Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Realschule (Realschule, Realgymnasium, Höhere Handelsschule, Oberrealschule) / von Karl Beck
Entstehung
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gehenden Schüler der Höheren Handelsſchule durchweg mit ein⸗ bis zweijähriger Lehrzeit in erſten Häuſern untergebracht. Im Programm des Jahres 1901 findet ſich folgende Bekanntmachung in betreff der hHöheren Handelsſchule:

Um den künftig nur einjährigen Kurſus der hHöheren handelsſchule fruchtbringender zu geſtalten, wurde dem Miniſterium ein Vorſchlag unterbreitet, eine gewiſſe Vorarbeit bereits in die oberen Klaſſen der Realſchule zu verlegen, indem 1) in den fremden Sprachen Lehr⸗ und Über⸗ ſetzungsbücher eingeführt werden, deren Inhalt geeignet iſt, den für die kaufmänniſche Korreſpondenz nötigen Wortſchatz zu bereichern, 2) in Geſchichte, Geographie, Chemie, die handelsgeſchichte bezw. Handelsgeographie und die chemiſche Technologie beſonders betont werden, 3) das bürgerliche und kaufmänniſche Rechnen auch in den Ober⸗Klaſſen weiter geführt wird. Die Statiſtik hat ergeben, daß 60% der mit der Berechtigung zum einjährigen Militärdienſt aus der Realſchule abgehenden Schüler ſich dem kaufmänniſchen Beruf widmet. Da die Realſchule alle Klaſſen doppelt hat, ſo ſollen in den Oberklaſſen der einen Schulhälfte diejenigen Schüler vereinigt werden, welche ſich dem kauf⸗ männiſchen oder einem andern gewerblichen Beruf zuwenden wollen. Dieſe ſollen nach dem etwas modifizierten Lehrplan unterrichtet werden. Übertritte ſind natürlich geſtattet.

Dieſer Plan iſt auch zur Ausführung gekommen.

Man ſieht aus dem Miitgeteilten, daß nichts verſäumt worden iſt, um die Höhere Handelsſchule zu fördern. Wenn trotzdem die Schülerzahl eine ſehr geringe iſt, ſo liegt wohl der Grund in den ſchlechten Lokalitäten und in den Schwierigkeiten, mit denen jede neue Schule zu kämpfen hat. Es iſt deshalb wohl zu hoffen, daß die Höhere Handelsſchule, die nach der Trennung mit der neuen Oberrealſchule verbunden werden ſoll, doch noch zur Blüte gelangt.

VII. Die Errichtung der Oberrealſchule.

Uaum war die höhere Handelsſchule ins Leben getreten, ſo tauchte der Plan auf, die hieſige Realſchule in eine Oberrealſchule zu verwandeln. In Preußen hatte man ſchon in den ſiebziger Jahren des 19. Jahrhunderts Oberrealſchulen errichtet, während im Großherzogtum heſſen erſt neuer⸗ dings Realſchulen in Oberrealſchulen umgewandelt wurden. Die Errichtung von Oberrealſchulen bedeutet einen weiteren Schritt auf der Bahn, die man mit der Gründung von Realgymnaſien betreten hatte. Dieſes erſcheint, wie wir geſehen, als ein Kompromiß zwiſchen Gymnaſium und Realſchule. Jetzt geht man weiter: Man entfernt den lateiniſchen Unterricht und gewinnt dadurch Heit, um andere Fächer(neuere Sprachen, Mathematik und Maturwiſſenſchaften) intenſiver zu betreiben. Die Reifeprüfung der Oberrealſchule berechtigt bis jetzt im Großherzogtum Heſſen nur zum Studium der Mathematik, Maturwiſſenſchaften und techniſcher Fächer, während in Preußen die geſamte philo⸗ ſophiſche Fakultät und die Jurisprudenz den Abiturienten der Oberrealſchule geöffnet iſt. Es iſt aber wohl unzweifelhaft, daß in abſehbarer Zeit alle 9 klaſſigen Schulen(Gymnaſium, Realgymnaſium und Oberrealſchule) dieſelben Berechtigungen erhalten, dann wird der Zuzug auch zu den oberen Klaſſen der Oberrealſchule bedeutend zunehmen.

Im Anſchluß an die oben erwähnte Beſichtigung der Anſtalt durch Herrn Geh. Oberſchulrat Nodnagel fand(15. 10. 1890) eine Beſprechung mit Herrn Oberbürgermeiſter Gaßner ſtatt, betreffend die Erweiterung der Realſchule zu einer Oberrealſchule. In dem Programm 1000 findet ſich eine Bekanntmachung, die auf die Erweiterung der Realſchule zu einer Oberrealſchule hinweiſt. Mit der Umwandlung wurde mit Beginn des neuen Schuljahres 1900/1001 begonnen. Dieſe Umwandlung geſchah in der Weiſe, daß in dieſem Schuljahr zunächſt auf der 1. Klaſſe(Ober⸗Sekunda) der Real⸗