natürlich, mongolisirt sind, an die Nausikaaepisode, dass gerade diese Verquickung von Dingen aus Od. xσ und mir als ein Beweis der Entlehnung gelten muss. Denn nur die Annahme, dass der Odysseesagenkreis einmal ganz in's Mongolische eingedrungen, macht das Zusammenfiiessen verschie- dener an sich ungleicher, doch durch irgend eine Gedankenunterlage leicht zu verknüpfender Scenen (wie hier der Zorn des Gesser(Odysseus) den Stromleiter von den Phäaken zu den Freiern abgibt) erklärlich, während wir umgekehrt, bei Annahme selbständiger Ausbildung oder erst sekundärer Ent- lehnung des Stoffes, vor einer ganzen Reihe unlösbarer Räthsel stehen würden.
VIII. Die Lotophagen.
Od. 1 82— 105. Ueber diese Vegetarianer des Alterthums dürfen wir uns kurz fassen. Odysseus gelangt zu ihnen nach einer neuntägigen Fahrt von Kythera her. Die von ihm auf Kundschaft aus- gesandten Gefährten werden von dem Völkchen freundlich aufgenommen und mit Lotos bewirthet, was zur Folge hat, dass sie gar nicht mehr zum Schiff zurückkehren und die Heimat Heimat sein lassen wollen. Odysseus muss sie schliesslich mit Gewalt zurückführen.— Wunderbar ist hier allein die vergessen machende Kraft der Lotosfrucht. Entweder soll damit nur gesagt sein, dass sie den Fremd- lingen vortrefflich mundete, oder ist sie eine wirklich vergessen machende, und dann gehört sie ebenso in's Bereich des Märchens, wie das schmerzvertreibende ασαροων, das Helena( 219 ff.) oder das die Erinnerung an die Heimat völlig tilgende, das Kirke( 236) dem ihren Gästen vorgesetzten Trank beimischt. Dass die Lotophagen im südlichen Arabien wohnten und ihr Lotos nichts Anderes als der beliebte Betel sei, wie Krichenbauer ²) meint, müssen wir schon im Interesse des guten Ge- schmacks der Griechen zurückweisen.
IX. Lästrygonen und Kyklopen.“) (Od.* 80— 133; 4177— 566.)
Riesen und Menschenfresser sind die besonderen Lieblinge der märchengestaltenden Phantasie fast aller Völker, und so darf es uns nicht Wunder nehmen, selbst in einem griechischen Gedicht zwei Prachtsorten dieser Species aufzufinden: die Lästrygonen und die Kyklopen. Zu den Lästry- gonen gelangt Odysseus erst, nachdem er durch die Erlebnisse bei dem Kyklopen und dem Gott der Winde gewitzigt und vorsichtig geworden ist. Durch eine eigenthümlich gewundene Bucht*⁴) fahren die Irrenden in einen völlig geschützten Hafen ein; die drei von Odysseus abgesandten Gefährten werden von der Königtochter, der sie begegnen, in ihres Vaters Haus gewiesen, wo sie ein Weib wie einen Berg antreffen. Noch staunen sie die Wundergestalt an, da erscheint der König, packt Einen der Drei zum Frasse, und wie die Anderen fliehen, ruft er mit furchtbarem Geschrei die andern riesengrossen Lästrygonen herzu, die dann durch Schleudern von Felsblöcken und Steinen unter den Griechen eine solche Verwüstung anrichten, dass schliesslich nur Odysseus mit einem einzigen Schiffe davonkommt( 80— 133).— Die Lästrygonen sind also Riesen und Menschenfresser von der gewöhnlichen
¹) Od.. 84. Pr' dννσιάυηυων εμ⁴⁶ας ⁵οσσανν
²) Krichenbauer, Die Irrfahrt des Odysseus. Berlin. 1877. S. 47.
³) Die äusserliche Zusammengehörigkeit dieser Riesengestalten mag es entschuldigen, dass hier von der genauen Reihenfolge einmal abgewichen ist.
¹) von Baer, Ueber die homer. Lokalitäten in der Odyssee, Braunschweig. 1878, glaubt sie S. 4 mit der Bucht von Balaklawa identificiren zu sollen. Krichenbauer dagegen(Die Irrfahrt des Od. Berlin. 1877) hält die Panzerbank, südöstlich von den Seychellen, dafür(S. 58).
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