Aufsatz 
Geschichte der Mainzer Realschule (Realschule, Realgymnasium, Höhere Handelsschule, Oberrealschule) / von Karl Beck
Entstehung
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tragen mehrere Standarten mit den umkränzten Namen von Uhland, Körner, Arndt und Jahn, ſowie die Embleme der Wiſſenſchaft, des handels, des Ackerbaues und der Gewerbe. Bei der Auf⸗ führung der Feſtgeſänge wirkten 50 Schüler mit.

Ferner beteiligte ſich die Realſchule bei dem Einzug des Großherzogs Ludwigs III.(28. 4. 1865) und des Kaiſers von Goſterreich(21. 8. 1863). Sodann wurde der Gedächtnistag der vor 50 Jahren geſchlagenen Völkerſchlacht bei Leipzig feſtlich begangen. Die feſtlich gekleidete Schuljugend wurde in dem geſchmückten Saale verſammelt und mit dem GeſangGroßer Gott wir loben dich die Feier eröffnet. Der Direktor gab dann in längerem Vortrage, unter Benutzung von Karten und Schlachtplänen, eine geſchichtliche Darſtellung der denkwürdigen Heiten und Tage und ermahnte zur Machfolge der damals bewährten Tugend und Vaterlandsliebe. An geeigneten Stellen wurden Lieder von Körner geſungen.

Als die Realſchule im Jahre 1861, vom Jahre 1836 an gerechnet, auf einen 25 jährigen Be⸗ ſtand zurückblicken konnte, ſah der Direktor zwar von einer Schulfeier ab, in der hHoffnung, daß dies nach 25 Jahren geſchehen werde, gab aber in einer Schulrede einen kurzen Rückblick auf die Ge⸗ ſchichte der Schule. Aus dieſem Rückblick intereſſiert uns folgende Stelle: Schödler begrüßt es mit Freuden, daß die obere Leitung in die Hände der höheren Unterrichtsbehörde gelegt war. Dadurch blieb die Realſchule vor allzu einſeitigen, örtlichen Einflüſſen befreit. Die Behörde beſtimmte zwar i. a. die Aufgaben des Realunterrichts, allein ſie geſtattete in der Ausführung doch hinreichende Freiheit, damit das praktiſche Bedürfnis zur Geltung gelangen konnte. Die Schule blieb verſchont von ſo manchen Edikten, Regulativen und Experimenten, die anderwärts die Schulen nach Schablonen einrichteten und die Entwicklung der neuen Anſtalten nicht ſelten mehr hemmten als förderten. Die Realſchule entbehrt mancher Vergünſtigungen, die z. B. in Preußen der Realſchule zuteil geworden ſind, indem dort mit der beſtandenen Prüfung für den austretenden Schüler mehrfache Vorteile und Berechtigungen verknüpft ſind; dafür werden aber auch an jene Anſtalten Bedingungen geſtellt und ihnen Aufgaben zugewieſen, die nicht immer im Sinne der Mehrheit der Beſucher ſind, z. B. in bezug auf den lateiniſchen Unterricht. Dieſer Umſtand iſt bei der Beurteilung der Leiſtungen einer Realſchule wohl zu berückſichtigen. In dem Großherzogtum heſſen läßt die Regierung den einzelnen Anſtalten größere Freiheiten in der Aufſtellung des Lehrplans.

Im übrigen beſchäftigten den Direktor gerade in dieſer Zeit ernſte Sorgen; aber er ſtand überall auf dem Plan und verſtand es, energiſch ſeine Ideen zur Geltung zu bringen. Er bemühte ſich zunächſt, Übelſtände im Innern, ſoweit es in ſeiner Kraft ſtand, zu beſeitigen. Dann machten ihm die Privatſchulen große Schmerzen. Dieſe können etwas leiſten, weil Staatslehrer Unterricht er⸗ teilen, ſie vertreten zugleich die Stelle von Vorſchulen. Die Leiter ſuchen die Kinder über das zehnte Jahr dort zu halten; gerade der beſſere Bürgerſtand ſchickt ſeine Söhne in die Vorſchulen. Dieſem Übelſtande kann abgeholfen werden durch Errichtung von ſtaatlichen Vorſchulen, event. kann ſtaat⸗ lichen Lehrern verboten werden, Unterricht an Privatſchulen zu erteilen.

Was hier Schödler vorſchlug, um die Konkurrenz der Privatſchulen zu beſeitigen, iſt ſpäter zur Ausführung gekommen. Und in der Tat erſcheinen ſeitdem die Privatſchulen nicht mehr als Kon⸗ kurrenzanſtalten neben der Realſchule.

Sine andere Konkurrenzanſtalt wurde im Jahre 1865 von der Mainzer Handelskammer ge⸗ fordert, eine handelslehranſtalt. In dem Programm 1865 nimmt Schödler dagegen Stellung: Eine ſolche Handelslehranſtalt iſt gar nicht nötig. Er glaubt, daß der Bildungsgang der Mainzer Real⸗ ſchule an Gehalt und Umfang der kaufmänniſchen Vorbildung vollkommen genügt. Ausführlicher ſpricht er ſich darüber aus in einer Rede, die er nach Schluß des Schuljahres hielt unter dem Titel:

Die Bildung des Kaufmanns(veröffentlicht im Programm 1866). Er weiſt darauf hin, daß gerade

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