Aufsatz 
Zur Verfassungsgeschichte des Rheinbundes
Entstehung
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Ich hatte den Vortheil, während unseres Aufenthalts in Fontainebleau(September und Oktober 1807) eine bald in französischer bald in italienischer Sprache geführte Unterredung des Kaisers mit dem Kardinal Fesch, mit dem Erzbischof von Turin, dem Bischof von Versailles und einigen andern Herrn zuzuhören und dabei kaum zwei Schritte vom Kaiser entfernt zu sein, welche ausserordentlich merkwürdig war, und die ich um vieles nicht hätte versäumen mögen.

An einem Sonntage, nach dem Concert bei der Kaiserin, hatte sich der Hof in die Spiel- zimmer begeben, und die Kaiserin sass am Spiele mit dem Fürsten Primas und einigen andern Herrn.

Der Kaiser ging in einer ziemlich lebhaften Unterredung mit dem Polizey-Minister Fouché auf und ab; endlich rief er den wenig entfernten Cardinal Fesch zu sich und fragte;Cu'est ce donc que cette histoire qui s'est passée dans votre diocèse?(Es hatte nemlich die Klerisei einen im Rufe der Heterodoxie Gestorbenen auf dem Gottesacker ausgraben lassen wollen.) Der Cardinal entschuldigte die Sache sehr bescheiden....

Er warf ihm ferner vor, in Warschau seine signature für einige weder mit der Kranken- pflege noch mit der Erziehung der Jugend sich abgebende Nonnenklöster erschlichen zu haben: unter jenem trügerischen Namen verkappte Jesuiten zu hegen u. s. W.Je suis assez grand prince et assez riche, setzte er hinzu, pour donner ce qu'il faut pour L'instruction et"' éducation publique; mais je veuæ, que l'on me soumette les plans: je les ferai examiner, Sen ferai faire le rapport au conseil d' Etat et je déciderai. Mais je vous préviens, que, si vous faites la moindre chose à mon insgu et contre ma volonté, je renverserai d'un trait de plume tout ce que vous durez fait dans des années entièeres. Je veuæx, que vous chassiez tous ces prétres perturbateurs, et si vous ne le faites pas, je les ferai déporter par la police.« Als der Cardinal sich möglichst entschuldigte und diese Leute sogleich zu entfernen versprach, fing nun der Kaiser an(und diese Scene dauerte gute 1 ½ Stunden) mit grosser Geschichts-Kenntnis und vielem Scharfsinn den Nachtheil zu schildern, welchen die Jesuiten allen Reichen gebracht hätten und noch brächten: Wie sie den päpstlichen Stuhl ins Verderben stürzten und überall intriguirten, worüber er die Beweise durch aufgefangene Briefe mit dem römischen Hofe in Händen habe. Er schilderte die unendliche List des römischen Hofes und die verrätherische Politik desselben durch alle Jahr- hunderte und verbreitete sich auf die fortwährende Blindheit desselben, indem er noch heute die nemlichen Grundsätze aufrechthalten und vertheidigen wolle, welche er seit den Zeiten Gregors VII. in Umlauf gebracht habe. Er appuirte vorzüglich darauf, dass der römische Hof lauter Italiener oder Bischöfe aus dem Kirchenstaat zu Cardinälen haben und so wenig als möglich andere Nationen zulassen wolle; da doch der Kirchenstaat der kleinste Theil der Christenheit sei.Ich will, fügte er hinzu, dass alle Nationen ihre Cardinäle haben, und ich begehre für Frankreich den dritten Theil des ganzen Cardinal-Collegiums.