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Grund vorliegt, denn dieser lautet:„Sie hat mir jetzt sehr trocken gesagt, sie könne es unmöglich über sich gewinnen und dächte nicht ans Heiraten.“(Me ha dicho agora muy secamente que es imposible acabarlo consigo y que no piensa cassarse.) Das Wörtchen„agora“„jetzt“ kommt in demselben Absatz noch dreimal vor und zwar bald nach dem Datum„cinco dias ha“ bei der Erzählung des Gesprächs, das der Bischof mit Elisabeth führte. Man könnte also mit viel stärkerer Begründung darauf hinweisen, das agora beziehe sich auf das von dem Gesandten selbst gegebene Datum seiner Ankunft in Windsor, den 6. September, zumal wenn man, wie Gairdner dies in seinem Death of Amy Robsart thut, annimmt, der Brief sei stückweise an verschiedenen Tagen geschrieben. Dann müsste man allerdings auch annehmen, der Bischof habe von vornherein vorgehabt, seinen Brief am I11. zu beendigen. Allein eine solche Auslegung wäre hier sehr unnatürlich. Die Worte„ich kam vor fünf Tagen nach Windsor“ sprechen entschieden dafür, dass der Brief nicht stückweise, an verschiedenen Tagen, sondern an einem Tag geschrieben wurde, denn diese genaue Zeitangabe hat nur dann Sinn und Wert, wenn sie unter Bezugnahme auf das unter dem Brief stehende Datum des I1. September geschrieben wurde. Das Wörtchen agora aber findet sich in den Briefen Aquilas sehr häufig und bezeichnet dort ebensowenig als unser so häufig angewandtes Jetzt eine genaue Zeitangabe. Seine Wiedergabe durch just now ist willkürlich und entspricht dem spanischen Urtext in keiner Weise. Doch lassen wir, um jeden Zweifel über die Chronologie des Briefes zu beseitigen, den Bischof selbst reden. Dieser schreibt:„Seit ich Eurer Hoheit geschrieben habe, gab es hier sehr wichtige Neuig- keiten, über welche ich Eurer Hoheit schnell Nachricht geben will. Vor 5 Tagen kam ich nach Windsor, wo die Königin verweilt, und fand dort in den schottischen Angelegenheiten, dass das Par- lament unter Zustimmung von Klerikern und Laien ein Bekenntnis seines ketzerischen Glaubens ge- macht hat übereinstimmend mit demjenigen dieses Reiches.“ Der Bischof spricht sodann von dem englisch-schottischen Bündnis, das, wie er jetzt erfuhr, schon vor Beginn des Krieges abgeschlossen wurde.„Jetzt glaubt sie kraft des zwischen ihr und den Franzosen bezüglich Schottlands geschlossenen Vertrags offen über ein anderes Bündnis unterhandeln zu können. Was die Franzosen davon denken können, und die Ruhe, die daraus für die Nachbarn folgen kann, sieht Eure Hoheit. Ich unterliess es nicht, der Königin zu bemerken, dies sei eine schwierige Sache, und man wisse nicht, wie es die Franzosen aufnehmen würden. Allein ihr scheint dies das Allersicherste zu sein, und je grösser die Veranlassung zum Bruch zwischen dem König, unserm Herrn, und den Franzosen ist bei den Hinder- nissen, die sie diesen in den Weg legt, um so klüger benimmt sie sich in Bezug auf ihre Absichten. Sie sagte mir, was zwischen Throckmorton und dem Kardinal von Lothringen wegen des Kommens der Galeeren vorgefallen, sei Ohne ihre Ermächtigung geschehen etc. Ich bat sie nun inständig, mir aufrichtig zu sagen, wie die Dinge zwischen ihr und den Franzosen lägen. Darauf sagte sie mir, den Franzosen fehlte sicherlich nicht der Wille, ihr zu schaden etc. Ich zeigte darüber grosse Unzufrieden- heit und antwortete ihr bezüglich ihrer Heirat. Sie hatte mir nämlich am 3. vergangenen Monats (August) gesagt, sie sei sicher entschlossen sich zu verheiraten. Jetzt hat sie sehr trocken gesagt, sie könne upnmöglich mit sich eins werden und dächte nicht ans Heiraten.“
„Nach dieser Unterredung mit der Königin bot sich mir Gelegenheit mit Cecil zu sprechen, der, wie ich vernahm, in Ungnade war, und dessen Entfernung von den Staatsgeschäften Lord Robert er- strebt. Ohne Schwierigkeit brachte ich ihn auf diese Angelegenheit etc. und zum Schluss sagte er mir, man beabsichtige Lord Roberts Frau zu töten, öffentlich sei diese jetzt für krank ausgegeben, sie wäre dies aber keineswegs, sondern durchaus gesund und hütete sich sehr vor Gift etc.“
„Am Tag darauf sagte mir die Königin, als sie von der Jagd kam, Lord Roberts Frau wäre tot oder dem Tod nahe, ich möchte aber nichts darüber sagen. Sicherkich ist das, was in dieser Angelegenheit geschieht und was sie thun, eine höchst ärgerniserregende Schandthat“
Der Wortlaut des Briefes beweist klar, dass der spanische Gesandte in seiner ersten Unterredung mit der Königin nach Berührung der durch den Vertrag von Edinburg zwischen England, Schottland und Frankreich geschaffenen Lage die Heiratsfrage zur Sprache brachte, dass er noch an demselben Tage eine Unterredung mit Cecil hatte, dass aber die Jagd und jene Ausserung der Königin zweifellos auf den folgenden Tag fallen. Dabei spricht die Ausdlrucksweise:„Ich kam vor fünf Tagen nach Windsor und fand in den schottischen Angelegenheiten etc.“ entschieden dafür, dass das Gespräch, worin er diese Dinge mit Plisabeth erörterte, sehr bald, vielleicht noch am Tag seiner Ankunft, dem 6. September, stattfand. Der Bischof war jedenfalls nach Windsor geeilt, um sich genauen Einblick in die Entwicklung der schottisch-französisch-englischen Angelegenheiten zu verschaffen, denn Elisabeth hatte hier am 2. September den Vertrag von Edinburg ratifiziert, direkt nachdem im Juli und August die politische und religiöse Loslösung Schottlands von Frankreich und die Erneuerung des Bünd- nisses von Berwick durch das schottische Parlament erfolgt waren. Der Grund, der den Gesandten


