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mit Plato zu reden, innerlich vornehmer, als das eines Lehrers der Jugend; welche Institution ist bedeutungsvoller und dauernder, als die Schule. Auf ihr beruht vor allem das Wohl der Gemeinde. Das bezeugt laut die Geschichte auch dieser Stadt und dieser Schule; sie haben Jahrhunderte lang deutschen Glauben, deutsche Bildung, deutsche Vaterlandsliebe gehegt und gepflegt, sie werden Träger und Hort deutschen Glaubens, deutscher Bildung und deut- scher Vaterlandsliebe Jahrhunderte lang bleiben. So ist es gewesen in den Zeiten, wo der Orden noch mitten in seiner weltgeschichtlichen Aufgabe stand, den Glauben an den Heiland, Bildung und Sitte, Recht und Gesetz unter barbarischen Heiden zu verbreiten; damals, als der Rath der jungen Stadt Elbing die schola senatoria gründete, die schon den Bau der Marienburg und die grossen Tage Winrichs von Kniprode geschaut hat, dessen glorreiche Regierung gerade vor einem halben Jahrtausend— am 24. Juni 1382— zu Ende ging. So ist es gewesen, als durch die Reformation, welche mit kirchlicher Autorität und Tradition sich nicht begnügt, sondern von ihren Bekennern fordert, dass sie sich über den Grund ihres Glaubens Rechenschaft geben, das Schulwesen in protestantischen wie in katholischen Landen einen so grossen Aufschwung nahm und aus der schola senatoria das erste westpreussische Gymnasium hervorging. Stadt und Schule sind sich der Aufgabe, den eigenen Glauben und die eigene Nationalität kräftig zu wahren unter der polnischen Fremdherrschaft immerdar bewusst geblieben; ja als im deutschen Reiche der Bruderkrieg tobte und Schulen wie Städte verödeten, da ist Elbing eine Zufluchtsstätte wissbegieriger Jünglinge gewesen; der Rector Mylius(1598— 1629) hat in 30 Jahren 4000 Schüler aufgenommen und die sechs letzten Kriegsjahre hindurch hat der bedeutendste Schulmann seiner Zeit, der grosse Didaktiker Amos Comenius an diesem Gymnasium gelehrt. So war es auch, als unter preussischem Scepter der Rector Süvern hier die Reform des Gymnasialwesens begann, die unter seiner Mit- wirkung als Director im Unterrichts-Ministerium sich über die ganze Monarchie verbreitete; so ist es gewesen bis auf diesen Tag und in solchem Geiste weihen wir dieses Haus.
Deutschem Glauben. Zwar es gilt nicht mehr, mit dem Schwerte zu kämpfen wider das Heidenthum wilder Stämme; kein Feind in Wehr und Waffen steht dem Christen- thum gegenüber: aber dem schnöden Unglauben und dem spitzigen Zweifel an allem Heiligen, der die dem Materiellen ergebene Welt erfüllt, gilt es entgegenzutreten, und ernst ist die Aufgabe des Lehrers, die jugendlichen Seelen der ihm anvertrauten Zöglinge zu behüten und zu stärken wider den verderblichen Einfluss einer glaubensarmen Lehre, die das Jenseits leugnet und so dem Erdenleben allen Halt raubt. Dass ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, wie auch der menschliche wanke, das bezeuge in Wort und Wandel der Lehrer dem Zöglinge und sei ihm ein Beispiel ernster religiöser Ueberzeugung zugleich und christlicher Duldung.
Wir weihen dieses Haus deutscher Bildung. Ja, was ist denn die Eigenart deut- scher Bildung? Doch wohl der ideale Sinn. In strenger Pflicht und ernster Arbeit den Geist der Jugend zu üben nicht an dem, was morgen verwerthet werden kann, sondern an dem, was edel und schön ist; sie abzuziehen von allem Niederen und Gemeinen, sie zu begeistern für alles Hohe, das der Genius des deutschen Volkes geschaffen hat, Verehrung für jede sittliche Grösse in ihre Herzen zu pflanzen und den Trieb der Nachahmung, das ist, das sei deutsche Bildung. Zwar ich weiss, die Idealisten sind allezeit verspottet worden als Träumer in Wolkenkukuks-


