Aufsatz 
Das Klima Arabiens / von Oskar Bethge
Entstehung
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ist der Ghadabusch zwar häufiger(so auch Palgr. I, 71) als in der südlichen, doch tritt hier an dessen Stelle der Yertabusch; Gräser sprossen nach dem Regen so rasch und zahlreich hervor, dass die Kamele und Schafe oft gar nicht getränkt zu werden brauchen. Auch die Fauna ist eine relativ reiche. So bilden die Nefud im Frühling ein reiches Weideland, da selbst Teiche und Weiher nicht fehlen. Sechs Brunnen finden sich bei Schakik mit vortreff- lichem Wasser, andere beim Dorfe Dschubba, wo es selbst Gärten gibt. Als ein Kriterium für die örtliche Niederschlagsverteilung mag gelten, dass man am seltensten Beduinenlager zwischen Schakik und Dschubba trifft, dass die an Wadi Sirhân i. N., an Schammar im S. angrenzenden Teile immer besucht sind; im E. erscheinen im Winter und Frühjahr die Muntefik, Dafir(Zafir) und Schammar und ziehen im Sommer wieder ab.

Wir kommen nun zu dem centralen Plateau, das mit dem allgemeinen Namen Nedschd bezeichnet wird, während dieser Name im besonderen nur von dem. Teile desselben gilt. Wir fassen klimatisch das ganze centrale Hochlandsgebiet zusammen. Es ist bezüglich der Niederschläge mit den Hochländern von Ahaggar und Tassili verglichen worden, nicht mit Unrecht, da sich auch hier die Winterregen weit nach S. vorgeschoben finden und die süd- lichen Abhänge die regenreicheren sind(s. z. B. Fischer, Klima der Mittelmeerländer 20 fg.; Hann, Klimatolog. S. 180 ff.). Das Gebiet hat eine regelmässige Winterregenzeit, nach Pal- grave vom November bis Februar, welche mit Gewitterstürmen beginnt, die eine Temperatur- erniedrigung herbeiführen. Der regenbringende Wind ist ein aus südlichen Richtungen wehender, daher die südlichen Gehänge neben den höheren Gebirgsregionen am niederschlags- reichsten sind(s. auch Mühry, Zeitschr. d. öster. Ges. f. Met. I, 10). Diese südliche Luft- strömung ist im Januar und Februar sehr häufig; sie ist nach Euting nicht warm zu dieser Zeit, denn das Maximum der Temperatur erhob sich nie höher als auf 13⁰° C. zur Zeit ihres Auftretens, und die allnächtliche Eisbildung konnte durch sie nicht gehindert werden.(Verh. d. Berl. Ges. f. Erdk. XIII, 274). Es mag dieses auch z. T. an den beträchtlichen Höhen liegen; Palgrave unterschätzte sie bedeutend, Wilfr. Blunt(Proceedings Roy. Geogr. Soc. 1880, S. 81 fg.) sagt: das Nedschd erhebt sich auf 1219 m hoher Basis, selbst Kasim liege 1219 bis 1524 m hoch; die höchsten Spitzen des Dschebel Schammar schätzt er auf 1829 m. Damit stimmen die von Euting beobachteten Temperaturen: Menschen und viel Vieh erfroren im Winter, fast 14 Tage lang war jede Nacht Eisbildung;das Wasser ist trocken(jabes) ge- worden, sagten die Beduinen, und noch am 4. Februar sah Euting das Thermometer auf 5°C. sinken.

Beginnen wir mit Schammar, dessen südlichster Teil am besten bewässert, bebaut und am bevölkertsten ist(s. o. bei Cheibar); so besonders die Abän-Kette, wo Henakie in einer mit Teichen und Brunnen gesegneten Ebene liegt. Hier in Schammar vollzieht sich, dank der reichlichen Feuchtigkeit, der Uebergang der Bewohner vom halbnomadischen zum Ackerbau treibenden Leben mit überraschender Schnelligkeit(s. Zehme, Arabien, S. 242); öde Strecken werden in kurzer Zeit in Kulturland umgewandelt. Die Hauptstadt des Gebietes, Hail oder Hajel, ist infolge des Regenreichtums der Adschä-Kette ausserordentlich begünstigt. Die Stadt liegt nach Doughty 1160 m hoch, während die Adschäkette 1560 m erreicht. Es ist blühendes Gefilde mit fleissigen Ackerbauern. Im Sommer ist die Luft sehr rein; im Herbste treten Hagelwetter und Nebelbildungen(rabàb) auf, wie Euting Ende November 1883 bemerkte. Derselbe erlebte in Haàil im Winter 1883/84(Dec., Jan.) ausserordentliche Regenmengen, wie sie kaum alle 30 Jahre wiederkehren sollen. Einmal regnete es 3 Tage lang ununterbrochen, so dass ein 200 breiter und 78 tiefer Sél sich mehrere Tage weit durch den sandigen

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