Aufsatz 
Der einjährige freiwillige Militairdienst und die Realschule des Großherzogtums Hessen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

Zeugniß der Reife nach der für deren Abiturienten geltenden Prüfungsinſtruktion erwerben wollen, haben ſich unter Vorlegung von Zeugniſſen über ihren Bildungsgang an die betreffende Provinzialaufſichtsbehörde zu wenden, welche ermächtigt iſt, dergleichen Maturitätsaſpiranten nach Befinden einer beſtimmten Realſchule zu⸗ zuweiſen. Bei der ſchriftlichen Prüfung iſt es zuläſſig, ſie mit den Abiturienten der Anſtalt zu vereinigen. Die mündliche Prüfung der Fremden wird beſonders abgehalten; ſie richtet ſich zwar nach der allgemeinen Prüfungsordnung, iſt aber bei allen Gegenſtänden ausgedehnter und geht weit mehr ins Specielle, als es bei den eigenen Schülern einer Anſtalt, nach der näheren Bekanntſchaft der Lehrer mit dieſen, ſowie nach der Translocationsprüfung vor dem Eintritt in die Prima, nöthig iſt. Es kann daher den fremden Era⸗ minanden auch die Anfertigung eines lateiniſchen Exercitiums und der Nachweis der erforderlichen geographi⸗ ſchen und naturgeſchichtlichen Kenntniſſe nicht erlaſſen werden. Beſtehen ſie die Prüfung nicht, ſo ſind die Commiſſionen befugt, ſie auf eine beſtimmte Zeit zurückzuweiſen, worüber eine Notiz in das Zeugniß aufzunehmen iſt. Vor der Zulaſſung ſolcher Maturitäts⸗Aſpiranten, welche aus den oberen Claſſen einer Realſchule abgegangen ſind, iſt zu prüfen, ob ſie ſich eine willkürliche Abweichung von der vorſchriftsmäßigen Curſusdauer erlaubt haben. 3

Das Gutachten der K. Wiſſenſchaftlichen Prüfungscommiſſion über die Prüfungsverhandlungen gelangt durch das K. Provinzialſchulcollegium, eventuell von den Bemerkungen deſſelben begleitet, an den Direktor, zur Mittheilung an die Prüfungscommiſſion der Schule. Die Mitglieder derſelben haben durch ihre Unter⸗ ſchrift zu bezeugen, daß ſie davon Kenntniß genommen.(Wieſe, S. 507 510.)

3.) Die Abgangsprüfung bei den höheren Bürgerſchulen. In der Religion haben die Examinanden eine zuſammenhängende Kenntniß der Glaubenslehre der kirchlichen Confeſſion, welcher ſie angehören, darzuthun, ferner eine Bekanntſchaft mit den für die Glaubenslehre und die Geſchichte des Reiches Gottes wichtigſten Theilen der hl. Schrift.

Im Deutſchen wird verlangt ein correcter mündlicher und ſchriftlicher Ausdruck, mit der Befähigung, ein dieſer Bildungsſtufe angemeſſenes Thema zu disponiren und zuſammenhängend, in klarer Ordnung, ſchrift⸗ lich zu behandeln. Stiliſtiſche Uebung im Ueberſetzen aus den fremden Sprachen, die auf der Schule gelehrt werden. Gutes, richtig betonendes Leſen, und der Nachweis, daß ein und das andere Schriftwerk aus un⸗ ſerer claſſiſchen Literatur mit verſtändiger Aufmerlſamkeit geleſen iſt.

Im Lateiniſchen: Sicherheit in der Formenlehre und der Syntax. Verſtänniß des bellum gallicum von Julius Cäſar und des Ovid. Metriſche Kenntniß des Hexameters.

Im Franzöſiſchen und Engliſchen: Richtige Ausſprache und ſichere Bekanntſchaft mit den Haupttheilen der Grammatik. Verſtändniß von Proſaſtücken, beſonders hiſtoriſchen Inhalts, und von leichten Dichterſtellen, und ein dazu ausreichender Vocabelvorrath; Fertigkeit in correctem Nachſchreiben eines fran⸗ zöſiſchen und engliſchen Dictats.

In den vorgenannten drei fremden Sprachen müſſen die Abiturienten ein dieſer Stufe angemeſſenes Exercitium ohne grobe Fehler ſchreiben können. 6

In der Geſchichte: Allgemeine Ueberſicht der Weltgeſchichte. Die wichtigſten Thatſachen der griechiſchen Geſchichte bis zum Tode Alexanders des Großen, der römiſchen bis zum Kaiſer Marcus Aurelius. Specielle Kenntniß der deutſchen und der preußiſchen Geſchichte ſeit dem dreißigjährigen Kriege.

In der Geographie: Anſchauliche Kenntniß der wichtigſten Verhältniſſe der Erdoberfläche und der Formation der Erdtheile. Die topiſche und politiſche Geographie von Europa und ſpecieller die von Deutſchland und Preußen. Das Wichtigſte aus der Staatenkunde, mit beſonderer Rückſicht auf die Coloni⸗ ſation. Die Elemente der mathematiſchen Geographie.

In der Naturkunde: Eine auf Anſchauung gegründete Kenntniß der gebräuchlichſten botaniſchen, zoologiſchen und mineralogiſchen Syſteme; Bekanntſchaft mit den phyſiologiſchen Kennzeichen der Pflanzen⸗ und Thierfamilien, welche für die Flora und Fauna der Umgegend, für die gewöhnlich im Handel und in der Technik vorkommenden exotiſchen Formen und für die Phyſiognomie der botaniſchen und zoologiſchen Provin⸗ zen der Erde von beſonderer Wichtigkeit ſind. Aus der Phyſik: Die allgemeinen Eigenſchaften der Körper; Wärmelehre. Die für die Kenntniß der wichtigſten Naturgeſetze in Betracht kommenden Grundlehren der Chemie.

In der Mathematik muß erreicht ſein: Eine gründliche Kenntniß der elenen und körperlichen