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wie im südlichen und selbst wie in Jemen. Von der Hetftigkeit der Regen am nördlichen Roten Meere zeugen die tief aufgerissenen Waàdis, die gelegentlich ihr Wasser bis zum Meere führen. Doch ist auch hier kein das ganze Jahr hindurch flieſsendes Gewässer zu treffen, obwohl Rüppell(Reise in Abessinien I, 143) in der gebirgigen Küstengegend zwischen Magna und Mueilih(Moilah) von permanenten Bächen hörte.
Ueber die Herkunft der Niederschläge am nördlichen Roten Meere belehrt uns schon dic Tabelle bei Rüppell(Reisen in Nubien, Kordofan und dem peträischen Arabien, 1829, S. 311— 369): Suez zeigt im Februar und März Zugnebel und Wolken; Tor an der westlichen Sinaihalbinsel(28 ⁰0 13 N.) ebenso; das Südkap dieser Halbinsel, RaÄs Mehammet, Nebel bei Süd-Winden am Abend und in der Nacht, während die Tage bei nördlichen Winden heiter sind; das St. Katharina-Kloster des Sinai Nebelzüge bei SW., und auch an der arabischen Küste herrscht bei nördlichen Winden Heiterkeit des Himmels, bei Windstillen oder südlichen Luftströmungen Nebel. Dies pezieht sich auf das Winterhalbjahr einschliefslich April. Anders im Sommer, wo das Land stärker erwärmt ist; dann sind Nebel selten, und die Beobachtungen zu Moilah(27 ⁰ 40 N.) zeigen im Juni und Juli sowohl bei windstillem Wetter wie bei N.- und SW.-Winden Heiterkeit des Himmels. Interessant ist die Beobachtung auf der Insel Barakan an der Küste(27⁰ 54“ N.): die Temperatur war am 21., 22. Juli 1826: 27.2°e„ der Himmel am 21. bei schwachem SW., später frischem S. heiter, am 22. der Tag heiter bei schwachem S. und SE.,„aber sehr feuchte Temperatur“.
Aus diesen Beobachtungen geht hervor, dass hier die südlichen Luftströmungen, welche über das wärmere südliche Rote Meer gestrichen sind, die Feuchtigkeit in diese kühleren Regionen tragen. Steigen sie an den erhöhten Rändern empor, so kommt es zur Bildung von Niederschlägen. Im Sommer aber, wo das Land erhitzt ist und gerade dieser nördliche Teil des Roten Meeres zu den heissesten der Erde gehört(Temperaturen der Meeresoberfläche bis 35), kann höchstens Nebelbildung stattfinden. Da jedoch dieses Gebiet den grössten Teil des Jahres über unter der Herrschaft der Winde aus N., NW. und NE. steht, welche stets trocken sind, so ist es im ganzen regenarm; Suez hat nur 26 mm i. J. Der Nord klüärt stets den Himmel auf, er ist im Sommer in Kosseir(Aegypten, 26%5) wolkenlos, während im Winter nach feuchten S. und SE.-Winden sich die Gebirgshäupter mit Wolken umazichen (Klunzinger,„Bilder aus Oberaegypten“, S. 226 ff.). Die relative Feuchtigkeit, welche im Mittel hier nur 56% beträgt, sinkt im Juni bis auf 51% herab, steigt im November bis auf 62%. Die aufserordentliche Klarheit und Durchsichtigkeit der Atmosphäre bei Nordwinden rühmt besonders Wellsted(Reisen in Arabien, deutsche Ausgabe von Rödiger 1842, Bd. II, 196 ff.); er will bei seinen Messungen Berge als feste Punkte benutzt haben, die mehr als 100 engl. Meilen entfernt waren. Tiefblau erscheint dann der Himmel und auch das Meer; die Nächte sind überaus hell und klar. Die Herrschaft des Nord(NW.) dauert in der Regel vom Mai bis Oktober; dann treten Windstillen auf, hierauf beginnt der SE., S. und SW., doch in diesem nördlichen Teile nicht so regelmäfsig und heftig wie im südlichen; er ist im N. häufig von Windstillen und unregelmäſsigen Winden unterbrochen, und nicht selten brechen mit grosser Stärke NW.-Stürme herein. Zwischem dem Aufhören des SE. und dem Beginn des regelmässigen NW. liegen wieder Windstillen und veränderliche Winde G. Botta bei Ritter, Erdk. XII, 898). Die Herrschaft des S. und SE. wird manchmal bis Ende April verlängert: andererseits bringt er schon im September groſse Feuchtigkeit, hauptsächlich nächtlichen Taufall. Er ist stets schwül und auch ungesund, besonders wenn er in heissen Monaten erscheint; dann ist der NW. doppelt willkommen, weil er einen meist plötzlichen


