Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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31 berichten weiss. Weitere Parallelzüge führen Rohde¹) und Schmidt²) an. Es würde zu weit führen, hier noch den mythologischen Deutungen, die der Riese und sein Eines Auge sich haben gefallen lassen müssen, weiter nachzugehen. Viel Bestechendes hat die Ansicht Grimm's, dass mit dem Einen Auge das Sonnenauge gemeint sei, wobei vielleicht darauf hingewiesen werden darf, dass auch Wodan einäugig erscheint wie nicht minder der furchtbare Recke Hagen, dem es freilich, wie die Sage berichtet, Walther von Aquitanien mit einem Schweinsrücken ausgeworfen hat.

X. Aeolos.

* 1 80. Den Kyklopen entwischt gelangt Odysseus mit seinen Gefährten zu der schwimmenden mit eherner Mauer umzäunten Insel des Herrschers der Winde, Aeolos, der gemächlich im Kreise seiner Familie(6 Söhne und 6 Töchter) thront. Er schenkt dem Dulder einen mit allen möglichen Winden gefüllten Schlauch und sendet ihm zur Heimfahrt den Zephyros voraus; dem Heimatlande ganz nah sinkt Odysseus in Schlaf, die Gefährten öffnen den Schlauch und in dem nun ausbrechenden Sturm wird das Schiff wieder an die Insel des Acolos getrieben, der diesmal dem Gottverhassten energisch die Thüre weist. Märchenhaft ist hier die Vorstellung einer schwimmenden Insel,*³) die in römischen und deutschen Sagen häufig wiederkehrt und in einer optischen Täuschung ihren ersten Grund haben mag(s. Plankten); ferner das gemächliche Zusammenwohnen der als Brüder gedachten Windgötter, die doch in Wirklichkeit von allen Weltgegenden her brausen, also eigentlich nie vereinigt gedacht werden können. Für diese eigenthümliche Ansicht konnte ich nur im russischen MärchenDer sanfte Mann und die zänkische Frau(Dietrich Nr. 8) ein Pendant finden. Schliesslich mag es nicht Jedem gelingen, die Winde alle in einen Schlauch zu bannen, und der naive Leser wird nicht umhin können zu fragen: Wozu der Schlauch? Denn Acolos*) hat ja dem Odysseus für die Heimfahrt den Zephyros 25 mitgegeben.

XI. Sirenen.

Die Sirenen dürfen uns nicht verlocken, lange bei ihnen zu verweilen. Kirke kündigt sie dem Odysseus ¼ 39 54 an; das Abenteuer selbst ist ½ 166 200 beschrieben. Odysseus wird von kräftigem Winde nach ihrer Insel(à 167) hingetrieben; plötzlich aber entsteht Windstille. Er schliesst auf Kirke's Befehl die Ohren der Gefährten mit Wachs, lässt sich selbst von ihnen an den Mast binden, hört den verlockenden Gesang, kann aber zu seinem Glück nicht los; und so passirt er schadlos die gefährliche Stelle. Denn obwohl weder die Kraft noch die Wildheit der Sirenen hervorgehoben wird, lassen doch die um sie modernden Gebeine und Häute(u 45, 46) darauf schliessen, dass die Landenden unbarmherzig von ihnen getödet und vielleicht gar verzehrt werden. Auf eine Vogelgestalt dieser unheimlichen Wesen, an die man später dachte,) deutet Nichts im Homer. Der einzig märchenhafte Zug an ihnen ist die unbedingt bezaubernde, unentrinnbar fesselnde Gewalt ihres Gesanges, der den Hörer Weib und Kind vergessen lässt. Auch besitzen sie über-

¹) E. Rohde, Der griech. Roman S. 173, Anm. 2 weist auf ein gäülisches und ein ungar. M.(vielleicht das oben von mir erwühnte) hin(Köhler, Orient und Occident II 120 ff.); ferner auf eine orientalische Version in dem Märchen von Seyfrel- Muluk(Lane 1001 nights III pag. 353 355) und in Bezug auf eine demOòöri verwandte List auf ein Mürchen aus der Bukowina(Staufer, Zeitschr. f. deutsche Mythol. II 210). Diese Stellen, die ich der Voll- stündigkeit halber anführe, zu vergleichen waren mir die literarischen Hülfsmittel im Augenblick nicht zur Hand.

²) Schmidt, Gr. M. S. 8 erwühnt das von L. Rost mitgetheilte Schiffermärchen»Georg und die Störche«.

²) Die Erklärung von A oc mit»schiffbare Insel«, i. e. Atoll, Korallenriff, wie Krichenbauer(Die Irr- fahrt des Odysseus. S. 52) will, hat Alles gegen sich. K. hält die Seychellen-Inseln für den Wohnort des Aeolos.

) Sepp, Altbayerischer Sagenschatz. S. 373 f. 705.

³) Besonders auf Vasenbildern sind sie häufig so dargestellt.