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die im Laufe der Zeiten hier aus- und eingehen werden, und mit ihnen zugleich die Tausende von Vätern und Müttern, die ihre Söhne, die Augäpfel ihrer Liebe, mit ihren heissen Gebeten im Geiste hierher begleiten werden. Lass alle diese Gebete an dein Vaterherz dringen und erhöre sie in Gnaden! Verleihe, dass alle Jünglinge, die diese Anstalt entlassen wird, in Geist und Gemüth wohl vorbereitet hinausziehen in den versuchungsvollen Kampf des Lebens, damit sie dereinst als wackere deutsche Männer, ein Jeder an seiner Stätte, Zeugniss davon ablegen, dass die Mühen treuer Lehrer an ihnen nicht vergeblich gewesen sind,— Zeugniss durch Wort und durch That, dieser Anstalt zur Ehre, ihren Familien zur Freude, der Welt zum Segen und sich selbst zum Heil und zu wahrer innerer Lebensbefriedigung! Und so lass auch diese Anstalt dazu dienen, dass dem Kommen deines Reiches, des Reiches Gottes und Jesu Christi, des Reiches des Lichtes, der Gerechtigkeit und des Friedens Bahn und Raum ge- schafft werde und lass aus der hier gestreuten Saat eine Frucht erwachsen, die da bleibe zum ewigen Leben!
Segne den Kaiser und König, unsern geliebten Landesvater und sein Regiment! Segne diese Stadt, ihre Obrigkeit und ihre Bürgerschaft! Segne und behüte uns alle bei unserem Ausgang und Eingang, lass dein Angesicht über uns leuchten, erhebe dein Angesicht auf uns und gieb uns deinen Frieden! Vater unser, der du bist im Himmel etc. Amen.
Nachdem das Gebet geendet, trug der durch mehrere Damen und Herren des Kirchen- chores verstärkte Gymnasialchor den eigens für diesen Tag componirten Psalm 100 vor, worauf der Herr Provinzialschulrath Dr. Kruse das Katheder bestieg und nachstehende Rede hielt:
Die Erinnerung der vergangenen Jahrhunderte, die Hoffnung der kommenden ist mit uns eingezogen in diese stattlichen Räume, uns mahnend an den Wandel alles Irdischen. Fernab im Dunkel der Vorzeit liegen die Anfänge dieser Schule, und manch ein Geschlecht der Sterblichen ist seitdem, den Blättern der Bäume gleich, aufgeblüht und niedergegangen; und wir, die wir heute das Licht der Sonne schauen, wir wissen, dass von ihrem Glanze die Linnen des Hauses umflossen sein werden, wenn späte Enkel auf moosbewachsenem Stein kaum unser Eines Namen noch lesen werden. Und dennoch, wenn dem königlichen Psalmen- sänger der Mensch erschien wie die Blume des Feldes:»gehet der Wind darüber hin, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr,« wir geben uns mit nichten dem trost- losen Bilde des Dichters gefangen. Denn die Lilie des Feldes blüht für sich allein so dahin, unbekümmert um ihres Gleichen, keiner Gemeinschaft angehörend, keines Ganzen Glied, spur- los in ihr Nichts versinkend. Nicht also der Mensch. Wie niedrig auch immer sein Loos gefallen sein mag, er ist in den Kreis der Familie und der Gemeinde gestellt, darinnen er zu wirken berufen ist nach den ihm verliehenen Gaben. Er trägt in sich das Bewusstsein der höheren Aufgabe und die Befähigung, ihr zu genügen; ihn unterscheidet von der Pflanze Pflicht und Arbeit, die seinem Leben Werth geben und Inhalt. Was der Einzelne war an Geist und Tugend und Glauben, das ist mit ihm auch im Tode nicht verloren, das begleitet ihn zu Gottes Thron, das lebt im Gedächtniss der Menschen fort zu seines Namens Ehre, das hat mitgewirkt zu den ewigen Zwecken der Menschheit. Und fürwahr, welche Aufgabe des irdischen Lebens ist edler und wichtiger, als das geistige und sittliche Erbe der Vergangenheit zu
wahren und zu mehren und den kommenden Geschlechtern zu übermitteln; welches Amt ist, 3


