Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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hiesigen Gymnasiums, so insbesondere um die Angelegenheit des Neubaues sich erworben hat, auf das Wohl derjenigen Mitglieder der genannten hohen Behörde, welche bei der Sache des Neubaues vorzüglich betheiligt und hervorragend thätig gewesen sind, Sr. Excellenz des Wirk- lichen Geheimen Rathes und damaligen Oberpräsidenten der Provinz Preussen Herrn Dr. v. Horn und des anwesenden Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulrathes Herrn Dr. Schrader ein dreimaliges Hoch ausbrachte.

Herr Geheimrath Schrader antwortete mit einem Hoch auf die Stadt Elbing, der eifrigen Pflegerin aller Kategorien von Schulen, an deren Aufschwunge die vieljährige und erfolgreiche Thätigkeit Beneckes den grössten Antheil gehabt. Herr Oberbürgermeister Tho- male gedachte der Thätigkeit der Baumeister, namentlich der Herren Regierungs- und Bau- rath Ehrhardt, Kreisbau-Inspector Passarge und Regierungs-Baumeister Böttger. Damit war die Reihe der officiellen Toaste beendigt; es folgten jedoch noch Toaste auf die Frauen (Greiff), auf Herrn Prof. Dr. Reusch(Jacobi), auf die Jugend(Wisselinck-Thorn), auf das gute Einvernehmen zwischen Gymnasium und Realgymnasium(Brunnemann-Elbing), auf das Comité(Kruse). Herr Stadtrath Peters fordert die Anwesenden auf, ein stilles Glas dem Andenken der verstorbenen Lehrer zu weihen. Im Ganzen hatten 22 Redner gesprochen.

Die Festfreude wurde durch das Absingen mehrerer auf das Fest bezüglicher Lieder gehoben. Das erste Lied nach der Melodie: Denkst Du daran, mein tapferer Lagienka, ge- dichtet von Herrn Superintendent Krüger, hob die Bedeutung des Tages in einem wehmuths- vollen Rückblicke auf die Vergangenheit und in einem hoffnungsvollen Hinblick auf die Zu- kunft kräftig hervor*). Ein Humoristisches, von dem Privatgelehrten Herrn Dr. R. Löwicke

*) Denkst du daran? Des alten Liedes Weise Schaut dort sich hundert Feueressen heben, Erwachet heute wohl in mancher Brust Dort neuer schöner Schulen stattlich Dach, Gereifter Männer, die in frohem Kreise Bekundend Elbings rührigfrisches Streben, Heut' hier erneu'n entschwund'ner Jugend Lust: Verheissend künft'ger Blüthe Prühlingstag! Noch einmal durft' ich heute jenen Räumen Und wahrlich, auch für tausend and're Orte Willkomm entbieten und auch Abschiedsgruss, Des Vaterland's entströmt in ferner Zeit

An die ich oft in meinen schönsten Träumen Dem Hause Segen, das mit frommem Worte Und doch voll Wehmuth mich erinnern muss. Wir gottvertrauend heute eingeweiht!

Noch einmal hört' ich heut' mit Hochgefühlen Heil euch, ihr Edlen, die ihr aus dem alten Dich, kleines Glöcklein, das zu ernstem Thun Ins neue Haus fortwirkend überzieht!

Und froher Lust mich rief mit den Gespielen Bleibt unsern Söhnen lange noch erhalten, Der Jugendtage ach, wo weilt ihr nun? Für die so treu, so redlich ihr euch müh't! Und ihr, getreue Lehrer? Was der Knabe Euch auch, ihr Beide, die wir dankdurchdrungen Von euch empfangen nie vergisst's der Mann! Aus reicher Arbeit müssen scheiden seh'n, Schon schlummern viele, aber bis zum Grabe Zum Lohn für alles, was euch schön gelungen, In warmer Liebe denk ich noch daran! Lasst Gottes reiche Gnade euch erfleh'n!

Doch weicht ihr Nebel! Nicht soll diese Stunde Also auch euch, die ihr zum Segenswerke

Uns Wehmuth trüben, ist sie doch so schön! Neu eingetreten in das neue Haus,

Winkt uns nicht hier an froher Tafelrunde Dass euch dazu des Höchsten Gnade stärke Manch' alter Freund zu sel'gem Wiederseh'n? Bis an ein fernes Lebensziel hinaus!

Umblüht uns nicht in Elbing's jungen Söhnen Dann tragen, Elbing, viele deiner Kinder

Ein neues hoffnungweckendes Geschlecht? In ferne Lande reichen Wissens Zier,

Grüsst uns nicht rings so viel des Neuen, Schönen? Dann giebt zum Dank die Fremde auch nicht minder Die Gegenwart ja sie hat auch ihr Recht! Wie jetzt viel edle Söhne dir dafär!