Aufsatz 
Das Klima Arabiens / von Oskar Bethge
Entstehung
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In ganz Arabien scheint es kein das ganze Jahr durch flieſsendes Gewässer zu geben. Wohl aber treten in Südarabien reichlich die Suyül(Pl. von Sôl) auf, welche nur im Falle eines Regengusses Wasser führen. Nur wenn die Regenzeit in vollster Höhe ist, erreicht ein solcher 8él das Meer; in der Regel aber wird sein Wasser schon im Berglande zur Bewässerung aufgebraucht, so dass selbst die Ebenen nichts oder nicht viel von ihm haben. Hier ist zu bemerken, dass in der Ebene Abian im Lande der Fodli(45° 10 46° 30 E.), welche aufser- halb der tropischen Regen liegt, also arabisches Küstenklima mit Regenarmut hat, doch die grösste Fruchtbarkeit herrscht und Abian eine vortreffliche Baumwolle liefert, weil die rührigen Be- wohner ihr Gebiet in ausgezeichneter Weise zu bewässern verstehen, wenn im Hochgebirge Regen gefallen ist. Dagegen ist das Land der Mescheki, die unter den gleichen klimatischen Bedingungen wie die Leute von Abian leben, eine Halbwüste, weil deren Bewohner keine Bewässerungsanstalten machen und nur Viehzüchter sind.

In den tropischen Hochgebirgsländern von Jâfia und Hadhramaut, die sich mit dem innern Abessinien vergleichen lassen, fällt fast jeden Sommertag Regen unter Gewitter- erscheinungen. Hier fehlen daher die dem afrikanischenRegenmachen entsprechenden Regengebete, welche erst in den nördlicheren Gebieten, ungefüähr vom 16.°nördlich an, wo die Regen ungewisser werden, wieder beginnen. Diese Hochländer mögen eine jährliche Niederschlagsmenge von 1000 mm haben, stellenweise wohl noch mehr. Doch reicht dieser Distrikt wohl nicht weit über den 49. oder 50. E. hinaus. In den niederschlagsreichen Gebieten entwickeln sich häufig infolge der übergrossen Feuchtigkeit und der üppigen Vegetation Fiebermiasmen; nur die ganz trockene Zeit, also der Winter, ist dann gesund, obwohl auch da Wechselfieber auftreten.

Noch mag nachträglich bemerkt werden, dass in den Gebirgen bei Räs Boruͤm (14° 18.30 N., 49°3 E.) heftige und anhaltende Regen im Juli, August, November und December fallen sollen, dass Haines hier im April und Mai 3 Regentage erlebte, und dass die Berggipfel im Winter stellenweise Schnee tragen sollen(s. Ritter XIII, 625). In welchen Höhen diese verschiedenen Regen angetroffen wurden, ob an der Küste oder in dem Hoch- gebirge, steht dahin. In den Sommermonaten treten häufig Nebel in den Bergen auf, welche gewöhnlich der Mittagssonne weichen; sie werden an manchen Stellen durch stagnierendes Wasser erzeugt. Pas an Weihrauch reiche Subhàn-Gebirge, dessen Höhe wohl unterschätzt wird, und das gesegnete uralte Kulturland Zafr haben nach Ritter, XII, 304 im Durchschnitt 80 Regentage; aber die Regenmenge muss eine ganz bedeutende sein; dichte Waldungen bedecken die Gehänge, Lagunen finden sich, im Innern sogar Süsswasserseen, und das Küsten- land ist nach Wellsted-Ormsby(Reise zur Stadt der Chalifen, deutsch 1841, S. 344) von vielen Bergströmen durchschnitten mit grasreichen Ufern. Cruttenden fand im Januar 1837 in dem Zafardistrikte bis Addahàriz ausser verschiedenen andern Baumarten Aloë und den Copalgummi liefernden Subhânbaum; Cerealien, Wein, Feigen, Indigo gab es in üppiger Fülle.

Nach dem Innern zu, nördlich vom 16.° N., werden die Regen immer ungewisser; es treten zuweilen ganz regenlose Jahre ein. Auch fällt in Regenjahren nicht jeden Tag Niederschlag; in Haura, fast 16°N. und 48° 18 E., fand Wrede(S. 235 seiner Reise) am 10. August, dass es seit 20 Tagen hier nicht geregnet hatte. Dann fiel wieder ein Wolkenbruch. Die schon nach N. sich senkenden Gebiete müssen naturgemäss abgeschlossen sein von dem regen- spendenden Ocean; hier herrscht Dürre, bis die regenlose Wüste el-Ahkaf beginnt, während die Südseite vom Juni bis September Regenfall in reichem Mafse besitzt. Uebrigens ist beim