Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Realschule (Realschule, Realgymnasium, Höhere Handelsschule, Oberrealschule) / von Karl Beck
Entstehung
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unterricht hatte. Herbſt 1880 ſchienen aber alle Schwierigkeiten beſeitigt zu ſein. In dem Programm 1880 gibt Schödler, bezugnehmend auf ſein am 9. 10. 1879 gefeiertes 25 jähriges Direktor⸗Jubiläum, einen kurzen Überblick der im Verlauf ſeines Direktoriums vorgenommenen wichtigen Veränderungen: Nach dem Programm 1854 beſtand die Realſchule aus 6 Klaſſen mit 258 Schülern; an derſelben wirkten außer dem Direktor 5 ordentliche, derſelben ganz angehörige Lehrer, ferner 1 Schreib⸗, 1 Seichen⸗ lehrer, 3 Religionslehrer; der Lehrer der Naturwiſſenſchaften und der Turnlehrer unterrichteten zugleich am Gymnaſium. In der jetzigen(1880) Realſchule I. und II. Ordnung wirken außer dem Direktor und den Religionslehrern 17 ordentliche der Realſchule ausſchließlich angehörige Lehrer. Die Geſamt⸗ ſchülerzahl 1870/80 betrug 632. Der Direktor ſpricht ferner von einem ſtattlichen Schulhaus, das nunmehr durch Umbau und Erweiterung geworden ſei. Schödler ahnte wohl nicht, in welcher Weiſe die Schülerzahl und damit der Raummangel zunehmen werde. Ihm ſelbſt blieben dieſe Sorgen erſpart. Am 16. September 188] erlitt Direktor Schödler einen Schlaganfall; infolgedeſſen mußte er bis zum Schluß des Winterhalbjahres beurlaubt werden. Die Vertretung des Direktors wurde dem dienſtälteſten Mollegen, Herrn Profeſſor Uölſch, übertragen. Schödler hat dann mit Anſpannung aller Kräfte ſeinen Dienſt im Sommer 1882 wieder angetreten, aber ſeine Kraft war gebrochen; er mußte im Winter 1882/83 abermals Urlaub nehmen(Uölſch wurde wiederum ſein Vertreter) und trat am 14. 3. 1883 in den wohlverdienten Ruheſtand. In einem Schreiben an das Lehrerkollegium hatte er ſich in rührenden Worten von der Schule verabſchiedet, worauf die beiden dienſtälteſten Kollegen ein Schreiben des Lehrerkollegiums an Schödler überreichten, worin dasſelbe dem Gelöbnis treuen und guten Angedenkens an ihren langjährigen Direktor Ausdruck gaben. Am 227. 4. 1884 ſtarb Direktor Schödler. Seine große Anhänglichkeit an die Anſtalt zeigte er noch in ſeinen letzten Lebenstagen, indem er ihr den naturwiſſenſchaftlichen Teil ſeiner Bibliothek zum Geſchenk machte.

Als Machfolger Schödlers wurde Ferdinand Albert, vorher Direktor an dem Realgymnaſium in Darmſtadt, am 21. 9. 1883 durch herrn Geh. Oberſchulrat Greim in den Dienſt eingewieſen. Aber ſchon am 12. 12. desſelben Jahres wurde Albert aus Geſundheitsrückſichten in den Ruheſtand verſetzt. Nach einem abermaligen Interregnum, während deſſen wieder Profeſſor Kölſch die Geſchäfte führte, wurde am 3. 5. 1884 der ſeitherige Direktor an dem Realgymnaſium zu Gießen, Wilhelm Soldan, zum Direktor ernannt. Derſelbe wurde von hHerrn Geh. Oberſchulrat Becker am 17. 6. 1884 in den Dienſt ein⸗ geführt. Es galt nun zunächſt, für die ſtetig ſteigende Frequenz der Schule geeignete Lehrkräfte und Lokale zu beſchaffen. Eine Erweiterung der Anſtalt trat mit Beginn des Winterhalbjahres 1884 ein, indem durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 24. 7. l. Is. an der Realſchule I. Ordnung eine weitere Klaſſe(Sexta) für Schüler von 910 Jahren errichtet wurde. Die Anſtalt erhielt ſomit einen neunjährigen Kurſus und ſtimmte in ihrer Organiſation in allen weſentlichen Punkten mit den preußiſchen Realgymnaſien überein. Zufolge allerhöchſter Verfügung vom 10. 12. 1884 erhielten die Realſchulen I. Ordnung den Namen Realgymnaſien, die II. Ordnung Realſchulen. Durch eine aller⸗ höchſte Verordnung vom gleichen Tage erſchien die Prüfungsordnung für die Realgymnaſien.

Indeſſen nahm die Schülerzahl immer zu, ſo daß abermals die verfügbaren Lokalitäten nicht ausreichten. Deshalb faßte am 6. 8. 1885 der Stadtrat den Beſchluß, der Anſtalt für Errichtung von Parallel⸗Klaſſen drei weitere Klaſſenzimmer in dem früheren Welſchnonnenkloſter zur Verfügung zu ſtellen; bis zum vollendeten Neubau wurden 3 Klaſſen in dem Gewerbeſchulhaus in der Schulſtraße zur Verfügung geſtellt. Aber auch damit war die Raumnot nicht behoben. So erfolgte denn am 10. 5. 1886 der Beſchluß des Stadtrats, das Welſchnonnenkloſter ganz niederzulegen und auf dem Platze einen Neubau für Hwecke der Anſtalt aufzuführen. Dieſer Beſchluß iſt von vielen damals mit großer Freude begrüßt worden, denn man glaubte, nun ſei für lange Zeit der Raummangel gehoben. In der Tat gewann man 9 neue Schulſäle, ein Bibliothek⸗ und ein ſehr geräumiges