß aber das Subject zugleich als das jenen Thätigen in ſich Aufnehmende, zu ſich Heranziehende gelten. Andere Sprachen faſſen das Verhältniß zwiſchen Subject und Object, die Wirkung des Einen auf das Andere einſeitiger auf, als das Griechiſche, und geſtatten dem Objecte weniger Einfluß auf das Subject, als die Grie⸗ chen thun. Für das Lateiniſche und wohl auch das neuere Deutſche mag es darum richtig ſein, wenn Herr Jacob Grimm Gr. IV, 646. 647. Anm. ſagt:»niemals vermag irgend ein obliquer Caſus das Verbum des Subjects zu beherrſchen, ſondern dieſes regiert, nach der gewöhnlichen richtigen


