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Granitboden wälzte. Auf diese Regen folgte starke Abkühlung, sogar Frost. Die Haupt-— regen fallen hier im Winter, dann im Frühling. Alle anderen Orte der Adscha- und Selmä- kette haben gleichfalls gute Bewässerung, so Feid, Kafâr, Raudäã; bei Kahafa(Kehfe) stiessen die Einwohner beim Graben eines Brunnens zur Zeit der Dürre 1862 in 3.6 m Tiefe auf Wasser(Palgrave I, 180). In Kasim(1200— 1500 m) finden wir ähnliche Verhältnisse wie im Schammargebiet; die Vegetation zeigt die gleiche Fülle. Hier macht sich infolge niedrigerer Lage und Breite im Sommer grössere Hitze geltend. Die Tage sind stets klar, die Feuchtig- keit erreicht im ganzen Gebiete ihr Minimum im Herbst, während im Winter und Frühling die Brunnen überlaufen. Das Wasser hält sich in Lachen bis zum Spätsommer, wohl ein Zeichen grösserer Niederschlagsmengen an dieser Südseite.
Im Sommer weht hier der frische E.-Wind des Nedschd, der„Seba Nedschhin“ oder „Zephyr des Nedschd“, berühmt in der arabischen Dichtung, nur dass er von der entgegen- gesetzten Richtung kommt wie der Zephyr der Griechen und Römer.(Palgrave I, 175). Bemerkenswert ist, dass(nach Burckhardt) Medina und selbst das starkbevölkerte Arid-Gebirge von Kasim mit Weizen versorgt wird und dass Kasim nach Palgrave an Holz Ueberfluss hat. In Boreidah(760 m) treffen wir stundenlange Palmenhaine, groſse Teiche in Roweida, und selbst in den südlichen Nefͤd fand man in der Oase Wasit Gärten mit Feigenbäumen, Melonen, Datteln, u. s. w. 4 3
Die Provinz el Woschem(Weschm) ist niederschlagsärmer als Kasim und daher über- wiegend Steppe. Bei Schakrà aber traf Cpt. Sadlier 1819 in einer Sandebene eine grosse Fläche mit Regenlachen bedeckt, und das am 19. August. Rührten diese von einem zu dieser Zeit hierher verirrten tropischen Sommerregen her, wie wir ihn bei Menfuah treffen werden?
Die Regenzeit im eigentlichen Nedschd beginnt im Herbste mit dichten, den englischen vergleichbaren Nebeln; dann setzen Regengüsse ein, die bis zum Februar andauern, oft heftig mit Gewitterstürmen. Diese Winterregen haben eine erhebliche Erosionskraft; die von ihnen gebildeten Flüsse reichen weit nach N. hinauf.
Palgrave(I, 265) sah in der Provinz Sedeir am 7. Oktober zum ersten Male wieder
seit dem Juni einen bewölkten Himmel und trübe Atmosphäre. Doch verhinderte der starke Sturm einen Regen, es kam nur zu einigen Tropfen, und nach einer halben Stunde war alles vorüber. Die Regen kommen fast nur mit S.- oder E.-Winden, d. h. vom persischen Meer- busen bezw. indischen Ocean, daher die Luft am feuchtesten im S., in der Landschaft Jemàâmah, ist(Palgr. I, 342). Die Beschreibung der Winde im östlichen Nedschd bei Ritter, Erdk. XIII, 531(nach F. Mengin) zeigt, dass W. und SW., auch NW. sehr heiss und trocken sind und im Sommer vorherrschen, der N. im Winter Kälte bringt, der Süd aber, Genoub und Ost(Scharki) die Wolkenmassen anhäufen und Regen bringen, selten aber im Frühling und Sommer, wo ja das Land sehr erhitzt ist. Von dem Reichtum der Niederschläge zeugte eine von Palgrave angetroffene perennierende Quelle(I, 259), obwohl kein Gewässer des Nedschd das Meer er- reicht, von der Heftigkeit der Güsse die in Zalfa eingerissenen Straſsen und die eingestürzten Häuser im Dorfe Ghat, wo selbst in der trockensten Zeit noch Wasser„überfloſs“(I, 261). Ja bei Medschmâ in Sedeir fand Palgrave bei einer reichen Quelle etwas in Centralarabien Unerhörtes, nämlich Frösche im Grünen(I, 267). Das im Sommer trockene Waàdi Hanifa hatte bei Ejana 7— 9“ hohe Ufermauern, die bei den Regengüssen doch von der Wasserhöhe erreicht werden sollten.


