Der ca. 3150 m hohe Dschebel Hadhür Nebbi Suaib ist fast in jedem Winter beschneit; im Winter 1884/85 hat der Schnee meterhoch gelegen, dass die Bergbewohner 8 Tage lang in ihre Häuser gebannt waren. Auch in weit tieferen Regionen fand dann Eisbildung statt, die in San'd in den Monaten December und Januar eine alltägliche Erscheinung sein soll. Glaser*) meint:„Würde es in den kalten Monaten Niederschläge geben, dann würde das ganze Gebirge von Jemen den schneebedeckten Gipfeln des Libanon oder der Alpen gleichen.“ Hier ist also Kaffeebau nicht mehr möglich; die obere Grenze desselben reicht im aller- günstigsten Falle bis 2200 m; in San'à aber stieg in der heiſsesten Zeit das Thermometer zur Zeit der Anwesenheit Cruttendens und Hultons nicht über 23.8° C., es fiel sogar im August bis auf 12.7°.— Nach Cruttenden und Hulton(1836) soll auch im Januâr in San'à Regen fallen, wenn auch in ganz geringer Menge. Diese Regen vergleicht Fischer mit den abessinischen Winterregen(Dattelpalme S. 63).
Doch kommen auf dem Hochlande Kamele fort, ein Beweis, dass ausser der Regenzeit das Klima hier ziemlich trocken; es ist dann nicht gesund; der Wind erzeugt fieberhafte Empfindungen an den Händen und im Gesicht(Ritter XIII, 836 ff.). In dem echten Kaffee- gebiet von'Udéên und Dschubla und bis nach Taiz(Taës) hin begegnen auch Ende Mär⸗ oder Anfangs April nach Niebuhr Regen; in diesem wohl sehr niederschlagsreichen Distrikte findet man wegen der oft plötzlich hereinbrechenden Platzregen überall Regenhäuser. Ende März 1764 fand Niebuhr bei dem Oertchen Sahl-el-Wahfad die Bewohner mit dem Bau kleiner Dämme zum Anhalten des Wassers auf den Feldern beschäftigt, da man Regen erwartete. Das Wadi Zebid mit dem besten Kaffeebau Arabiens zu Niebuhrs Zeit soll sogar perennirendes Wasser haben, eine Folge der fast in jeder Jahreszeit eintretenden Niederschläge. Denn auch in dem weit nördlicher gelegenen Menâkha nordw. von Hodeida erfuhr Glaser im April 1885 kurz nach Mittag einen tüchtigen Regen und am folgenden Tage nochmals. (Menâkha liegt 2175 m, nach Deflers 23216 m hoch). Seetzen erzählt von Hadie(im Kaffee- distrikt, ein Thal, das er wie der Reisende Langer mit den Gebirgsthälern Tirols und der Schweiz vergleicht), dass er am 2. Mai von einem in dieser Gegend und Jahreszeit nicht seltenen Gewitter überrascht worden sei.
Doch wird überall zugestanden, dass die Hauptregenzeit in die Sommermonate fällt; in Tàiz ist nach Maltzan jeder Junitag ein Gewittertag; im Juni fällt in San'à 8—10 Tage Regen, nach welchem gerade dann die gröſste Sehnsucht herrscht, weil die Aussaat hier beginnt; der Hauptregenmonat ist überall der Juli, wo in San'à täglich Gewitter stattfinden durch den Zusammenstoss des SE. mit dem am Nachmittage eintretenden NAW. Hat es 3— 4 Tage hinter einander geregnet, dann schwellen die Séls stark an und durchreiſsen die Dämme und verwandeln die Umgebung der Städte, z. T. auch in dem Tihaàma, in Sümpfe. Doch verläuft das Wasser rasch wieder im Sande, und auch die Gebirgswdi's sind nach 48 Stunden wieder ganz leer. Zu Niebuhrs Zeit waren in San'à die grösseren Häuser zum Schutz gegen diese Unwetter mit Fenstertüren versehen; die Fenster der Reichen waren von Marien- oder venetianischem Glase. Im August lässt die Häufigkeit der Regen nach, doch nicht die
*) Pet. Mitt. 1886, S. 42. Er bestimmt die Lage von Sana in der Z. d. östr. Ges. f. Met. XX, 1885, S. 64 zu 44°11 E., 15° 23.5 N., Seehöhe 2230 m; Deflers(1887) nach 53 Beobachtungen zu 2332 m, Manzoni zu 2130 m, General Haig zu 7700 e. F.= 2350 m. Da die Stadt durch hohe Gebirgsketten vom W. abgeschlossen ist, so können die feuchten Nebel und Winde der Westseite nicht über den Serütkamm; das Klima ist also ausserordentlich trocken hier.


