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kommt noch folgende Stelle vor: Die Konföderation dürfe keine Gesandten an fremde Höfe absenden oder empfangen. Auch diese Bestimmung finden wir in allen späteren Entwürfen wieder.
Es fragt sich, wie diese Stelle in die Depesche gekommen ist. Nach Beaulieu ¹) habe Napoleon ursprünglich die Absicht gehabt, eine Erklärung nach Frankfurt zu richten, in welcher die 3 Punkte(Unverletzlichkeit des Gebiets, Verbot des Durchmarschs fremder Truppen, Nicht- Zulassung von Gesandten) vorkamen; später habe Napoleon einer gesandtschaftlichen Note den Vorzug gegeben. Demnach muss Talleyrand von dieser ursprünglich beabsichtigten Deklaration Kenntnis gehabt haben.—
Am 29. August 1806 richtete Napoleon ein Schreiben an die Bundes-Versammlung in Frank- furt, durch welches er M. Bacher zu seinem Geschäftsträger bei der Versammlung ernannte.²) Am Schlusse dieses Schreibens versichert Napoleon dieselbe seines Wohlwollens und bittet den Mit- teilungen seines Geschäftsträgers vollen Glauben zu schenken.
Der Fürst Primas aber liess infolge der ihm von Paris zugegangenen Weisungen am 13. September eine Zirkular-Note an die Verbündeten ergehen. ³⁵) Zunächst zeigt er an, dass sein be- vollmächtigter Minister von Albini sich zu Anfang September nach Frankfurt begeben habe, um in seinem Namen die Eröffnung des Bundestags vorzubereiten. Da aber der Bundes-Vertrag diese Frist zum Vorschlage eines Grundgesetzes bestimme, so werde die Eröffnung der Sitzungen von der Ankunft der Bevollmächtigten abhängen. Er sehe es als die erste Pflicht seiner Würde an, nur das in Vorschlag zu bringen, was mit der voll- kommenen Unabhängigkeit der verbündeten Souveräne vereinbar sei.
Der Zweck des Bundes sei, den Völkern Ruhe und Sicherheit zu verschaffen und die Souveräne in den Stand zu setzen, sich in ununterbrochenem Fortschreiten mit der allgemeinen Glückseligkeit ihrer Staaten zu beschäftigen, das Gedeihen der Städte und des Landes durch die aufgeklärte Sorgfalt einer weisen und väterlichen Regierung und durch Ermunterung nützlicher Künste und Wissenschaften zu befördern.
Das südliche Deutschland müsse, nach Jahrhunderten von Unglücksfällen, Unruhen und Kriegen, sehnlichst verlangen, dass seine innere Ruhe auf eine unzerstörbare Weise befestigt werde. Nunmehr legt Dalberg die Punkte, auf die Napoleon Wert legt, den Verbündeten zur Prüfung vor und meint, es sei mit ihrer Würde und Souveränität nicht vereinbar, sie anders als im Sinne Napoleons zu entscheiden.
So waren jetzt also aller Augen nach Frankfurt gerichtet, wo in den nächsten Tagen die Bundes-Versammlung zusammentreten sollte.
Wir Nachgeborenen sind geneigt zu glauben, dass es weder Napoleon noch dem Fürsten Primas mit der Berufung dieser Versammlung ernst gewesen sei, ja dass selbst in Deutschland niemand ernstlich an das Znstandekommen dieser Versammlung oder ein gedeihliches Wirken der- selben geglaubt habe. Diese letztere Ansicht wird widerlegt, wenn wir namentlich die ersten Bände der zur Zeit des Rheinbunds periodisch erscheinenden Zeitschrift„Der Rheinische Bund“ durchblättern. Von den verschiedendsten Seiten werden Vorschläge über die Punkte gemacht,
¹) I. c. Bd. 2, p. 105.
²) Ebersteins Nachlass 26, I, 16. In der Beilage I werde ich das bis jetzt noch nicht veröffentlichte
Schreiben Napoleons vollständig mitteilen. ³) Abgedruckt bei Beaulieu: I. c. Bd. 2, p. 106 f.


