Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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Märchensorte, sonst fesselt kein besonderer Zug unser Interesse an sie. Anders verhält es sich mit den ihnen nur fern verwandten Kyklopen und ihrem würdigen Vertreter Polyphemos, der wahr- lich seinen Namen nicht mit Unrecht trägt; denn fast überall, wo wir überhaupt echte Sagen- und Märchenbildungen finden, klingt er Grausen zugleich und Gelächter erregend wieder.

Odysseus' Gefährten schmachten noch in der Erinnerung an die vorher genossene süsse Lotoskost. Nun gelangen sie an die Ziegeninsel und von da fährt Odysseus, der die übrigen Ge- fährten warten heisst, nur mit seinem Schiff zum Land der Kyklopen. Hier wählt er wieder zwölf Begleiter aus, sieht sich mit besonders kräftigem Weine vor und betritt so die Höhle des Kyklopen, der, anfangs nicht zu Hause, gegen Abend seine Heerde eintreibt, die Höhle mit einem Felsblock verschliesst und, wie er beim Abendfeuer die Fremdlinge erblickt, sofort zwei zerschmettert und ver- zehrt eine Beschäftigung, die sich am nächsten Morgen und Abend in gleicher Weise wiederholt. Während er nun an diesem Tag mit seiner Heerde im Freien verweilt, hat Odysseus, in die Höhle eingeschlossen, Zeit über sein Unglück nachzudenken und eine List auszusinnen, die dem Meister der Ränke(rrol⁵μυηνο) alle Ehre macht. Er spitzt mit Hülfe der Gefährten einen Olivenpfahl zu und verbirgt ihn, um Verdacht zu vermeiden, im Mist. Am Abend bietet er dem Ungeheuer Wein an; der Riese kostet; der Wein schmeckt gar zu gut. Dreimal muss Odysseus die Schale füllen, die ebenso oft mit Gier geleert wird; dann fragt Polyphem nach des Gebers Namen und gibt dem ver- meintlichen Niemand die teuflisch-humoristische Versicherung, dass er zum Dank für die Gabe zuletzt aufgezehrt werden solle. Unterdessen hat der Wein gewirkt, der Riese verfällt in einen tiefen Schlaf. Diesen Augenblick benützt Odysseus, ihm den im Feuer geglühten Pfahl in's Auge zu stossen. Auf sein Schmerzgeheul kommen die anderen Kyklopen herbei, verschwinden aber ebenso, wie sie hören, dassNiemand ihn verletzt habe. Mit der grössten Vorsicht lässt der Geblendete am nächsten Morgen die Schafe aus dem Stall; aber auch hier hat Odysseus Rath geschafft, die Gefährten unter Widder gebunden, sich selbst unter dem grössten geborgen. Gerettet höhnt er den Riesen, der ihm Felsblöcke nachschleudert, nennt ihm auch seinen Namen, was Jenen zu einem Fluchgebet an seinen Vater Poseidon veranlasst, und gelangt dann vorläufig ohne Unfall bis zur Insel des Aeolos( 105 566). Dies der Hauptinhalt der in sich völlig abgeschlossenen Episode des homerischen Gedichtes; einer Episode, die neben der Kirkegeschichte insofern ein ausgewachsenes Märchen zu heissen verdient, da sich in ihm eine einheitliche, vorwärtsstrebende, scheinbar zum Unglück führende, schliesslich sich aber doch zum Glück hindrehende Handlung abrollt, deren personelle Folie nach der Einen Seite wenigstens höchst wunderbar ist. Denn was ist das für ein Wesen, das uns hier entgegentritt! Er ist an Grösse einer waldigen Bergeshöhe gleich( 190); hat weit übermenschliche Kraft, wie die Handhabung seines Thürsteins zeigt(¼ 240 ff.; 313, 314; 340); ist Menschenfresser( 289, 290; 311; 344); dabei, was freilich nicht wunderbar, lüstern nach Trank( 353) und, insofern er hier unmässig ist, auch den Namen Utis nicht fast, dumm. Dass er Ein Auge hat, deutet sein Name an ¹) und geht aus verschiedenen Stellen(7 333, 382, 387) deutlich hervor. Echt volksthümlich-märchenhaft ist der Zug, dass Odysseus dem Riesen 3 Mal die Schale mit Wein füllt; noch märchenhafter vielleicht, weil über die reale Möglichkeit hinausgehend, aber der, dass Odysseus zuerst» 473 mit seinem Schiff so weit vom Lande der Kyklopen wegrudert, als ein Rufender gehört werden kann(500 2⁸ yéyνέ̈ᷣ Sonασα), und, als sein Schiff darauf durch den von Polyphem geschleuderten Felsblock gegen die Küste zurückgetrieben wird, dann doppelt so weit hinausrudert(dl* 5e) i won, Arννεκν 491) und wieder ruft und auch von Polyphem verstanden wird. Nutzhorn, der auf

¹) Hes. Theog. 114 wird der Name geradezu erklärt: obver' dœα ορρεο

n Kurlorsον ⁶eρασαᷣαs Lεiςα νe᷑reᷣero uεαeν.