Viele Teile Arabiens mögen in alter Zeit niederschlagsreicher gewesen sein. Die meisten Reisenden fanden überall Spuren älterer Kultur, die jetzt geschwunden ist infolge der unaufhörlichen Kriege und der Türkenherrschaft. Der oberste Grundsatz der Krieg- führenden ist hier, das Land des Feindes zu verwüsten und besonders die Dattelpflanzungen abzuhauen. Infolgedessen müssen die Niederschläge sich vermindern, die jahreszeitlichen Gegensätze sich verschärfen. Die Regen bleiben länger aus und erfolgen dann wieder in Form heftigster Güsse. Ferner verschüttet man Brunnen; die Beduinen zerstören aus Eigennutz Wasserleitungen u. s. W.*) So ist das alte plühende Himjaridenreich in Südarabien verfallen: wo früher eine hohe Kulturblüte, fruchtbarer Boden, dichte Bevölkerung und reiche Städte, wie Marib, wo eine verwickelte Kultur, religiöse Denkmäler in Schrift und Bild, da ist jetzt eine öde Leere, Sandboden, Armut der Bevölkerung. Im Himjaritenreich begann der Verfall mit der„Zerstörung der Dämme“ und dem Aufhören der Bewässerung, von wo ab eine ganze Aera datiert, die der„Seil el-Arim“(s. Ritter I, 73— 87. 21. Zehme S. 11). Die Zerstörung des Dammes von Marib(ungefähr 150 n. Chr.) erfolgte nach Glaser(Pet. Mitt. 1886, S. 39) „infolge der im Ostseràât fortwährend zunehmenden Trockenheit und der damit verbundenen Verödung des Landes, wobei nach bekannten meteorologischen Erfahrungen an die Stelle der fliessenden Gewässer(Ghujuͤl) mächtige verheerende Gieſsbäche(Sujul) traten, welche aller- dings auch die Dämme zu durchbrechen vermögen.“
Von der Abnahme der Niederschläge im nördlichen und nordwestlichen Teile unseres Gebietes handelt ausführlich Fischer, Klima der Mittelmeerländer, S. 42 ff. Aehnliches hat neuerdings Burton für das alte Midien festgestellt.
Heute treffen wir in Arabien ein ausserordentlich grofses unkultiviertes Gebiet, teils echte Wüsten, teils Halbwüsten, teils Grassteppen, letztere nur da, wo der Boden ohne Salz- gehalt und mit etwas Humus bedeckt ist; wo dagegen reiner Sand herrscht, welcher die Feuchtigkeit rasch in sich aufnimmt, oder nackter Fels oder Salzboden auftritt, da begegnen nur Dornsträucher, Zwiebelgewächse und ganz spärlicher Graswuchs. Die syrische Wüste ist Salzsteppe, die arabischen Nefud aber tragen nach Winterregen eine verhältnissmässig reiche Vegetation, wie Blunt zeigt; daher hier Beduinen mit ihren Herden. Der Verteilung und der Menge der Niederschläge nach nimmt Arabien dann auch an zwei Florenreichen teil: dem mediterran-orientalischen im Gebiete der Winterregen und dem tropisch-ostafrikanischen im Gebiete der Sommerregen, zu welchem Jemen gehört, mit einigen kleineren Nachbargebieten im E. und N. Dazwischen liegt ein Uebergangsgebiet(s. Drude, die Florenreiche der Erde, Pet. Mitt. Ergänzungsheft 74, 1884, S. 57, 60).
Die Regenarmut der Halbinsel bringt es mit sich, daſs wohl nirgends ein das ganze Jahr durch flieſsendes Gewässer erscheint. Obwohl Woeikof(Klimate d. E. I, 47 ff.) keinen Fluss Arabiens zu seinem Typus F. zählt, passt doch ein Teil der Gewässer Arabiens in diese Form:„Die Flüsse erhalten ihr Wasser von den Regen, sind viel höher in der kälteren Jahreszeit, und zwar ist der Unterschied des regelmäfsigen Hoch- und Niederwassers gross; teilweise versiegen die Flüsse sogar im Sommer.“ Dieser Typus ist mit den sub- tropischen Regen verbunden.
Dagegen rechnet Woeikof I, 48 einen Teil der Flüsse der Halbinsel zu seinem Typus G:„Mangel an Bächen und Flüssen wegen der Trockenheit des Klimas.“ Endlich gehört ein Teil zum Typus H(I, 49): wenig Wasser und dieses nur auf kurze Zeit beschränkt.
*) Beispiele des Kulturverfalls: Maltzan, Südarab. 55 fg; Wrede 52. 223. 228. 231, 254; Palgrave I, 9. 24. II, 118. Rüppell 190. 201. 256. Burckhardt 82 fg. 126. Zehme, S. 86— 89., u. s. W.


