15 des Kollegen See: Bilder aus dem Leben Kaiſer Wilhelms, vorgetragen von Schülern; dazwiſchen wurden paſſende Geſänge und Alavierſtücke vorgetragen, letztere von den Aſſeſſoren Schmidt und Willenbücher. Kollege Geißner hielt die Feſtrede.
Die Überfüllung der Klaſſen war inzwiſchen ſo groß geworden, daß die Direktion eine Inſpektion der Anſtalt beantragte; dieſelbe fand am 8. 10. 1806 ſtatt durch die Herren Geh. Staatsrat von Anorr und Geh. Oberſchulrat Soldan. Die Geſamtſchülerzahl im Jahre 1898 betrug 845. Die 6. Klaſſe der Realſchule mußte in 3 Parallelklaſſen geteilt werden. Während des Sommers 1898 war ein regelmäßiger Schulbetrieb nicht möglich infolge der Erkrankungen und militäriſchen Sinziehungen von Lehrern. In 2 Monaten mußten ô fehlende Lehrer, an einigen Tagen ſogar 9 vertreten werden. Im Schuljahr 1898/90 kamen auf 230 Schultage 526 Fehltage einzelner Lehrer(für jeden Schul⸗ tag 2,2 Fehltage). Berechnet man jeden Fehltag nur mit 3 Unterrichtsſtunden, ſo waren im ab⸗ gelaufenen Schuljahr fehlende Lehrer an jedem Tag durchſchnittlich in 6—7 Stunden zu vertreten. Während des ganzen Schuljahres fand nur an 2 Tagen keine Vertretung ſtatt.„Aus der ſeit einer Reihe von Jahren beobachteten häufigen Erkrankung von Lehrern“, ſo heißt es in dem Jahresbericht 98— 99 wörtlich weiter,„muß geſchloſſen werden, daß dieſelben auf die ungeſunde Lage der Schul⸗ räume, die Überfüllung der meiſten Klaſſenzimmer und die Überbürdung der Lehrer zurückzuführen iſt. Sine Beſchleunigung des Baues von neuen Schulgebäuden für unſere Anſtalten wäre daher dringend zu wünſchen“. Man faßte denn auch ernſtlich den Plan ins Auge, die beiden Anſtalten zu trennen. Am 10. 11. 1898 beſichtigten die Herren Miniſterialrat Soldan, Oberſchulrat Dettweiler, Oberbürger⸗ meiſter Gaßner, Baurat Uuhn, Medizinalrat Balſer ſämtliche Schulräume der Anſtalt. Infolge deſſen wurde von Großh. Miniſterium alsbald die Anregung zu Neubauten von Schulhäuſern für die beiden zu trennenden Anſtalten gegeben. Am 13. 10. 1800 beſichtigte auch der Geh. Oberſchulrat Nodnagel die Räumlichkeiten der Anſtalt, ebenſo die Herren Miniſterialrat Dr. Siſenhuth, Geh. Ober⸗ ſchulrat Nodnagel und Geh. Oberſchulrat Weihrich am 21. 3. 1900. Am 6. 8. 1900 nahm der Direktor teil an einer Konferenz im Miniſterium, in welcher die Zahl der für die Neubauten eines Realgymnaſiums und einer Oberrealſchule zu fordernden Schulräume feſtgeſtellt wurde.
VI. Die Errichtung der Höheren Handelsſchule.
Inzwiſchen hatte die Rieſenanſtalt eine neue Erweiterung erfahren. Am 2. 5. 1898 wurde die Höhere Handelsſchule eröffnet. Den Plan dazu hatte die Handelskammer in Mainz im Jahre 1897 angeregt. In einer Eingabe an das Miniſterium wurde beantragt, im Anſchluß an das Realgymnaſium 2 handelsklaſſen mit je einjährigem Kurſus zu errichten(parallel der Ila und Ib). Es ſollen nur Schüler aufgenommen werden, die den Berechtigungsſchein zum einjährigen Militär⸗ dienſt haben. Die Stände gaben ihre Zuſtimmung gegen Oſtern 1898. Das Kuratorium der Höheren Handelsſchule beſteht: 1. aus dem Direktor des Realgymnaſiums, 2. dem Oberbürgermeiſter bezw. deſſen Stellvertreter, 3. dem Präſidenten der handelskammer bezw. deſſen Stellvertreter.
Der neue Handelslehrer Friedrich Leitner konnte ſeine Stelle erſt am 13. Juli antreten. Andere nicht ſpezielle Handelsfächer, z. B. Engliſch und Franzöſiſch, werden von Oberlehrern des Real⸗ gymnaſiums bezw. der Realſchule erteilt. Am 14. 3. 1900 fand eine öffentliche Prüfung der hHöheren Handelsſchule ſtatt, die auf alle Anweſenden einen ſehr befriedigenden Eindruck machte. Der Ver⸗ treter der Mainzer Handelskammer ſprach dem Direktor und den Lehrern der Höheren Handelsſchule. den gebührenden Dank aus. Infolge eines Schreibens der Großh. Handelskammer an die be⸗ deutenden hieſigen Firmen wurden, wie im Programm des Jahres 1900 mitgeteilt wird, die ab⸗


