Aufsatz 
Zur Verfassungsgeschichte des Rheinbundes
Entstehung
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5 nachdrücklich und mit Erfolg im Jahre 1805 geweigert, französische Truppen in das durch den. Reichs-Deputations-Hauptschluss als neutral anerkannte Regensburg aufzunehmen; deshalb musste er sich von Napoleon die heftigsten Vorwürfe gefallen lassen, als er nach der Schlacht bei Austerlitz gerufen ward, um am 13. Januar 1806 in München Eugen, den Vize-König von Italien, mit der Tochter des Königs von Bayern zu trauen. Deshalb forderte Dalberg in einem(vom 19. April 1806) datierten Schreiben, welches wahrscheinlich an Herrn von Hedouville, französischen Gesandten in Regensburg, gerichtet war, Napoleon zur Regeneration der deutschen Reichs-Verfassung auf. Zugleich richtete er einige Worte unmittelbar an Napoleon.

Dalberg begehrte in beiden Schreiben mit deutlichen Worten eine Verbindung der deutschen- Fürsten, welche Oesterreich und Preussen ausschliessen und Napoleon zum Schützer und Herr haben sollte. ¹)*

Sobald sich in Deutschland das Gerücht verbreitet hatte, dass Napoleon wieder Veränderungen in Deutschland vorzunehmen gedenke, drängten sich die Abgesandten der deutschen Fürsten an den französischen Hof und bettelten um Länder. Mit den kleineren Staaten liess sich Napoleon in keine Unterhandlungen ein; sie durften sich glücklich schätzen, wenn sie dem neuen Bunde beitreten durften; mit den Gesandten der drei grösseren Staaten, Bayern, Würtemberg und Baden, die damals Napoleon einen Entwurf überreicht haben sollen, liess er dagegen einige Fragen besprechen. ²)

Ausser Talleyrand bemühte sich hauptsächlich der französische Minister La Besnardière um das Zustandekommen der Rheinbunds-Akte, der wiederum den damals achtzigjährigen Pfeffel, welcher vor einem Menschenalter in Zweibrücken und Versailles in deutschen Angelegenheiten gebraucht worden war, um Rat fragte. Gagern, damals nassauischer Gesandte in Paris, berichtet darüber folgendes: ³)Da Herr La Besnardière deutschen komplizierten Sachen damals wenig kundig war, kam er zu diesem erfahrenen Greis, sich Rats zu erholen; sehr manche Kapitel, insbesondere die schonendsten der Rheinischen Bundes-Akte, sind in Pfeffel's enger Kammer vollendet worden, welche ich oft durch die Hinterthüre verliess, wenn Herr La Besnardière gemeldet wurde. Von Pfeffel's Hand besitze ich noch das Billet, das erste Geschriebene, was über den Rheinbund zum Vorschein gekommen ist, so glaubhaft und halb-offiziell, und darin sowohl als überhaupt von ihm auf das genaueste beraten, was zu thun und zu lassen sei. Der Bund ist hier noch weiter gefasst: Die Könige von Holland, von Neapel und Italien sind Mitglieder der Konföderation. Es finden sich hier aber schon die Hauptpunkte der Rheinbunds-Akte: Auflösung des deutschen Reichs, Konföderation unter Frankreichs Protektorat, Mediatisierung, Bundestag in Frankfurt, Ab- teilung desselben in 2 Kollegien, die Stellung des Fürsten Primas u. s. w.

Dalberg erhielt zuerst Nachricht von der in Paris verfertigten Rheinbunds-Akte durch einen Bericht des Grafen Beust, seines Gesandten in Paris, datiert vom 3. und 4. Juli 1806.¹)

In diesem Bericht schreibt Beust, dass Talleyrand von ihm verlangt habe, diese neue Ein- richtung zu unterzeichnen; er(Beust) habe sich vergeblich geweigert, da er keine Vollmacht habe; auf nochmaliges Andringen habe er sub spe rati sich zur Unterzeichnung bereit erklärt. Talleyrand habe darauf mitgeteilt, dass man einen Termin für die Ratifikation des Vertrags festsetzen werde,

1) cf. Perthes(Politische Zustände und Personen in Deutschland zur Zeit der französischen Herrschaft Bd. 2, p. 385 ff.). Häusser(l. c. Bd. 2, p. 579).

²) Häusser: I. c. Bd. 2, p. 582 f.

³) Gagern: Mein Antheil an der Politik p. 140 ff. 4) cf. Beaulieu-Marconnay: I. c. Bd. 2, p. 76 ff.