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Konferenzzimmer und einen zweiten Schulhof. Und doch hat die Zukunft gezeigt, daß dieſer Beſchluß der Anſtalt nicht zum Segen gereichte. Damals war der richtige Zeitpunkt, bei dem Stadtrat einen Neubau bezw. die Trennung beider Anſtalten zu beantragen. Es iſt nicht zu zweifeln, daß dieſer Antrag Erfolg gehabt hätte. Dann wären die troſtloſen Zuſtände, von denen noch zu berichten ſein wird, vermieden worden. Aber auch in hygieniſcher Beziehung entſprachen die neuen Räume durchaus nicht den Anforderungen, die man an Schulräume ſtellen muß. In einigen Zimmern hatten die Schüler, die nicht unmittelbar am Fenſter ſitzen, kein direktes Licht. Da außerdem der neu errichtete Flügel nach Südweſten lag, brannte im Sommer einen großen Teil des Tages die Sonne in das Simmer. Am 20. 4. 1887 wurden die neuen Räume bezogen. Im Jahre 1885 war die Anſtalt abermals erweitert worden, indem eine neue ſiebente Klaſſe(Sexta der Realſchule) gebildet wurde, Wie ſehr die Errichtung dieſer Klaſſe einem Bedürfnis entſprach, geht daraus hervor, daß ſie als⸗ bald durch Verfügung vom 22. 3. 1887 geteilt werden mußte.
Der tiefen Trauer, die ganz Deutſchland, ja man kann ſagen alle Kulturländer der Erde infolge des Codes Kaiſer Wilhelms I. ergriff, gab auch unſere Schule Ausdruck, indem am Beiſetzungstage (16. 3. 1888) im Turnſaal eine Trauerfeier ſtattfand, bei der Uollege Ueller(ſpäter Direktor der Höheren Mädchenſchule) die Feſtrede hielt.—
Durch Allerhöchſte Verfügung vom 24. 2. 1888 wurde der ſeitherige Direktor Soldan zum Ober⸗ ſchulrat ernannt. Er verabſchiedete ſich am 18. 4. 1888 und führte gleichzeitig den ſeitherigen Direktor des Realgymnaſiums in Offenbach, Dr. Schön, in den Dienſt ein. Beim Abſchied begleiteten den neuen Oberſchulrat die herzlichſten Glückwünſche ſeiner ehemaligen Kollegen und Schüler in ſeine verantwortungsvolle und ſchwierige, aber auch ebenſo ehrenvolle neue Stellung.—
Unter dem Direktorium Schön iſt die Schule zu der Rieſenanſtalt geworden, die jedenfalls im Großherzogtum Heſſen, vielleicht in ganz Deutſchland ihres gleichen ſucht. Im Programm des Jahres 18900 wird ſchon die Geſamtſchülerzahl auf 788 angegeben. Das Schuljahr war inzwiſchen mit Wirkung vom Frühjahr 1889 auf Oſtern verlegt worden. Am 9. März, dem Todestag Kaiſer Wilhelms I., fand eine Gedächtnisfeier in der Turnhalle ſtatt, bei der der Direktor die Feſt⸗ rede hielt.
In demſelben Schuljahr mußten die Weihnachtsferien um 2 Wochen verlängert werden(Influenza⸗ Ferien). Wie ſich beim Beginn des Unterrichts herausſtellte, waren während eines Monats in manchen Klaſſen ¹¾ der Schüler an Influenza erkrankt. So wurden denn, entſprechend der Ver⸗ fügung Großh. Miniſteriums, die Schüler für 14 Tage wieder nach Hauſe geſchickt.
Am 17. 5. 1892 fand eine Trauerfeier für den am 15. März verſtorbenen Großherzog Lud⸗ wig IV. ſtatt, bei der der Direktor abermals die Feſtrede hielt. Mitten aus ſeiner vielſeitigen energiſchen Tätigkeit wurde der Direktor durch eine ſchwere nervöſe Erkrankung geriſſen. Auf der Rückkehr von einer Reiſe ins Hochgebirg in den Herbſtferien 1892 trat die Erkrankung ein. Sin ganzes Jahr lang mußte der Direktor durch den dienſtälteſten Kollegen, Herrn Profeſſor Dr. Denk, vertreten werden. Hum Jahreswechſel überſandten die Kollegen ein Schreiben an den Direktor mit den beſten Wünſchen für baldige Geneſung. Schön begrüßte am erſten Schultage perſönlich im Konferenzzimmer die Kollegen. Am 1I1. 9. 18953 trat der Direktor ſeinen Dienſt in voller Friſche und Küſtigkeit wieder an.
Am 50. 3. 1895, dem letzten Tag des Schuljahres, fand eine Vorfeier zum 80. Geburtstag Bismarcks ſtatt, bei der der Direktor die Feſtrede hielt. Ebenſo wurde der 18. Januar 1896(Feier der Wiederkehr der Errichtung des Deutſchen Reichs), ſowie der 27. 3. 1897(Feier des 100. Geburts⸗ tags Kaiſer Wilhelms I.) durch entſprechende Feſtakte in der Turnhalle gefeiert. Bei letztgenannter Feier bildete einen ſehr wirkungsvollen Teil des Programms der Vortrag einer weihevollen Dichtung


