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Auch Sie, verehrte Anwesende, welche Sie soeben zu einer letzten Feier in den alten Räumen des Gymnasii versammelt waren, sie Alle werden gern den Empfindungen Raum gegeben haben, welche uns bei dem Rückblicke auf jede zum Abschluss gekommene, uns selbst unmittelbar berührende Lebensthätigkeit zu überkommen pflegen. Doch der Blick in die Vergangenheit soll nicht bloss Bilder des Gewesenen, sondern auch neue Hoffnungen wecken und neue Anre- gungen geben.«
In diesem Sinne charakterisirte er einige der ausgezeichnetesten Pädagogen, welche an dem Gymnasium zu Elbing gewirkt haben, namentlich Gnapheus, Johannes Mylius, Johann Wilhelm Süvern und Johann Georg Mund. Benecke's Verdienste um das Gymnasium und um das gesammte Schulwesen der Stadt Elbing habe bei den vorgesetzten Behörden und aller Orten die glänzendste Anerkennung gefunden:»Möge«, fuhr er fort,»Pestalozzisches Gemüth und Herbart'’sche Geistesschärfe und Geisteshoheit, wie sie ihn auszeichnen, das Erbtheil vieler seiner Nachfolger und deren Mitarbeiter sein.«
Die Bedeutung des Gymnasii für die Stadt Elbing und die Provinz Preussen fasste er in folgenden Worten zusammen:»Wohlthaten von unermesslicher Tragweite hat das Gym- nasium, so lange es sich in dem jetzt verlassenen Gebäude befand, der Stadt Elbing und wei- teren Kreisen rings umher gespendet. Es hat eine grosse Mission erfüllt, indem es im Zeitalter der Reformation die Fackel der geläuterten Lehre des Christenthums der Bürgerschaft voran- trug, indem es ferner in den Jahrhunderten der Schutzherrlichkeit Polens wesentlich dazu mitgewirkt hat, dass dem überall andringenden Polenthume gegenüber in dieser Stadt und ihrer Umgebung deutsche Sprache, Bildung und Gesittung ohne Unterbrechung aufrecht erhal- ten blieben, indem es endlich über dem materiellen Treiben der Handelswelt das Panier der höheren Interessen des Geistes entfaltet und geschützt hat.“
Nach der Uebergabe des ursprünglich städtischen Gymnasiums an den Staat sei die Zahl der Schüler in dem Maasse gestiegen, dass die Errichtung eines neuen geräumigeren Schulgebäudes an Stelle des zu eng gewordenen alten nothwendig geworden sei. Der schöne Bau sei nun vollendet:»Von heute ab sind die Pforten dieses neuen Gebäudes allen denen geöffnet, die durch wissenschaftliche Studien Geist und Seele harmonisch bilden und für die nöchsten Aufgaben des Lebens geschickt machen wollen. Gott segne ihren Eingang und Aus- gang. In dem neuen Gebäude aber walte Gottesfurcht und Prömmigkeit, edle Gesittung, lautere Wahrheit, treuer Fleiss und energisches Streben. Mögen Viele der Geistesschätze sich bemäch- tigen, welche hier gespendet werden. Möge reicher Segen aus diesem Hause ausströmen in alle Schichten der Gesellschaft nahe und ferne. Möge das Gymnasium auch in diesem neuen Gebäude die Freude und der Stolz der Stadt Elbing bleiben, wie es in dem verlassenen bisher der Fall gewesen ist.«
Der Herr Director spricht darauf den anwesenden Vertretern der Behörden seinen Dank aus für das Vertrauen, das sie in ihn gesetzt, und für alle anderen Zeichen des Wohl- wollens; ferner für die Ueberweisung des neuen Schulgebäudes. Es solle dieser Dank auch an die Königl. Regierung und an diejenigen gerichtet sein, welche den Plan des neuen Gebäudes entworfen und ausgeführt haben, hier die Herren Regierungsrath Ehrhardt, Kreisbauinspektor Passarge und Baumeister Böttger.


