Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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In dieser feierlichen Stunde fühle ich mich gedrungen, Namens des Herrn Unterrichts- Ministers, der mich als seinen Vertreter hierher gesandt hat, und in meinem eigenen Namen dem Gyumasium meiuer lieben Vaterstadt, dem ich meine ganze Schulbildung verdanke, von Herzen Glück zu wünschen zu dem Gewinne der neuen würdigen Räume, in denen wir uns befinden. Mein Glückwunsch gilt der Jugend, welche in diese Räume aus den bisheri- gen engen und dunkeln fröhlich eingezogen ist. Möge sie die gegenwärtige und die nach- folgende den Dank für die ihr dadurch erwachsende Wohlthat stets und ohne Unterlass abtragen durch ernsten Fleiss und sittlich würdiges Betragen, welches gegründet auf lautere Frömmigkeit wohl vereinbar mit echtem Frohsinn, ja so recht die Quelle des echten Froh- sinnes ist. Mein Glückwunsch gilt den Eltern und Angehörigen der diesem Gymnasium an- vertrauten Jugend. Sie werden, das hoffe ich, den segensreichen Einfluss der neuen Schul- räume an der körperlichen und geistigen gesunden Entwickelung ihrer Kinder erfahren. Mein Glückwunsch gilt endlich dem Lehrercollegium der Anstalt. Ich hege mit meinem Herrn Chef das zuversichtliche Vertrauen, dass dasselbe an Haupt und Gliedern unablässig einmüthig dar- nach trachten wird, dem hiesigen Gymnasium das Ansehen, welches die Anstalt in den alten Räumen unter Mylius, Süvern, Mund und Benecke genossen hat, in den neuen Räu- men zu bewahren. Seine Excellenz der Herr Unterrichts-Minister hat sich bewogen gefunden, seiner Theilnahme an dieser schönen Feier dadurch besonderen Ausdruck zu geben, dass er den beiden Herren Oberlehrern Dr. Heinrichs und Dr. Volckmann das Prädikat als Pro- fessor verliehen hat.

Alle von uns ausgesprochene Wünsche gipfeln in dem einen: der allmächtige, allgütige Gott segne dieses Gymnasium, segne die Lehrer, die in ihm wirken, segne die Jugeud, die in ihm erzogen wird. An Gottes Segen ist Alles gelegen.

Mit dem Gesange der von allen Anwesenden stehend gesungenen drei Verse des Liedes: »Nun danket alle Gott« schloss die erhebende Feier in der Aula. Ein Theil der Festgenossen besichtigte darauf die Räume der Anstalt und der in derselben befindlichen Stadtbibliothek.

Nach einundeinhalbstündiger Pause versammelten sich etwa 170 Festtheilnehmer zu einem Diner in dem geschmückten grossen Saale des Casino. Nach dem ersten Gange erhob sich der Wirkliche Geheime Ober-Regierungsrath Herr Ministerial-Direktor Dr. Greiff und brachte den ersten Toast auf Se. Majestät den Kaiser und König Wilhelm I., den erhabenen Förderer der Künste und Wissenschaften aus. Die Anwesenden, welche schon beim Beginn der Rede sich erhoben hatten, stimmten dreimal begeistert in das Hoch ein und sangen ste- hend die Nationalhymne. Den zweiten Toast brachte Herr Provinzial-Schulrath Dr. Kruse auf das Elbinger Gymnasium aus und auf dessen zukünftige gedeihliche Entwickelung, worauf Herr Dir. Dr. Töppen mit herzlichen Worten den vorgesetzten Behörden seinen Dank für die zahlreichen Beweise ihrer Fürsorge für das Gedeihen des Elbinger Gymnasiums aussprach. Herr Landrath Birkner, der erste der vom Herrn Geheimrath Benecke inscribirten Schüler, schilderte in launiger Weise seine Aufnahme in das Gymnasium im Jahre 1844 und toastete auf den letzten Direktor des alten Gymnasiums, worauf Herr Geheimrath Benecke unter dank- barer Hervorhebung der Verdienste, welche das Königl. Provinzial-Schulcollegium in Königsberg bis zur Theilung der Provinz Preussen im Jahre 1878 wie um die allgemeineren Interessen des