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Beilage zum Programm des Großh. wealgumnaſiumß. der Oberrealſchule und der Höheren Handelsſchule in Mainz.
Geſchichte der Mainzer Realſchule
(Realſchule, Realgymnaſium, Höhere Handelsſchule, Oberrealſchule)
von
Profeſſor Dr. Beck. Lar! 190
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n der Geſchichte der Mainzer Realſchule ſteht ein wichtiges Ereignis bevor: Die beiden Anſtalten, das Realgymnaſium und die Oberrealſchule, werden im Frühjahr des Jahres[906 getrennt werden. Während die Oberrealſchule ein neues heim in der Meuſtadt bezieht, wird das Realgymnaſium in den alten Räumen vorläufig bleiben. Dieſe Trennung hat die Direktion veranlaßt, den Verfaſſer aufzufordern, die Entſtehung und Entwicklung der Realſchule zu bearbeiten. Dieſer Aufforderung kam er um ſo lieber nach, als er ſeit 28 Jahren ununterbrochen an dieſen Anſtalten wirkt und ſo wenigſtens einen Teil ihrer Ent⸗ wicklung mit erlebt hat. Der feierliche Einzug in die neue Oberrealſchule wird vorausſichtlich Ende April 1906 erfolgen. Am 25. April l. J. ſind aber auch, wie aus der nachfolgenden Abhandlung hervorgeht, 75 Jahre verfloſſen ſeit der Gründung unſerer Realſchule. Deshalb hat man beſchloſſen, mit der Sinweihung des neuen hauſes eine entſprechende Erinnerungsfeier zu verbinden um ſo mehr, als das fünfzigjährige Jubiläum der Schule nicht gefeiert worden iſt.
I. Entſtehung der Realſchule.
Am 1. April 1845 erſtattete der damalige Direktor der Realſchule, Philipp Noll, in dem Stadtrat, dem er ſelbſt angehörte, einen Bericht über die Entwicklungsgeſchichte der Realſchule zu Mainz in den letzten Dezennien. Aus dieſem Bericht erfahren wir, daß es ſchon im Jahre 1818 eine Real⸗ ſchule in Mainz gegeben hat.„Aber ſie beſtand nur dem Namen nach. Denn was war zu erwarten von einer Anſtalt, die nur 2 Klaſſen zählte, angefüllt von 100—150 teils ſehr verwilderten Schülern, von einer Anſtalt, die zwar die Namen Phyfik, franzöſiſche Sprache ꝛc. in den Lektionsplan auf⸗ genommen hatte, aber mit 2, höchſtens 3 Lehrern nichts Weſentliches ausrichten konnte; denn an einen mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Gewinn war nicht zu denken, weil die Lehrer nicht Zeit hatten, auch derlei Dinge nicht ex professo betrieben; ja ſogar unſere herrliche, in klaſſiſchen Konſtruktionen und Wendungen ſo reiche Mutterſprache war ſehr ſtiefmütterlich bedacht.“
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