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Realſchule gebilligt werde; der Stadtrat bat zugleich die Staatsregierung um einen weiteren Huſchuß aus Staatsmitteln, der auch am 27. 4. 1844 gewährt wurde. Dieſer Fortbildungskurſus wurde am 1. 9. 1844 eröffnet für Schüler, welche die erſte Klaſſe abſolviert hatten, nicht minder für junge Leute, welche ſich die nötigen Vorkenntniſſe anderwärts erworben hatten. Unterrichtsfächer waren: Darſtellende Geometrie 4 Stunden, Statik 2 Stunden, Techniſche Chemie 2 Stunden, Allgemeine Technologie 2 Stunden. In dieſer Fortbildungsklaſſe waren im erſten Jahr(vergl. Programm 1845) 9 Schüler(8 aus Mainz, 1 aus Baſel). Da im Laufe der Zeit eine Überfüllung der vierten (Vorbereitungs⸗) Klaſſe eingetreten war(ſie zählte 90 Schüler), ſo erklärt es ſich, daß im Jahre 1840 eine Parallelklaſſe zu dieſer Klaſſe errichtet ward. Wie dieſe Überfüllung gerade der vierten(Vor⸗ bereitungs⸗) Klaſſe zu erklären iſt, werden wir ſpäter ſehen. In dem Programm des Jahres 1848 macht Direktor Noll den Vorſchlag, die dritte und vierte Klaſſe nach der Befähigung der Schüler zu trennen, ſo daß man alſo je eine Ober⸗ und Unter⸗Abteilung erhält. Der Direktor hofft auf dieſe Weiſe zu einer ſechsklaſſigen Realſchule zu kommen, die tatſächlich vom Jahr 1849 an durch⸗ geführt war.
„Gu jetziger Zeit iſt es doppelt Pflicht für jeden, daß er in ſeiner Stellung alles tue, um den Anforderungen der gewaltig voranſchreitenden Heit zu genügen; und unſerer Realſchule ward ja insbeſondere in den jüngſten Tagen hierzu die ehrenvollſte Aufforderung in den Worten, welche vor unſerem verehrten Erbgroßherzog(dem ſpäteren Großherzog Ludwig III.) der bürgerfreundliche Miniſter von Gagern an uns richtete: daß bei einer freiſinnigen Regierung und einem freiſinnigen Volke das Inſtitut der Realſchule von größter Wichtigkeit ſei und alle Fürſorge der Regierung verdiene.“ Aus dieſen Worten erkennen wir den günſtigen Einfluß, den die Beſtrebungen des Jahres 1848 auf das Realſchulweſen ausübten. Zum erſtenmal wird in dem Programm des Jahres 1848 auch der Curnunterricht erwähnt:„Herr Mämpel leitete in wenigſtens 4 Stunden wöchentlich die ge⸗ regelten Übungen der Schüler auf dem großen Turnplatz vor dem Münſtertore, im Winterhalbjahre in der Fruchthalle in ſehr befriedigender Weiſe.“ Seit dem Jahre 1849 wurden für jede Alaſſe 2 Turnſtunden angeſetzt; dieſer Unterricht konnte aber nur bis zum Eintritt der ſchlechten Jahreszeit fortgeſetzt werden, da die Schule noch keine eigene Turnhalle beſaß.
Doch der Einfluß des Jahres 1848 machte ſich im heſſiſchen Schulweſen und ſpeziell auch an der Mainzer Realſchule noch in anderer Weiſe geltend. Am 6. Oktober 1848 ſchrieben zwei Real⸗ lehrer einen Brief an den Senior des Kollegiums der Realſchule in Mainz folgenden Inhalts!„Nach einem Ausſchreiben vom 22. September d. J.(im Regierungsblatt und in der Darmſtädter Zeitung) will die Regierung durch eine Kommiſſion das Schulweſen des Landes umgeſtalten. Offizieller Er⸗ klärung zufolge iſt es Abſicht der Kegierung, über die Geſtaltung der Realſchule die Reallehrer zu hören. Um eintretenden Falles bereit zu ſein, die Regierung in ihrem Streben kräftig unterſtützen zu können, iſt es höchſte Zeit, daß die Reallehrer des Großherzogtums ſich über ihre Anſichten, Be⸗ dürfniſſe, Wünſche ꝛc. gemeinſam verſtändigen, damit nicht etwa ganz auseinandergehende oder gar einander widerſtrebende Anſichten nach oben zum Vortrag kämen und die Sache dadurch mehr ge⸗ hindert als gefördert würde.
Deshalb erlauben ſich die Unterzeichneten, ihre Herren Uollegen zu einer Zuſammenkunft im Gelben Haus bei Oppenheim auf Sonntag den 15. Oktober 10 Uhr höflichſt einzuladen und erſuchen Sie insbeſondere, dieſe Sinladung den Kollegen in Mainz mitzuteilen und dieſelben, wo möglich, zu beſtimmen, der Verſammlung beizuwohnen oder doch wenigſtens ihre vorher heſprochenen Anſichten durch Abgeoroͤnete dort vertreten zu laſſen.“
Was nun im einzelnen im Gelben haus beſchloſſen wurde, wiſſen wir nicht. Es wurde eine Redaktions⸗Kommiſſion ernannt, die eine Adreſſe an das Großh. Miniſterium aufſetzen ſollte. Dieſe


