Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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Darauf wendete sich der Herr Direktor an die Lehrer der Anstalt und wünscht der Erbe des freundschaftlichen Vertrauens, mit welchem dieselben dem früheren Direktor vom An- beginne entgegengekommen seien und des thatkräftigen Beistandes theilhaftig zu werden, mit welchem sie Jenem die Lösung seiner Aufgabe erleichtert hätten.»Ich hoffe, dass wir je länger je enger uns zusammenschliessen werden zu gemeinschaftlicher Thätigkeit für unsere Schule. Im Wechsel der Achtung und herzlichen Vertrauens werden wir Alle Arbeiter an einem Werke sein. Keiner setze seine Interessen in den Vordergrund, Jeder finde seine Ehre in dem Gedeihen des Ganzen, damit wir auch nach aussen hin das erfreuliche Bild einer Ver- einigung darstellen, in welcher Jeder seine Befriedigung, Jeder seinen Stolz darin sucht, einem durch innige Liebe zum Berufe, zur Wissenschaft und Kunst enggeschlossenen Ganzen anzugehören.

Den Schülern legte der Redner besonders Folgendes nahe: Wohl ist es wahr, dass alle lebenden Wesen an ihrem Dasein und der Regung ihrer Kräfte Lust empfinden. Die reinste und stärkste Lust aber ist die Freude des Menschen an der glücklich vollbrachten Thätigkeit. Jeder andere Reiz verliert, jeder andere erregt einmal Uebersättigung; die Freude an der glücklich vollbrachten Arbeit allein, je öfter wir sie empfinden, desto lebendiger und inniger wird sie uns. Während alles Andere den Geist ermüdet, erschlafft, nach unten zieht, führt diese Freude den Menschen immer höher und höher hinauf.

Hierauf wendete sich der Herr Redner an die Anwesenden mit folgenden Worten: Hochverehrte Anwesende! Hat Sie heute das specielle Interesse für die Schule in diesem Saale vereinigt, indem die Einen von Ihnen der Zeiten gedenken, in welchen sie selbst dieses Gymnasium besuchten, Andere die Förderung ihrer Kinder und Angehörigen von demselben erhoffen, noch Andere die Schule als ein unentbehrliches Institut für das öffentliche Wohl er- kennen, so gemahnt mich Ihre Gegenwart daran, mit wie mannigfaltigen Kreisen unsere Schule in Verbindung steht, und wie sehr ihr Wohl und Gedeihen von dem Wohl und Gedeihen aller dieser Kreise abhängig ist. Nun sind wir Alle in der glücklichen Lage, einem Staate anzugehören, der äusseren Feinden gegenüber seiner oft erprobten Kraft unter Gottes Beistand vertrauen kann, und dessen Regierung mit seltener Gewissenhaftigkeit und Hingabe für das Wohl Aller sorgt. Wer die Geschichte des preussischen Staates kennt, weiss, wie es dahin gekommen ist, weiss, in wie eminentem Masse die Bildung dieses Staates zu Macht und in- nerer Wohlfahrt das Werk seines Herrscherhauses ist, aus welchem in jedem Jahrhundert Hel- den und Weise erstanden sind, deren Gleichen es wenige in der Weltgeschichte giebt; und unter diesen Helden und Weisen steht als der ruhmvollsten und glänzendsten einer, unser all- geliebter Kaiser und Herr, Wilhelm I. Wo preussische Männer zu irgend welchem feierlichen Acte versammelt sind, da drängt es sie, ihre Pietät für den ehrwürdigen Heldengreis laut werden zu lassen. Ich fordere Sie daher zum Schlusse meiner Rede auf, einzustimmen in das Hoch auf unsern geliebten Herrn! Se. Majestät unser allverehrter Kaiser und Herr, Wilhelm I. lebe hoch, hoch, hochle

Die Anwesenden erhoben sich und stimmten begeistert dreimal in das Hoch ein.

Zum Schlusse ergriff der Herr Ministerial-Direktor Greiff das Wort zu folgender Ansprache: