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Redner beſpricht ſodann die Frage, ob Latein in die Realſchule gehére d Er iſt dagegen. „Die große, bildende Uraft, welche ſo unverkennbar und unbeſtritten im Kultus der alten Sprachen liegt, erreicht dieſe Wirkungen nur bei voller hingabe an dieſelbe; ein bischen Latein iſt gerade ſo viel wie ein bischen Mathematik.“
Wie ſtand es überhaupt damals mit dem Latein⸗Unterricht in der Realſchuled Nach Linde (Überſicht des geſamten Unterrichtsweſens im Großherzogtum Heſſen, beſonders nach dem Jahre 1829) erſcheinen in den Realſchulen Engliſch und Lateiniſch als außerordentliche Lehrfächer, dieſes in Klaſſe 3— 1, jenes in Ulaſſe 2— 1. Wer eine gewiſſe Kenntnis der lateiniſchen Sprache in ſeinem künftigen Berufe(der Apotheker z. B.) oder zu künftigen Studien bedarf, iſt deshalb vom Engliſchen dispenſiert und kann dies ſpäter nach etwaiger Meigung erlernen. Wer dagegen das Engliſche vorausſichtlich braucht, z. B. der Kaufmann und Fabrikant, wird das Latein entbehren können, ſo daß nur in ſeltenen Fällen ein Schüler beide Sprachen neben dem Franzöſiſchen zu treiben hat. Der Zweck des Latein⸗Unterrichts iſt nicht, es ſchreiben, ſondern nur verſtehen zu lernen Soweit Linde.
Niemand wird im Ernſt glauben, daß ein Schüler in 3 Jahren bei verhältnismäßig wenig Stunden Lateiniſch verſtehen lernt? Da erſcheint der Standpunkt Schödlers viel konſequenter, der das Latein aus der Realſchule überhaupt verbannen will. Tatſächlich iſt ſeit dem Jahre 1855 viele Jahre lang an der Realſchule in Mainz kein Unterricht im Lateiniſchen erteilt worden. Der lateiniſche Unterricht läßt ſich nur an Realſchulen in ſolchen Orten rechtfertigen, in denen kein Gymnaſium oder Realgymnaſium beſteht. Warum ſollte alſo an der Realſchule in Mainz lateiniſcher Unterricht erteilt werden?—
Übrigens wurde die Tätigkeit Schödlers ſchon frühzeitig anerkannt. Im Jahre 1856 brachte die„Mainzer Zeitung“ jeinen ſehr anerkennenden Artikel über Schödler, er wird hauptſächlich als Mann der Naturwiſſenſchaften gefeiert, während in Preußen dieſelben ſehr vernachläſſigt wurden. „In Preußen iſt unlängſt eine Verordnung erſchienen, daß bei den an den Gymnaſien ſtattfindenden Abgangsprüfungen das Eramen in der Phyſik wegfallen und in der Maturgeſchichte der Unterricht nur erteilt werden ſollte, wo zufällig ein geeigneter Lehrer dazu anweſend ſei.....
Die Maturwiſſenſchaft ſcheint denn doch ein gar gefährlicher Dämon im Kopfe der Völker zu ſein; ſie wird gefährlich übrigens nur den Beſtrebungen jenes unnahbaren Dualismus, des Sgoismus und Wahnglaubens; Grund genug, ihr allmählich jeden Haltpunkt im Volk zu entziehen. Die Realſchule in Mainz hat bewieſen, wie ſehr es möglich und notwendig iſt, die Kultur der Matur⸗ wiſſenſchaften mit der ſorgſamſten Pflege der Religion und Sitte zu vereinen.“—
Am 10. November 1850 beteiligte ſich die Realſchule an der allgemeinen Schillerfeier. Sämtliche Lehrer in feſtlicher Amtstracht verſammelten ſich mit den Schülern im geſchmückten Lokale, in welchem die lorbeerbekränzte Büſte Schillers aufgeſtellt war. Geſänge wechſelten mit Vorträgen aus den Werken des Dichters, deſſen Verherrlichung noch insbeſondere durch ein an Form und Inhalt entſprechendes Feſtgedicht des Kollegen Schumacher auf das gelungenſte ausgeſprochen wurde, worauf Kollege Sparſchuh in eindrucksvollem Vortrag das Leben des Dichters und das Weſen ſeiner Werke den Schülern darlegte. Auch wurde zur Erinnerung an dieſen Tag ein Gedenkblatt an alle Angehörigen der Anſtalt verteilt.
Ebenſo beteiligte ſich die Realſchule an der Enthüllung des Schillerdenkmals am 18. Oktober 1862. 260 Schüler, ſämtlich mit rot⸗weißen Schärpen geſchmückt, in 9 Zügen geordnet, reihten ſich unter Führung der Lehrer nach den Stadtſchulen ein, mit einer Muſikbande an der Spitze und einer reich⸗verzierten hauptfahne, welche den Namen„Schiller“ mit Goldſchrift im Lorbeerkranz und andererſeits das allegoriſche Bild der Moguntia führte. Den Zügen voran wurden abwechſelnd ge⸗


