Aufsatz 
Das Klima Arabiens / von Oskar Bethge
Entstehung
Einzelbild herunterladen

41 1)

Medina(24° 30: N., 40° E.), wohl mindestens 1000 m hoch, nach Burton sogat 6000 c. F.= 1829 m, liegt in dem niedrigsten Teil der Hochebene und empfängt von fast allen Seiten zahlreiche Bäche, so dass hier sich zahlreiche, allmählich verdunstende stehende Gewässer zur Regenzeit pilden. Wasser gibt es hier in Menge, oft zu viel, daher überall üppige Gärten und Pflanzungen.

Nach Burton und Burckhardt hat die Stadt regelmässige Winterregen; während der Regenzeit, die bis in den April hinein währt, herrscht hier veine salpeterig-dunstige Atmo- sphäre, die erst der in diesem Monat beginnenden Hitze weicht. Im allgemeinen erfolgen die Niederschläge in der Form heftiger Güsse. Es findet kein periodischer Regen statt, sondern in Zwischenräumen und gewöhnlich unter heftigen Stürmen. Derartige Güsse dauern 1 2 Tage, dann folgen nach einiger Zeit nur kleine Regenschauer, an welche sich trockene Tage anschliessen. Es kommt im Winter aber auch nur ein einmaliger Guss vor neben kleinen Schauern. Nie bleibt der Winterregen ganz aus, ja Burckhardt spricht sogar von nicht seltenen, mitten im Sommer eintretenden zufälligen Regenschauern. Bewahrheitet sich dieses, so würden wir hier ähnlich wie in dem südlichen Dschiddah und Mekka uns noch in dem Uebergangsgebiet zwischen subtropischen und tropischen Regen pefinden, obwohl hier Winterregen die Regel sind. Burckhardt(s. S. 604 607 der deutschen Ausgabe) sagt, dass Schnee hier unbekannt sei; doch fanden sich einige alte Leute, die auf den Nachbarbergen Schnee gesehen haben wollen.*)

Die Hauptregenzeit sind die ersten Monate des Jahres; infolge der dann eintretenden groſsen Nässe treten Wechselfieber auf und die Sterblichkeit ist gross.

Wir wenden uns noch einmal nach N. zu der Oasenlandschaft, welche den Namen Dschôf(Dschauf) führt, im Mittel 550 m ü. d. M., ein ziemlich kreisrundes Thal oder eher eine Depression am nördlichen Rande des Hochlandes, tiefer als die Nefüd. In dieser Senke sammelt sich die Feuchtigkeit der umliegenden höheren Ränder und bpewirkt eine ziemliche Fruchtbarkeit des Bodens.

Die Schilderungen Palgraves, der eben einen trostlosen Landstrich bei glühender Sonnenhitze durchzogen hatte, mögen übertrieben sein; Blunt fand nur wenig Gerste zwischen den Palmen angebaut, und das Gebiet mag deshalb wohl geringe Niederscbläge haben. Die 3odenfeuchtigkeit ist vielleicht der allein maſsgebende Faktor der Fruchtbarkeit der Oasce. Der Sommer zeigt klaren Himmel, im Herbste treten dichte Nebel auf(Palgrave I, 49 fg. 55 fg.);. im Winter bilden sich zahlreiche Wasserlachen nach Guarmani; Blunt erlebte 1879 im Januar hier ein schweres Gewitter, infolge dessen der Sand der Nefd ganz fest wurde. Die Nefd, Sandsttröme oder Sandwüste, dehnen sich ziemlich weit aus und haben 900 m Höhe(Blunt). Sie bestehen aus losen Sandhügeln, die in ost-westlicher Richtung verlaufen; fingerartige Aus- läufer erstrecken sich nach verschiedenen Richtungen, besonders nach N. und NE. Die Schilderung Palgraves, der sie mit der groſsen Wüste Dahnà oder Roba' el-⸗Chali vergleicht und sich in ihnen wie in einem Feuermeere zu befinden glaubte, mögen mehr Phantasie sein als der Wirklichkeit entsprechen; vegetationslos sind sie nicht. Blunt und Euting(1883/84) geben ein anderes Bild: die Nefud haben, allerdings sehr spärliche, Winter- und Frühjahrs- regen; sobald der erste Niederschlag fällt, sprosst rasch das erste Grün hervor. Doch nach wenigen Wochen ist alles von den Sonnenstrahlen verdorrt. Im Januar fand Blunt sie sogar tppiger bewachsen als selbst die Harrà, Hammada und die Wadis. In der nördlichen Hülfte

*) Zu Burckhardts Zeit(S. 566) kleideten sich die Bewohner von Medina im Januar und Februar in Pelze; der Reisende selbst musste sich zur Erwärmung der Holzkohlen bedienen.