Aufsatz 
Zur Berechnung der barometrischen Höhenformel / Bender
Entstehung
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So hat Haidinger:) bereits im Jahre 1855 die barometriſche Höhenmeſſung gegen Picks Anſichten in Schutz genommen und Koristka*²) hat ſich durch ſeine barometriſchen Vermeſſungen überzeugt, daß die Unſicherheit der erlangten Höhenunterſchiede ſich inner⸗ halb ſolcher Grenzen bewege, daß ihr Werth keinen Einfluß auf die Schlüſſe übe, zu deren Zweck man die Meſſung unternommen hat.

Eingehender haben Prediger ³) und Bauernfeind) dieſe Frage behandelt und durch ſorgfältige und zahlreiche Höhenmeſſungen und Vergleichungen nachgewieſen, daß bei verſicgem Gebrauch des Barometers dieſe bedeutende Incongruenzen gar nicht mög⸗ ich ſind.

Prediger ſtützt ſeine Behauptungen auf mehr denn 500 Höhenbeſtimmungen im Harz, welche er als Lehrer der Bergſchule zu Clausthal, theilweiſe durch Picks Abhandlung veranlaßt, mit großer Hingebung ausführte. Bei ſeinen Beobachtungen bediente er ſich der beſten Inſtrumente,(wie ſie bekanntlich von Greiner jun. in Berlin von beſonderer Vortrefflichkeit gefertigt werden)), und baſirte ſeine Beobachtungen auf die nach⸗ lihenden vier, theils trigonometriſch theils durch Nivellement beſtimmte Anhaltspunkte, und zwar:

¹) Haidinger: Jahrbücher der k. k. geologiſchen Reichsanſtalt von 1855. S. 450 453.

¹) C. Koristka: Studien über die Methode und Benutzung hypſometriſcher Arbeiten ꝛc. Gotha, 1858. S. 61.

²) Prediger: Ueber die Genauigkeit barometriſcher Höhenmeſſungen. Clausthal, 1860.

) Bauernfeind: Beobachtungen und Unterſuchungen über die Genauigkeit barometriſcher Höhenmeſ⸗ ungen ꝛc., München, 1863. 3

²) Obgleich nach Koristkas Erfahrungen die Anwendung des Metallbarometers zu Höhenmeſſungen nur geringe Befriedigung gewährte, ſo haben doch die Unterſuchungen des Aſtronomen Julius Schmidt zu Olmütz(Unterſuchungen über die Leiſtungen des Bourdon'ſchen Metallbarometers,

Wien und Olmütz 1858) dargethan, daß dieſes ſinnreiche Inſtrument nach den neueren Verbeſ⸗ ſerungen ſich zum Höhenmeſſen ganz beſonders eigne, und daß insbeſondere die von Richard und Bourdon in Paris gearbeiteten Aneroide auf Reiſen mit größerem Vortheil zu benützen ſeien, als die Queckſilberbarometer. Schmidt machte mit ſeinen Aneroiden Beobachtungen auf dem Gloggnitzer Schneeberg, auf dem Semmering ec. und fand, daß alle ſtarke Bewegungen und Stöße ſeinen Stand nicht zu verändern vermochten und daß er ſelbſt während der Auffahrt der Eiſen⸗ bahn das Senken des Zeigers bequem beobachten konnte. Erwägt man, daß der Aneroid keine beſondere Verpackung auf der Reiſe bedarf, daß er nicht beſonders aufgeſtellt werden muß, da man in vertikaler und horizontaler Lage ableſen kann, daß die kleinen Vibrationen ſich zwiſchen 0,1 und 0,2 Linien halten, daß die Ableſungen eine viel kürzere Zeit erfordern und ſelbſt bei den ſtärkſten Erſchütterungen geſchehen können, und daß ſchließlich dieſe Ableſungen nahe zu denſelben Reſultaten führen, wie die Queckſilberbarometer, ſo wird die Brauchbarkeit und der Werth gut gearbeiteter Aneroide keinem Zweifel mehr unterliegen. 3

Von beſonderer Bedeutung iſt die Anwendung der Aneroide zu Beobachtungen auf dem Meer, da dieſelben, ſelbſt bei dem ſtärkſten Stürmen, bis zu einer Wellenhöhe von 7 Toiſen noch mit derſelben Sicherheit abgeleſen werden konnten, wie auf dem feſten Land, und bereits werden daher dieſe Inſtrumente vielfach zu Beobachtungen der oceaniſchen Meteorologie mit Vortheil benützt. Auch nach den Verſuchen, welche mit guten Aneroiden durch das Großherzogliche Kataſter⸗

bureau, insbeſondere durch den Großherzoglichen Geheimen Oberſteuerrath Hügel veranlaßt wurden, hat ſich die Brauchbarkeit dieſer Inſtrumente auf das glänzendſte bewährt. Freilich ſind alle Aneroiden, wie Schmidt ſich ausdrückt, als Individuen zu betrachten, deren jedes einzelne eine ſpecielle Unterſuchung, eine beſondere Correctionstabelle verlangt. Daher jeder Aneroid, ſelbſt wenn er aus der Hand des beſten Künſtlers hervorgeht, in Bezug der erforderlichen Correction, der genaueſten Prüfung wegen ſeiner Eigenthümlichkeiten zu unterwerfen iſt, ohne welche derſelbe für genaue Beobachtungen ganz unbrauchbar wird. Insbeſondere iſt es nöthig, das Verhalten deſſelben zu einem Queckſilberbarometer unter der Luftpumpe genau zu vergleichen. Um die kleinen, jedoch ſtörenden Oscillationen der bisherigen Metallbarometer zu vermeiden wurde in der Londoner Ausſtellung ein neues Inſtrument, unter dem Namen: Holosſteric⸗Barometer, aufgeſtellt, welches zwar auf demſelben Principe zu beruhen ſcheint, durch deſſen Mechanismus aber dem Zeiger, bei gleicher Empfindlichkeit, dieſe Oscillationen benommen ſind.