In Riâd, der berühmten Hauptstadt der Wahabiten(nach Pelly 24° 38 34“ N., 46⁰ 41“ 48“ FE.), fand Palgrave im Winter gewöhnlich Morgennebel, in der dritten Novemher- woche erlebte er das erste Gewitter in Centralarabien; es regnete viel, und die Wasserbäche verwandelten die Vertiefungen in zeitweilige Seen. Die Bewässerung und Vegetation ent- sprach der von Kasim.
Aus dem Feldzuge Ibrahim Paschas 1818 in dieses Gebiet, besonders gegen Deria, erfahren wir, dass hier im Februar und März furchtbare Gewitter tobten mit gewaltigen Sturz- regen, so dass das Lager vor Deria aus der Ebene auf die Anhöhen verlegt werden musste, weil die niedrigen Stellen unter Wasser standen.
Hier traten aber auch schon tropische Regen ein, besonders im August und September. Bei Manfüha(Menfuah) sö. von Riâd erfuhr Cpt. Sadlier am 2. August 1819 einen Gewitter- sturm; die Sêls waren schon im Juli infolge der nicht zu erwartenden Gewitterregen geschwellt und an den Rändern grün. Ein Araber sagte zu Sadlier:„Allah ist gross! Drei Wunder habe ich in einem Tage erlebt: einen Türken und einen Franken in Manfuab zu schen und einen Regen in des Sommers Mitte!“(Ritter XII, 569 ff.) Noch weiter östlich, am 29. Juli, erlebte Sadlier Donner, Sturm und heftigen Regen. Das sind sehr weit nach N. gezogene tropische Regen, die auch in Afrika begegnen(s. Fischer, Dattelpalme S. 61), im ganzen aber eine seltene Erscheinnng sind; die Polargrenze der tropischen Regen befindet sich sonst unter 17⁰°n. Br., während das Nedschd im allgemeinen subtropische Winterregen hat.
Die Vegetation in dem Dschôf el Jemâmch soll eine besonders üppige, tropische sein, da das Land, am Südhang des Nedschd gelegen, treffliche Bewässerung hat, vorzüglich Salemia in der Provinz Chark(Chardsch).
Die verhältnismäſsige Feuchtigkeit des Bodens und der Atmosphäre, erstere eine Folge der letztern(nach Palgrave umgekehrt, wegen der starken Verdunstung), wird zuerst in Horeimele bemerkt(so Palgrave I, 342, was sehr weit nördlich wäre), von wo sie nach S. zu- nimmt und ihre höchste Stufe in Jemâmeh erreicht. Nach Harik zu vermindert sie sich wieder, teils wegen der Entfernung vom Gebirge, teils wegen der Annäherung an die grosse Wüste und deren trockene Hitze. Hier mufſs unter 24°N. oder wenig südlicher die Aequa- torialgrenze der regelmäfsigen Winterregen liegen. ¹) Etwas nördlich von El Chark bei dem Brunnen Lakejat erlebte Palgrave(II, 98) Ende November einen so dichten Nebel, dass er seinen Weg verfehlte.
Die letzte Strecke, die Abdachung des Nedschd zum Persergolf und dem Schatt, ist wieder sehr wasserarm; ein Arm der Robà el-Chali erstreckt sich hierher weit nach Norden, arm an Brunnen und selbst im Dezember mit trockener, dunstloser Luft; in den Oasen treten verkrüppelte Palmen auf, bei den Brunnen von Wubra(Wobra) auch Zwiebelgewächse und Sauerampferstauden. Pelly fand 1865 in dem Distrikt Ormah, welcher sich östlich an die Hügelketten Temmama anlehnt(Dschebel Atala hier 900— 1000 m) bei den Brunnen die ersten Bäume(Mimosengebüsch) seit seiner Abreise von Küeit. Die Regen sind hier wegen der niedrigeren Lage des Landes und wohl auch wegen des Vorherrschens nördlicher Winde sehr spärlich und mögen sich, wie im Delta Mesopotamiens, auf die Monate November und Dezember erstrecken.
Das Gebiet südlich vom Wendekreis mag zwar nicht vollständig regenlos sein, entbehrt aber regelmässiger, noch mehr natürlich ausgiebiger Niederschläge, deren Höhe selten 100 mm
¹) In Harik sah Palgrave noch in einem breiten Thale Spuren heftiger Winterregen, die Wadis liefen von E. nach W.; aber Ende November war noch alles trocken(II, 99). Die Provinz liegt ca. 24°N.
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