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ins Leben tretende Realſchule und deren Gedeihen maßgebende Erfahrung gemacht haben werde. Der Gemeinderat wendet ſich darauf am 23. 12. 1826 in einer Petition an die Regierung: Man möge auf dieſer abermaligen ins Unbeſtimmte hinaus reichenden Verzögerung nicht beſtehen und die Ein⸗ richtung der Schule geſtatten. Trotzdem ward erſt am 25. 4. 1831 die Eröffnung der neu⸗organiſierten Realſchule möglich. Die Schule ſtand unter der Aufſicht einer Schulkommiſſion. Aus dieſer rein ſtädtiſchen Realſchule hat ſich dann die Großh. Provinzial⸗Realſchule entwickelt. Im Jahre 1834 richteten beide Kammern der Stände eine Petition an die Regierung, worin ſie um die Einrichtung von 3 Provinzial⸗Realſchulen in Darmſtadt, Mainz und Gießen baten. Infolge der gewährenden Entſcheidung der Regierung teilte am 25. 1. 1835 der Oberſchulrat der Bürgermeiſterei in Mainz mit, daß zur Erweiterung der beſtehenden ſtädtiſchen Realſchule und zu ihrer Umwandlung in eine Provinzial⸗Realſchule der Staat jährlich einen Huſchuß von 3000 fl. gewähre unter der Bedingung, daß die Stadt ſich ebenfalls zur Hahlung von jährlich 3000 fl. verpflichte zu dem Zwecke der Erweiterung und Verbeſſerung des Inſtituts, welches, für den Unterricht von Anaben zwiſchen 10 und 16 Jahren beſtimmt, zu ſeinen bisherigen 3 Klaſſen noch eine vierte erhalten ſolle. Das Schulgeld war auf 12 fl. beſtimmt; etwaige Überſchüſſe ſollten unter die Lehrer verteilt werden, deren Gehalte ſo gering ſeien, daß ihre Erhöhung im Intereſſe der Erwerbung und Erhaltung tüchtiger Lehrkräfte höchſt wünſchenswert erſcheine. Es wurde auch der Wunſch ausgeſprochen, daß der Direktor tunlichſt bald eine Wohnung in der Schule erhalte.(Dieſer Wunſch iſt erſt im Jahre 1879 in Erfüllung gegangen.) Am 14. 2. 1835 beſchließt der Gemeinderat nach den Vorſchlägen der Regierung und fügt die Bitte bei, die Lehrer auch für die moraliſche Erziehung der Unaben zu verpflichten und dem Stadtvorſtand in ähnlicher Weiſe wie früher Teilnahme an der Aufſicht über das Inſtitut zu gewähren. Dieſe Mitaufſicht über die Schule wurde dem Stadtrat(laut Verfügung der Oberſchulbehörde vom 3. 11. 1836) nicht zugeſtanden. Am 29. 4. 1835 wurde in dem Gemeinderat der letzte Beſchluß in betreff der Gründung gefaßt und am I. 6. 1830 wurde die Realſchule feierlich eröffnet; ſie wurde der Leitung eines beſonderen Direktors, Philipp Noll, unterſtellt und zählte bei der Eröffnung 217 Schüler.
II. Von der Errichtung der Provinzial⸗Kealſchule bis zum Jahre 1854.
Die Realſchule hatte bei ihrer Eröffnung 3 Klaſſen für Schüler von 12—15 Jahren. Aber ſchon aus dem Programm des Jahres 1837 erſehen wir, daß eine Erweiterung eingetreten iſt: Es war eine Vorbereitungs⸗(vierte) Klaſſe für Knaben von 10—12 Jahren errichtet worden. Darin ſollten die Knaben, die aus den verſchiedenſten Schulen kommen, harmoniſch und zweckmäßig für die Realſchule vorbereitet werden.
Bei der Eröffnung der Realſchule war die Zahl der evangeliſchen Schüler noch ſo gering, daß kein beſonderer Religionslehrer angeſtellt werden konnte; doch ſchon im Jahre 1837 wurden die evangeliſchen Schüler in der Anſtalt unterrichtet von dem Pfarrer(ſpäteren Prälaten) Schmitt.— Aus dem Programm des Jahres 1837 iſt zu entnehmen, daß auch ſchon ein fakultativer Latein⸗ Unterricht eingerichtet wurde, zweimal wöchentlich 1 ½ Stunden, aber nur im Winter. Daß dabei nichts herauskommen konnte, liegt auf der Hand. Im Jahre 1850 beantragte Direktor Noll beim Stadtrat die Bildung einer höheren Klaſſe unter dem Namen Fortbildungsſchule zur höheren Ausbildung für den Kaufmanns⸗ und Gewerbeſtand und verlangte von der Stadt eine Garantie von 2000 fl. Schulgeld. Am 8. 4. 1845 wurden dieſe Anträge vom Stadtrat angenommen unter der Bedingung, daß die Fortbildungsklaſſe von der Regierung als integrierender Teil der


