Aufsatz 
Zur Berechnung der barometrischen Höhenformel / Bender
Entstehung
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boraſſo angewandt, nur eine Differenz von 21 ,43= 0.0071 h; für den Monte- Gregorio eine Differenz von+ 9,03= 0,0103 h zur Folge haben könnten. ¹) Somit vermag Pick in den drei erſten Punkten den Grund der angeführten Ver⸗ ſchiedenheit nicht zu finden und wendet ſich daher in ſeinen Unterſuchungen zu dem vierten und fünften Punkte und erörtert in Beziehung auf dieſelben die Fragen: 1) Liegt der Grund der Incongruenzen in einer Unkenntniß des Ganges der Tem⸗ peratur zwiſchen beiden Stationen? 2) Liegt er in der Richtung und Stärke des Windes? 3) Können die Incongruenzen durch die Verſchiedenheit der Tageszeit erklärt werden? 4) Gewähren die Mittel*), namentlich die Jahresmittel, hinreichende Sicherheit? Auch dieſe vier Fragen unterwirft Pick auf Grundlage der ihm zu Gebot ſtehenden me⸗ teorologiſchen Daten der ſorgfältigſten Unterſuchung, als deren Ergebniß er den Satz aufſtellt: Alle Momente denen man bis jetzt die Incongruenzen barometriſcher Höhenmeſſung zuſchrieb, reichen zu deren Erklärung nicht aus. Pick ſchließt ſeine jedenfalls ſehr intereſſante Abhandlung mit den nachſtehenden drei Sätzen, in welchen das Reſultat ſeiner Unterſuchungen zuſammengefaßt iſt: 1) Höhendifferenzen, aus einzelnen Barometerbeobachtungen abgeleitet, ſind durch⸗ aus unzuverläſſig, und alle Vorſichtsmaßregeln reichen nicht aus, um auch nur die Grenzen der Verläßlichkeit angeben zu können.

2) Nimmt man ſtatt einzelner Beobachtungen Mittel, ſo werden die Grenzen der Unſicherheit allerdings im Allgemeinen enger, jedoch ohne daß mit der Beobachtungs⸗ Periode auch eine Verbeſſerung der Höhendifferenz erfolgen müßte, und ſelbſt Jahres⸗ mittel, ja Mittel mehrer aufeinander folgender Jahre gewähren noch lange nicht die Sicherheit trigonometriſcher Meſſungen.

3) Die Urſachen der großen Varianten liegen nicht, oder doch nur theilweiſe in der Unkenntniß des Ganges der Temperatur, nicht in dem Dunſtgehalte der Atmo⸗ ſphäre, nicht in dem Gange der Winde in den untern Schichten der Luft, wenigſtens nicht nach der Kämtz'ſchen und BrandesL'ſchen Hypotheſe; ſelbſt die allerdings unzwei⸗ felhaft erwieſene Abhängigkeit von den Tages⸗ und Jahreszeiten, reicht zu ihrer Erklärung noch lange nicht aus: kurz man kennt die hier wirkenden Momente nicht, und es müßten größere Reihen eigens hiezu angeſtellter Beobachtungen einer Unterſuchung unterzogen werden, um hierüber weitere Aufſchlüſſe zu geben, wobei man, ſoweit es möglich, auf die verſchiedene Richtung des Windes in den verſchiedenen übereinander liegenden Schichten der Atmoſphäre beſonders Rückſicht zu nehmen hätte.

So wenig das Verdienſt Pick's zu verkennen iſt, durch ſeine Unterſuchungen den erſten Anlaß zur gründlichen Erörterung dieſer wichtigen Frage gegeben zu haben, ſo iſt doch durch die neueſten Arbeiten in dieſer Beziehung nachgewieſen worden, daß die Unzuverläſſigkeit, welche derſelbe dieſer Vermeſſungsart vindicirt, nicht gerechtfertigt iſt.

¹) Nur bei ſehr kleinen Höhenbeſtimmungen z. B. für eine Höhendifferenz von 7,3 Toiſen berechnet Pick, daß ch=+ 4,28= 0,600 h=: 8⁵ h, mithin ſich ein ſo bedeutender Fehler ergeben würde, daß für dieſe Fälle die barometriſche Höhenmeſſung unſtatthaft wird.

²) Nach v. Humboldt's Beobachtungen ſteht, in Bezug der täglichen Schwankungen, im Mittel das Barometer um Morgens und 4 Nachmittags am niedrigſten, um 10 Morgens und um 10 Abends am höchſten. Ebenſo iſt in unſeren Breitegraden der Mittelwerth der Barometer⸗ ſtände im Winter größer als im Sommer. Der Mittelwerth aus allen mehrere Jahre umfaſſen⸗ den Beobachtungen an einem Orte gibt den mittleren Barometerſtand dieſes Ortes.