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die angefangene Wasserleitung zerstörten. Rüppell spricht von Regenschauern in der Küsten- landschaft nur in den Monaten Februar bis April, Schimper hält den Januar für Dschiddah's IHlauptregenmonat; doch sei zu jeder Zeit der Nachttau schr bedeutend. Burckhardt klagt besonders über die durch die starke Verdunstung hervorgerufene Feuchtigkeit der Atmosphäre; an einem heissen und ganz hellen Tage des September kehrte er nach einer 2stündigen Wanderung mit völlig durchnäfstem Ueberrock heim(S. 362 der deutschen Ausg.). Nebel sind an dieser Küste durchaus nichts Ungewöhnliches, während man(nach Wellsted II, 199) weiter nördlich nichts davon bemerkt.
Dschiddah ist demnach anzuschen als ein zwar feuchter, aber regenarmer Ort mit Winterregenzeit, die aber sehr verkürzt ist. Die Regen sind keine regelmäſsigen, pleiben oft aus oder sind sehr spärlich. Der December zeigt mitunter Platzregen. Der den Regen bringende Wind mufs auch hier ein südlicher sein, welcher, mit Feuchtigkeit gesättigt, seinen Wasserdampf an das Küstengebirge abgibt. Dschiddah erhält dann einen geringen Bruchteil davon.
Die Berge bei Dschiddah(E) sollen nämlich regelmä fsige Winterregen haben, die im Oktober, meist im November beginnen, wo in diesen Gebieten eine beträchtliche Abkühlung der Luft stattgefunden hat. Meist sind diese Regen von Gewittern begleitet, die im Februar anhaltende Platzregen bringen. Infolge dieser regelmässigen Regen ist das Hochland zwischen Dschiddah und Taif im E. nach Doughty ein vortreffliches Weideland.
Ueber das Gebiet zwischen Dschiddah und Mekka und letztere Stadt selbst(21° 28“ 9" N., 40⁰° 15 E.) ist folgendes zu bemerken: Von der Küstenebene bis nach Mekka, ungefähr 90— 100 km, steigt man beständig an; die heilige Stadt selbst mufs eine bedeutende Sechöhe haben. Der Weg von Dschiddah an ist im ganzen öde, nur el-Hladda, ungefähr die Mitte des Weges, hat etwas bessere Vegetation, hervorgerufen durch das in einiger Tiefe überall anzutreffende Wasser, das auch der staubigen, überaus heissen, in der Nacht aber infolge der starken Ausstrahlung kühlen, selbst kalten Ebene Bahhra(wo Tamisier Ende April oder Anfangs Mai tägliche Temperaturunterschiede von 23— 24°beobachtete) in der Tiefe nicht fehlt, während die Oberfläche vollständig trocken ist. Mit Mekka aber tritt eine Veränderung ein. Die Stadt liegt in einer öden, baumlosen Ebene; unfruchtbare Thäler um- geben sie, obwohl sie im schönsten Grün prangen könnte, da sich überall dicht an der Oberfläche reichliche Feuchtigkeit findet, wenn auch das Wasser nicht ohne bitteren Bei- geschmack ist.
Der berühmte heilige Brunnen Zemzem ist ein immer flieſsender; nach Burckhardt (S. 210) wird er von einem unterirdischen Bache versorgt. Die grosse Wasserleitung vom Berge Arafàt her befindet sich meist in verwahrlostem Zustande.
Der jährliche Gang des Regenfalles ist hier folgender: Er beginnt meistens im Dezember; doch fielen bei Burckhardts Anwesenheit auf dem Berge Arafat schon am 24. November(1814) in der kalten, finsteren Nacht Regentropfen. Regelmässig sollen im December in Zwischenräumen von 5 bis 6 Tagen einzelne heftige Güsse fallen, die, ähnlich wie in Dschiddah, die Häuser häufig beschädigen, welche leicht baufällig werden und daher fortwährenden Reparaturen unterworfen sind. Da Mekka, eingeschlossen von Hügeln und Bergen, in einer Thalebene liegt, so ergieſsen sich bei solchen starken Regenfällen von E. her die Bergströme und Giefsbäche(Séls), besonders vom Dschebel Nur her, nach der Stadt hin und verursachen Ueberschwemmungen, an welchen die Chronik des Ortes sehr reich ist (1626 stürzte die groſse Moschee fast ganz ein; 1861 soll ein Drittel der Stadt durch Ueber-


