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gedacht werden. Saktideva, der Held der Erzählung, wandert, um die geliebte Königstochter Kana- karekha— wie sich später herausstellt, eine Vidyadhare— zu gewinnen, in die weite Welt, die goldene Stadt suchend. Kanakarekha will nämlich nur den zum Mann, der die goldene Stadt ge- sehen. Von einem Einsiedler zum andern, dann nach einer Stadt am Meer gewiesen, von einem Kaufherrn freundlich mitgenommen, leidet er Schiffbruch und sieht erst das Tageslicht wieder, als dem Meerungethüm, das ihn verschluckt, von den Dienern des Fischerkönigs Satyavrata der Bauch aufgeschlitzt wird. Satyavrata geleitet ihn weiter; aber von einem Meeresstrudel ergriffen wird sein Schiff in die Tiefe gezogen und nur Saktideva rettet sich mit einem Sprung nach einem überhängenden Feigenbaum*). Dort erst erfährt er von Adlern, die sich über ihre Ausflüge unterhalten, von der goldenen Stadt und gelangt auf dem Rücken eines dorthin fliegenden in die Residenz der Vidyadharen. Was weiter von diesen berichtet wird, bestätigt im Einzelnen das oben im Allgemeinen von Charakter und Art der Phäaken Gesagte. Wenn Gerland dann noch zum Vergleich die Walküren oder besser die Lichtelben der nordisch-germanischen Mythologie heranzieht, so stellt sich schliesslich der Glaube an diese glückseligen, über dem gewöhnlichen menschlichen Dasein schwebenden und nur selten von Menschen erreichten Wesen als ein indogermanischer heraus. Bei dem specifisch indischen Gepräge, das die Fassung bei Somadeva zeigt, und dem original-griechischen Charakter der Phäaken andrerseits ist es aber wohl geboten, eine selbständige Weiterbildung der einfachen mythologischen Grundlage im Rahmen des einzelnen Volkes anzunehmen; wenigstens würde es ebenso unerklärlich sein, wie die schöne Episode der Odyssee so ganz und gar zerpflückt in ein 2000 Jahre späteres Werk eingereiht worden sei, als umgekehrt, wie ein altindischer Stoff, ebenfalls gewaltsam gedehnt oder zerhackt, nach Griechenland gewandert sein soll. Etwas Anderes ist es, wenn uns in der Gesser Chansage(5. Buch) die Ankunft des Helden in dem Land der Chane von Schiraigol mit bis in's Kleinste mit Od.& über- einstimmenden Zügen geschildert wird, dass an einer Entlehnung nicht gezweifelt werden kann.„Die Töchter der drei Chane“, heisst es in Jülg's Auszug(S. 69),„pflegen sich zu einer köstlichen Quelle zu begeben, um Wasser zu holen und sich zu baden. Als hundertjähriger Bettelmönch lagert sich Gesser an diesem Brunnen. Achnlich wie Nausikaa zur Wäsche an den Fluss fährt, erscheint die eine Tochter mit ihrem Gefolge am Brunnen; wie Nausikaa und die Gespielinnen Ball werfen, so spielen die Mongolinnen mit einer Obstfrucht und diese fällt dem rücklings liegenden Bettler in den offenen Mund. Der Bettler bittet sie, ihm die Frucht zu lassen und, da er sich nicht rühren könne, ihm auszuweichen. Doch sie nehmen ihm die Frucht und schreiten über ihn hinweg. Der zweiten Tochter mit ihren Gespielinnen begegnet das gleiche, ebenso der dritten. Doch diese, Tsoisum Goa, nimmt sich seiner an. Sie wird auf Gesser aufmerksam durch den Traum einer ihrer Gespielinnen, gerade wie Nausikaa in Folge des Traums sich zu den Waschtrögen begeben hatte. Sie führt Gesser in der Gestalt eines Bettelknaben an dem fürstlichen Hofe des Vaters ein, ganz wie Nausikaa. Gesser weiss sich durch eine Menge von Künsten hervorzuthun. Wie Euryalos bei den Phäaken(ϑ 160) den Odysseus reizt und kränkt, so fordert hier Büke Tsagan Manglai den Knaben Gesser spottend heraus, seinen Bogen zu spannen und den Ringkampf mit ihm aufzunehmen. Gesser erwidert wie Odysseus(ϑ 165— 185), Bescheidenheit rathend. Und wie dann Odysseus den Diskus weit über alle hinwegwirft(9 185— 200) und sich seiner Kunst im Bogenschiessen rühmt(4ϑ 216 ff.), ebenso spannt Gesser den Bogen, den jener für unspannbar hielt, und tödtet ihn im Ringkampf.“ Die Erwähnung des Bogens und der darauf folgende Ringkampf erinnert so auffallend an die letzten Scenen der Odyssee, und die Erscheinung des Helden in Schiraigol in einer ganzen Reihe von Zügen(Apfel; Tochter des Chan; Traum ²); Kränkung; Ringkampf; verändertes Aussehen des Helden), die nur, wie ganz
¹) S. Charybdis. ²) Ein den homerischen Gedichten ganz eigenthümlicher, der mongolischen Sage dagegen, soweit mir be- kannt, ursprünglich ganz fremder Zug.


