Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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geborenen zu erzählen, wie der Gott Maui, in Gestalt einer Libelle, auf dem Rücken einer Taube sitzend, glücklich durch einen sich spaltenden Felsen passirt, wobei die Taube beim Wiederzusammen- schlagen des letzteren den Schwanz verliert. Aehnliches findet sich bei den Maori's auf Neu-Seeland, den Karenen in Hinterindien ¹), den Birmanen und selbst den Azteken wieder. Ganz originell ist die Fassung in der mongolischen Gesser Chansage(Jülg, a. a. O. S. 64), die uns ganz besonders durch den humoristischen Zug anmuthet.Als er zu den beiden Prallfelsen gelangt, heisst es da²),wandelt er seinen magischen Braunen in ein räudiges braunes Füllen um und sich selbst in einen ganz ver- trockneten gemeinen Menschen.Wie hübsch und artig! ruft er aus,würde es sein, wenn diese Felsen recht bald zusammenklappten! Wenn sie das mit knapper Noth aus Tibet gekommene räudige Füllen und mich, den vertrockneten gemeinen Menschen, erblicken, werden sie sich da nicht beeilen zusammenzuklappen? Ob das wohl ihre von jeher gewohnte Art sein mag? Bei uns in Tibet gibt es solche Felsen, die aus der Entfernung einer Tagereise oder wenigstens einer halben Tagereise schnell zusammenklappen und einen Menschen tödten; ich sterbe vor Furcht und will daher umkehren! Die beiden Felsen dachten:Der arme Mensch hat Recht! Der arme Schlucker fürchtet sich! Wir wollen in der That aus der Entfernung einer Tagereise zusammenklappend ihn tödten! Und so entfernten sie sich sehr weit auseinander, während inzwischen Gesser den magischen Braunen spornte und peitschte und zwischen durch sprengte. Die Felsen, in der Absicht, den Gesser zusammen zu quetschen und zu tödten, prallten so heftig gegen einander, dass sie in Trümmer und Stücke zer- schellten. Im griechischen Märchen T'dννα*εκο muss ein Königssohn zwischen zwei ewig auseinandergehenden und wieder zusammenklaffenden hohen Bergen hindurch, um das dahinter am Ende der Welt fliessende wunderthätige Wasser für seinen kranken Vater zu holen*). Die Grön- länder haben sich die Sache so zurechtgelegt):Bei einer Seefahrt trifft ein Eskimo Namens Giviok auf zwei Felsen, welche abwechselnd zusammenstossen und zurückweichen, wobei sie aber nur eine schmale Durchfahrt frei lassen. Er will um sie herumrudern, allein jederzeit sieht er die Felsen vor sich), so dass er endlich nothgedrungen sich hindurchwagt, auch glücklich der Gefahr entgeht, allein das Hintertheil des Kahnes wird ihm dabei durch die zusammenschlagenden Felsen zerschmettert.

Der gleiche Grundzug aller dieser Versionen ist unverkennbar, und wenn die oben geäusserte Annahme von der Entstehung einer derartigen Fabel ihre Richtigkeit hat, so können wir nur schliessen, dass sie überall, wo Wasser spielen, entstanden sein kann. Es scheint mir demnach auch nicht be- rechtigt, diesen Zug unserer Odyssee als einen aus der Argonautensage unmittelbar herübergenommenen zu erklären, vielmehr ist er originär in beide Sagenkreise eingedrungen. Da aber, wo die nur am Meer mögliche Sage auf's Landgebiet übertragen ist, wird auch die Annahme einer Entlehnung be- rechtigt sein, und so würde sich auch hier das schon bei verschiedenen anderen Gelegenheiten Ver- muthete immer wahrscheinlicher machen, dass die mongolische Gesser Chansage ihren Hauptschmuck aus anderen und vornehmlich ionischen Regionen entliehen hat.

XIII. Skylla und Charybdis. (u 73 126; 201 259; 426 444.)

Odysseus vermeidet den Weg zwischen den Plankten hindurch und hat nun die Wahl, sein Schiff von der Charybdis einschlürfen oder einige Gefährten von der Skylla verschlingen zu lassen.

¹) F. Liebrecht in dem Art. über: Tylor, Primitive Cultur. London. 1871.(Gött. gel. Anz. 1872. S. 1290.)

²) Was in der Odyssee auf dem Meere vor sich geht, versetzt der Mongole natürlich auf's Festland.

³) Eulampios, O Audçævros ro rd ν rije dræysrrn, οννα(St. Petersburg. 1843 S. 76 ff.). Ferner orwähnt B. Schmidt(Gr. M. S. 9), dem ich diese Notiz verdanke, Sakellarios Kunçaxd. B. III Nr. 8 der S. 136 173 an- geführten kyprischen Mürchen; Hahn, Griech. u. albanes. M. Nr. 37, 69 u. die Variante zu Nr. 5 u. die zweite Var. zu Nr. 65.

⁴¹) F. Liebrecht in d. Art. über: Rink, Eskimoiske Eventyr og Sagn.(Kjöbenhavn. 1866. VI und 376 S.) in den Heidelb. Jahrbb. 1869 S. 127 bei Nr. 21.

5) Zu diesem Zug mögen schwimmende Eisberge die Veranlassung gegeben haben.