Aufsatz 
Das Klima Arabiens / von Oskar Bethge
Entstehung
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wohlthuenden Wechsel in der Atmosphäre hervorbringt und erfrischend wirkt. Der durch S.-Winde hervorgerufene Taufall ist hier ganz bedeutend, am Sceufer von Toôr(Sinai) wird der lehmige Boden von ihm schlüpfrig. Ferner erzeugt der Wind starke Nebelbildung; so erfuhr Tamisier(Voyage en Arabie I, 54) auf dem Meere bei Janbo'(24° N.) 10 h. a. m. 6. Januar 1834 bei 17.5⁰° C. einen dichten Nebel; auf der Sinaihalbinsel verdichten sich an dem Hoch- gebirge die Nebel und ergiessen sich dort besonders im Januar in dem von den Arabern so geschätzten feinen Sprühregen.(Rüppell a. a. O. 184.) Noch im April erfüllt er die ganze Atmosphäre mit Nebelwolken. Merkwürdig ist, dass in den nördlichen Teilen des Golfes von Akaba nach Wellsted(II, 124) die Luft bei S.-Winddurchaus trocken sein soll. Es mag dies wohl seine Ursache in dem von dem Winde aufgewirbelten Sand haben, wie Wellsted an anderer Stelle erwähnt. Als Regenmonate gelten besonders November, Dezember, Januar und Februar; für das nördliche Moilah gilt nach Burckhardt als nasse Zeit Oktober bis April, und auch bei Janbo fällt schon im Oktober Regen in den Bergen, wo der regenreichste Monat der Februar sein soll. Das Eintreten der Niederschläge verspätet sich hier manchmal. Als Burckhardt am 18. Januar 1815 bei Choleis anlangte, das allerdings schon ca. 22° N. liegt, fürchteten die Araber, dass ihre Pflanzungen der Dürre erliegen würden, da trotz der weit vorgerückten Jahreszeit noch kein Regen gefallen war. Aber etwas nördlich, bei Rabigh, (ca. 23⁰° N.) war Niederschlag eingetreten; in dem Thale Sük-e'Safrà fiel am 20. Januar viel Regen, so dass sich ein 20 breiter und 3 4 tiefer Bergstrom ergoss, welcher noch am 23. Januar fortdauerte. Ebenso fiel sw. von Medina im Wadi e-Sohade(Burckh. Reisen 479) am 27. Januar bei heftigem Sturm unter Donner und Blitz ein starker Platzregen, infolgedessen die Gebirgsströme anschwollen.(Ebenso am 23. und 24. April daselbst.) Aber auf dem Marsche nach Medina begegnete Burckhardt ein Haufe El-Hamede-Beduinen(vom Stamme der Beni Harb), welcher das obere Land verliess, um Weide zu suchen, da dort kein Regen gefallen war. Die Sinai-Halbinsel hat nach Rüppell manchmal starke Aprilregen; er erwähnt solche für den 22./23. und 24./25. April. Dennoch sind hier längere Dürrezeiten nicht ausgeschlossen. Die Jahre 1825 und 1826 waren ausserordentlich trocken(Rüppell 229), und Wellsted glaubt(II, 138), dass an der Küste zwischen El Ujün(Ainune)(28⁰ 2.5 N.) und Moilah der Regen alle 4 Jahre einmal vollständig ausbleiben könne. Kosseir(26° N.) bleibt nach Klunzinger(a. a. O. S. 226) 2, 3, selbst 4 Jahre ohne ergiebigen Niederschlag; doch fällt solcher wenigstens einmal in jedem Winter und dann überreich unter starkem Gewitter. Auch Janbo' hat nicht jeden Winter Regen.

Dennoch enthält der Boden in der Nähe der Gebirge viel Feuchtigkeit. So fand Rüppell(S. 219) bei Beden am Golf von Akaba am 11. Juli 1826, in der Periode der grossen Trockenheit und obwohl seit mehreren Monaten kein Tropfen gefallen war, eine Wassermasse von 1 Fuss Tiefe und 50 Schritt Breite mit reicher Ufervegetation. Sie verlor sich aber bald in der Ebene. Auch weiter nach S. bei El Ujun und Deriam stiess er auf fliessendes Wasser und Palmen(S. 238). Dieser Teil scheint also eine besonders gute Bewässerung zu haben; weist das Gebiet doch Spuren alter Kultur auf.

Eine Folge der bessern Bewässerung der Westküste Arabiens im Gegensatz zur àägyptischen Ostküste ist die, dass jene viel mehr angebaut und auch dichter bewohnt ist als diese.*)

Ueber Medina s. u.

*) Dass übrigens In Aegypten neuerdings mitten im Sommer Regenfälle, wenn auch in unbe- deutender Menge, nicht unmöglich sind, zeigte das Jahr 1888. Die ältesten Aegypter erinnerten sich keines