Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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bogens dagegen als Zahlenvorbild anzuführen, erscheint für das frühe Alterthum wenigstens bedenklich, da nach Geiger's und neuerdings nach Ewald's Untersuchungen ¹) ein nur langsames Fortschreiten der Farbenperception anzunehmen sein wird und aus den vedischen und homerischen Schriften, die, an Wortbildungen reich, gewiss auch für beobachtete Farbenabstufungen den entsprechenden Ausdruck gefunden hätten, eine bewusste Unterscheidung der sieben Regenbogenfarben nicht herauszulesen ist ²). Dass die Ungarn eine so auffallende Vorliebe für diese Zahl beweisen, mag in lokalen Erinnerungen, vielleicht in geographischen Zufälligkeiten begründet sein. Für das öftere Vorkommen von 5 und 10 bietet eine einfache Betrachtung von IHland und Fuss ausreichende Erklärung).

Die Farbe spielt im Märchen im Ganzen eine wenig hervortretende Rolle. Auch im Märchen ist die That, 16 dox, das Entscheidende, nicht die hie und da ganz lieblich oder auch schauerlich gestaltete Draperie. Immerhin aber möge diese nicht unbeachtet bleiben, da auch in solchen Neben- dingen der schöpferische Volksgeist Gelegenheit findet, seinen Zug zum Natürlichen, allgemein Ver- ständlichen, in die Augen Fallenden zu offenbaren. Die sich gegenseitig ausschliessenden Farben des Lichts und des Dunkels, Weiss und Schwarz(genau genommen freilich keine Farben, sondern nur Licht und seine Negation) erscheinen öfter mit einem gewissermassen ethischen Lack: Weiss als Symbol der Reinheit, Unschuld, geistigen Klarheit*); Schwarz als Farbe von Allem, was, geistig ge- sprochen, das Licht scheut. Mit dem Grün verbindet sich öfter der Begriff des Aufstrebenden, Freudigen,

¹) A. Ewald, die Farbenbewegung. Erstes IHeft. Berlin 1876. ²) Bei Homer wird der Regenbogen zweimal und zwar beide Male in der Ilias erwühnt. Die beiden Stellen geben verschiedene Farben an und beweisen damit, dass der Dichter sich einer Farbenabstufung im Regenbogen bewusst war; doch können sie nicht als beweiskrüftig für die klare Unterscheidung bestimmter Farben angeführt werden. Die erste, II. 26 28, heisst: ⁴v04 ½ dodxννπντενι εσνοοεεαο oob Jeε rosie rderεοεν ουασωοσπνĩℛ εοεε, dore Koovlowr ν veᷣgpei Grνοεε, réos uεeρι deνϑωιννον, die andere, II. P. 547, 548,. Hjirε roοꝓρννοᷣεν o ryroico rarudon Zr*α ½ 0ο⁶εςσρ οσα Tuuerat u. s. w. Erst Xenophanes und Aristoteles unterscheiden drei Farben; Ovid leiht mit dichterischer Uebertreibung(Metam. VI. 65 67) dem Regenbogen mille colores. Anders Kalidasa in Urvasi, Akt 4(Uebers. von Lobedanz S. 72), wo er den

König Pururava sagen lässt: Es war kein Dämon! Eine Regenwolke,

Die holde Botin kühler Jahreszeit!

Es war kein Bogen eines wilden Kriegers,

Nein, Indra's siebenfarb'ger Bogen selbst! Im Uebrigen s. Gladstone, der Farbensinn S. 12 ff.

³) Die Zühlmethode nach dem quinquenalen und decimalen System findet sich bei vielen, man kann sagen

den meisten, Naturvölkern; und zwar, was hier in Betracht kommt, in sprachlicher Verbindung mit dem dieses System veranlassenden Körpertheil, der Hand. So steht beispielsweise in der Sprache der Barea(s. Reinisch, Sprachen von Nord-Ost-Afrika 1. S. 41 u. 42) das unserem fünf entsprechende oita, ebenso uit(in uit-lefeta fünfzig) in sprachlichem zZusammenhang mit ad pl. at-ta Hand; ebenso wird im Hebr. Nen auf die zusammengezogenen(e) fünf Finger,

die Faust zurückgeführt. Die indogermanischen Bezeichnungen für fünf lassen sich schliesslich ebenfalls auf eine Wurzel pak(vgl. pugnus u. s. w.) und damit auf die geschlossene Hand zurückführen(Curtius, Grundzüge der gr. Et.¹ S. 458).

⁴¹) Das schützende Kraut Moly, das Hermes dem verzagenden Odysseus reicht, hat eine weisse Blüthe(Od. * 304 dicy ubte urday oxe, yddawr t eixsdoy drϑος⁷); im russischen Märchen von Bowa Korolewitsch(Dietrich, R. M. Nr. 7) wird der vorher verwandelte Held durch Waschen mit einem weissen Pulver wieder jung und schön, während umgekehrt die schöne Druschnewna durch Waschen mit dem schwarzen Pulver alt und schwarz wird. Die Aus- drücke»weisse Hände« und»das weisssteinerne Schloss« finden sich im russ. Volksm. ungemein häufig. Aus nahe- liegenden Gründen.