6 Abhülfe ſo großer Mißſtände zu denken. Der Gemeinderat ſieht den Grund: 1) in den Remunera⸗ tionen der Lehrer aus Überſchüſſen des Schulgeldes, 2) in der mangelhaften Oberleitung.
Deshalb macht der Stadtvorſtand der Schulbehörde den Vorſchlag: die Realſchule von Mainz durch hinwegräumung der hHinderniſſe, welche dermalen ihre Wirkſamkeit lähmen, vor allem durch Wiederherſtellung des urſprünglichen Schulplanes(das ſoll wohl heißen: durch Abſchaffung der Vorbereitungsklaſſen) und durch Beſeitigung der Gehalts⸗Verbeſſerungen auf dem Wege der aus dem Schulgeld zu beziehenden Remunerationen dem bei ihrer Gründung und Erweiterung beabſichtigten Zweck wieder zu geben und hiermit zugleich dem durch die Abnahme der Leiſtungen ſeiner Schule gefährdeten Huſtand des Gymnaſiums und der niederen Schulen abhelfende Aufmerkſamkeit zu⸗ wenden zu wollen.“
Wenn der Stadtvorſtand von Mainz, dem doch, wie er ſelbſt bedauert, kein Sinfluß auf die Realſchule zuſteht, ſich veranlaßt ſieht, in dieſer Weiſe bei dem Miniſterium vorſtellig zu werden, ſo müſſen in der Tat die Zuſtände höchſt traurig geweſen ſein. Doch, könnte man fragen, hat denn die Kegierung dieſe Zuſtände ruhig gehen laſſen, ohne einzugreifend Die Regierung hatte ſchon vorher eingegriffen, wie wir denn gehört haben, daß Direktor Noll aus einem Peiſitationsbericht einiges im Programm 1853 mitteilte. Zur Ergänzung muß aus dem betreffenden Bericht folgendes hinzugefügt werden: Durch Verfügung vom 17. 12. 1851 wurde der Gymnaſiallehrer in Worms, Dr. Schödler, beauftragt, gemeinſam mit dem Direktor der Gewerbeſchule in Darmſtadt, Dr. Külp, und unter Aſſiſtenz des Großh. Regierungsrates Schmitt eine Inſpektion der Mainzer Realſchule vor⸗ zunehmen. Dieſelbe fand im Januar 1852 ſtatt. Aus den Viſitationsberichten geht hervor, daß der ſittliche Suſtand der Schüler gut, die Lehrer im allgemeinen fleißig ſind, aber die Leiſtungen im Deutſchen in der erſten Klaſſe ſind„mangelhaft“.
Wir ſehen alſo, daß Herr Direktor Noll in dem Programm des Jahres 1853 nur die für die Anſtalt günſtigen Stellen aus dem VDiſitationsbericht angeführt hat. Der Zuſammenhang iſt nun klar: Weil in dem Zuſtand der Realſchule ein Rückgang eingetreten war, oroͤnete die Regierung eine Inſpektion an, die im Januar 1852 vorgenommen wurde. Aber offenbar wurden die Zuſtände nicht beſſer, deshalb wandte ſich der Stadtrat im Juli 1854 mit der Bitte um Abhülfe an die Regierung. Der Erfolg war, daß durch Dekret vom 9. 10. 1854 Direktor Noll penſioniert und der Gymnaſiallehrer zu Worms, Dr. Friedrich Schödler, zum Direktor der Realſchule ernannt wurde.
IIIl. Vom Jahre 1854 bis zur Entſtehung des Kealgumnaſiumß.
Mit dem Dienſteintritt Schödlers beginnt die Beſſerung der traurigen Zuſtände an der Mainzer Realſchule. Schödler hat ſofort erkannt, wo die helfende Hand anzulegen ſei. Schon am 26. 12. 1854 erſtattete er einen ausführlichen Bericht an die Oberſtudien⸗Direktion, aus dem ich folgendes anführe:
Von dem Gemeinderat ſoll verlangt werden: die Garantie der Remunerationen im Geſamtbetrag von 90000 fl. Die früheren Remunerationen ſollen in ſtändige verwandelt werden. Es werden für die einzelnen Lehrer beſtimmte Vorſchläge gemacht. Der Gehalt des Direktors ſoll feſtgeſetzt werden auf 1600 fl., der des älteſten Lehrers auf 1400 fl. Die Lehrer ſollen außer den ſtändigen Remunerationen Gehaltsaufbeſſerungen erhalten. Der Gemeinderat ſoll hierzu einen ſtändigen Zuſchuß von 800 fl. geben. Ferner verlangt Schödler die Aufhebung der Boudinſchen Schule. Es war dies eine Konkurrenz⸗Anſtalt, die von 70 Schülern namentlich aus beſſeren Kreiſen beſucht wurde. Boudin ſei damit einverſtanden, wenn er an der Realſchule angeſtellt werde. Ferner will Schödler einen fortbildenden Abend⸗Unterricht einrichten, wozu die Stadt das Lokal ſtellen ſoll. Schödler iſt, wie aus


