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in Berlin, gleichfalls einem ehemaligen Schüler des Gymnasiums, gedichtetes Lied schilderte die Wandelungen des alten Gebäudes*), und das ewig neue Gaudeamus gab der gehobenen
Doch nun, ihr Festgenossen, lasset walten Die Gläser voll! In alt' und neuem Bunde
Des Jubels vollen Ton durch eure Reih'n! Auf Elbings gute Zukunft! stosset an!
Die neue Treue beut die Hand der alten. Dann heisst's bei Allen stets: An diese Stunde, Vertrauungsvoll, ihr Brüder, schlaget ein! Fern oder nah, wir denken gern daran!
*) Einst im alten Preussenlande An des Elbingflusses Strande Eine Burg gelegen war.
Und daneben konnt' man sehen Einen grossen Speicher stehen, Korngefüllt in jedem Jahr.
Doch die Bürger, voll des Zornes Ob dem Speicher voll des Kornes, Raisonnirten Alle sehr,
Dass die Ritter Handel trieben, Nicht bei ihrem Leisten blieben, Exportirten übers Meer.
Mächtig war der Zorn geworden, Ohne Saft und Kraft der Orden, Da geschah die grause That. Denn in Aufruhrs hellen Flammen Rotteten sich keck zusammen Bürgerschaft und weiser Bath.
Als die Ritterburg gefallen, Galt's zu sühnen nun vor allen Auch des bösen Speichers Schuld. »Wollen ihn zum Kloster weihen. Das Vergang'ne wird verzeihen Gnädig St. Brigitta’s Huld. c
Und der Mönche und der Nonnen Viele zogen fromm gesonnen Nun vereint ins Kloster ein,
Um durch Fasten und durch Beten Stets von Plagen und von Nöthen Elbing's Bürger zu befrei'n.
Doch das Kloster ging zurücke,
St. Brigitta's Gnadenblicke
Blieben von ihm abgewandt.
Und die Schwestern und die Brüder Zogen hin nach Danzig wieder, Nach der Stadt am Weichselstrand.
Jetzo that der Rath erwägen, Wie er wohl der Stadt zum Segen Könnt' das Kloster wandeln um.
Was ein Speicher einst gewesen, Dann zum Kloster auserlesen, Ward zuletzt Gymnasium.
Weit umher in allen Gauen Konnte man kein bess'res schauen, Ueberall war es geehrt.
Wir, die seine Schüler waren,
Ja, wir haben's selbst erfahren, Jeder wird dort grundgelehrt.
Gutes Beispiel, weise Lehren Immer die Erkenntniss mehren, Auch zum Segen für den Staat. Wo nicht gute Lehren frommen, Muss der Stock zu Hilfe kommen. Rauh ist stets des Wissens Pfad.
Wer in Sexta sich bewährte
Und nach Höb'rem noch begehrte, Siegreich zog in Quinta ein, Dann nach Quarta avancirte,
Und in Tertia reüssirte,
Dacht'’, er müsst' ein lumen sein.
Wer Secunda noch durchmachte, Ohne dass er dabei krachte,
Der war sicherlich nicht dumm. Und nur Wen'gen wollt's gelingen Auch durch Prima durchzudringen, Bis zum Abiturium.
Tinte ist und Schweiss geflossen, Viele haben unverdrossen
Treu gestrebt im alten Haus. Alle, voll von dem Gedanken Ihren Lehrern warm zu danken, Rufen heute freudig aus:
„Lasst uns unser Glas erheben, Unsre Lehrer sollen leben,
Die mit Lust und Freudigkeit
Ihres Amtes Müh' und Plagen
Immer gern und froh getragen Heute, wie in früh'rer Zeit!


